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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

02. - 06.10.2006, Berlin

Saethre-Chotzen-Syndrom in Kombination mit Hypophosphatasie – von der Analyse der Gendefekte bis zum Frakturmanagement

Meeting Abstract

  • F. Barvencik - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
  • M. Gebauer - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
  • T. Schinke - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
  • M. Rupprecht - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
  • M. Amling - Zentrum Biomechanik, Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
  • J.M. Rueger - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 02.-06.10.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocE.2.1-628

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2006/06dgu0061.shtml

Veröffentlicht: 28. September 2006

© 2006 Barvencik et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die erbliche Hypophosphatasie ist charakterisiert durch eine gestörte Knochenmineralisation infolge eines Defektes im TNSALP-Gen. Es existieren fünf verschiedene Formen, die von intrauterinem Tod bis hin zu nur geringer Ausprägung von pathologischen Frakturen im Erwachsenenalter reichen. Das ebenso erbliche Saethre-Chotzen-Syndrom ist eines der häufigsten der Craniosynostosesyndrome und entsteht durch Mutation des TWIST-Gens. Das gemeinsame Auftreten bei einem Patienten mit dokumentierten Gendefekten und prolongiertem Frakturmanagement periprothetischer Frakturen und Pseudofrakturen ist zuvor noch nie beschrieben worden. Die Arbeit hatte die Analyse und Diagnostik der in Kombination einmaligen Gendefekte sowie die Untersuchung des kalkulierten Managements der Frakturen und Pseudofrakturen zum Ziel.

Methoden: Bei einem 33jährigen Mann mit periprothetischer Fraktur des rechten Femurschaftes bei liegendem Gamma-Nagel fielen die turmschädelartige Veränderung des Kopfes sowie eine Vielzahl von Frakturen in der Anamnese auf. Genomische DNS wurde von Leukozyten extrahiert und alle Exone des TNSALP-Gens und des TWIST-Gens mit der PCR-Methode amplifiziert und dann sequenziert. Zur weiteren Charakterisierung des Phänotyps wurden histologische Analysen von Knochenproben mit der von Kossa, der van Gieson und der HE-Färbung durchgeführt. Zusätzlich wurden Serum-Spiegel der Alkalischen Phosphatase, Phosphat-Serum-Spiegel und Calcium-Serum-Spiegel zu verschieden Zeitpunkten bestimmt. Darüber hinaus wurden Knochendichtemessungen vorgenommen.

Ergebnisse: Nach 18 klinisch und radiologisch gesicherten Frakturen in der Vergangenheit wurde die neu aufgetretene periprothetische Fraktur des rechten Femurs mit einem langen Gamma-Nagel stabilisiert und die in der Diagnostik entdeckte Pseudofraktur des linken Schenkelhalses prophylaktisch mittels Schrauben-Osteosynthese versorgt.Die Knochendichtemessungen bestätigten die klinisch manifeste Knochenstrukturstörung. Die BMD des Femurs betrug 0,711% und der T-Score -2,78. Die histologischen Untersuchungen zeigten eindrucksvoll die vorliegende Knochenstoffwechselstörung mit signifikant erhöhter Osteiodmenge. Die genetischen Analysen zeigten die Mutation E174K im Exon 6 und M278V im Exon 9 des TNSALP Gens sowie die Insertion von drei Basen an der Stelle 242 im TWIST-Gen.

Schlussfolgerung: Erstmalig konnte die Kombination der erblichen Hypophosphatasie mit dem Saethre-Chotzen-Syndrom anhand genetischer Analysen nachgewiesen und der klinische Verlauf verfolgte werden. Darüber hinaus war es möglich durch das Zusammenspiel molekularbiologischer Methoden und unfallchirurgischer Expertise die Erkrankung zu diagnostizieren und deren Folgen im Rahmen eines kalkulierten Managements der Frakturen und Pseudofrakturen zu kontrollieren. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, wie moderne Unfallchirurgie zusammen mit molekularbiologischen Methoden eine integrierte Versorgung schwerer Knochenstoffwechselerkrankung ermöglicht.