gms | German Medical Science

68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
90. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
45. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Physiotherapie – Zentralverband der Physiotherapeuten/Krankengymnasten

19. bis 23.10.2004, Berlin

Klassische Konditionierung der LPS-induzierten Endotoxintoleranz

Meeting Abstract (DGU 2004)

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  • R. Oberbeck - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen
  • A. Kromm - Klinik für Anästhesiologie, Universitätsklinkum Essen
  • D. Nast-Kolb - Klinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie. 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 90. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 45. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 19.-23.10.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dguN2-35

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2004/04dgu0626.shtml

Veröffentlicht: 19. Oktober 2004

© 2004 Oberbeck et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung

Die Möglichkeit physiologische Abläufe zu konditionieren wurde erstmals durch Pavlov in einem Versuch gezeigt, in dem die Präsentation von Futter bei Hunden mit einem Glockenton gepaart wurde. Hier reichte am Ende der Glockenton (nicht konditionierter Stimulus, UCS) aus, um den normalerweise durch die Präsentation des Futters (konditionierter Stimulus, CS) ausgelösten Speichelfluß der Hunde zu induzieren. Die Konditionierung von Immunfunktionen ist weiteres faszinierendes Beispiel, wobei die Möglichkeit, die LPS-induzierte Endotoxin-Toleranz zu konditionieren bisher nicht untersucht wurde. In den hier beschriebenen Konditionierungsmodellen wird eine neu-schmeckende Flüssigkeit als nicht-konditionierter Stimulus=UCS verwandt. Die Möglichkeit eine Endotoxintoleranz zu konditionieren würde Hinweise auf eine Beteiligung des ZNS an der Toleranzentstehung liefern.

Methoden

In 16 männlichen DA-Ratten wurde durch repetetive intraperitoneale Gaben von LPS (Sal. abort. equi, 0.1 mg/kg am 1. Tag, 0.2 mg/kg am 2. Tag und 0.5 mg/kg am 3.-5. Tag, CS) eine Endotoxin-Toleranz induziert (COND). Die Gabe von LPS bei diesen Tieren wurde mit der gleichzeitigen Gabe einer süsslich schmeckenden Trinklösung gepaart (Saccharin 0.2%, UCS). Die Endotoxin-Toleranz wurde durch Messung der LPS-induzierten TNF-alpha Freisetzung aus dem Blut der Tiere bestimmt. Als Kontrollen dienten Versuchstiere die normales Trinkwasser ohne (UNT, n=16)und mit (SHAM, n=16) begleitender Gabe von LPS bekamen. 14 Tage nach dem Nachweis der Toleranzrückbildung in allen mit LPS behandelten Tieren erfolgte eine weitere Versuchsphase, in der alle Gruppen (UNT, SHAM, COND)ohne Gabe von LPS die Saccharinlösung erhielten. Wie zu den Untersuchungszeitpunkten zuvor erfolgte eine Bestimmung der Toleranz durch Messung der TNF-alpha Freisetzung nach Stimulation von Vollblut mit LPS (E.coli).

Ergebnisse

Unsere Ergebnisse zeigen, dass nach der oben beschriebenen Konditionierungphase in der konditionierten Gruppe (COND) die alleinige Gabe von Saccharin ausreichte, um unabhängig von LPS eine vollständige Endotoxin-Toleranz zu induzieren. In den Kontrollgruppen (UNT, SHAM) bewirkte die Gabe von Saccharin keinerlei meßbare Veränderungen.

Schlussfolgerungen

Unsere Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass die LPS-induzierte Endotoxin-Toleranz nach dem Paradigma der KLassischen Konditionierung konditionierbar ist. Dies liefert neue Hinweise auf die Mechanismen der Toleranzentstehung und zeigt die Beteiligung des ZNS beim Auftreten diese Phänomens. Darüber hinaus ist eine Konditionierung auch bei Menschen möglich und könnte somit die Grundlage einer neuen therapeutischen Strategie bei einem Endotoxinschock darstellen.