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67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

11. bis 16.11.2003, Messe/ICC Berlin

Die Notruftelefone - Verkürzung des therapiefreien Intervalls - eine Erfolgsgeschichte

Kurzbeitrag (DGU 2003)

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  • Siegfried Steiger - Winnenden

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie. 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 11.-16.11.2003. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. Doc03dguD14-1

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2003/03dgu0364.shtml

Veröffentlicht: 11. November 2003

© 2003 Steiger.
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Gliederung

Text

Der Notruf gehört zur Gesamtproblematik der Notfallhilfe und muss als ein Teil davon gesehen werden. Gestatten Sie mir deshalb, dass ich auf diesen Zusammenhang eingehe. 1969 hat die Björn Steiger Stiftung den Kampf gegen den Verkehrstod aufgenommen. Bis dahin sind die Zahlen der Verkehrsunfälle und der Verkehrstoten gleichmäßig und parallel gestiegen.

1970/71 war der Höchststand der Zahl der Verkehrstoten erreicht. Es starben jährlich über 20.000 Menschen auf den Straßen der alten Bundesrepublik. Erfreulicherweise ist es seit dieser Zeit gelungen die Zahl der Verkehrstoten systematisch zu reduzieren. Inzwischen ist diese Zahl einschließlich der neuen Bundesländer unter 7.000 gesunken. Auch die Zahl der Schwerverletzten konnte sehr deutlich gesenkt werden.

Trotz großer Bemühungen der Verkehrssicherheitsarbeit sind die absoluten Verkehrsunfallzahlen in den letzten 30 Jahren leider nicht zurückgegangen. Sie haben sich im Gegenteil seit dieser Zeit, nach Abzug der Blechschäden, mehr als verdoppelt. Der vermeintliche Rückgang der Verkehrsunfallzahlen zwischen 1970 und 1975 ist ein rein statistischer Rückgang, denn bis 1970 sind in der Verkehrsstatistik auch Blechschäden als Verkehrsunfälle dokumentiert worden. Erst seit dem Jahr 2000 haben wir erfreulicherweise zum ersten Mal ein leichtes Absinken der Verkehrsunfallzahlen.

Der Rückgang der Zahl der Verkehrstoten ist vielen zu verdanken. Den Hauptanteil an dieser erfreulichen Entwicklung hat aber zweifellos die seit 1970/71 verbesserte Notfallhilfe. Wie sah diese 1969 aus?

-Es gab keine staatlichen Zuständigkeiten.

-Es gab keine Gesetze oder Verordnungen für die Notfallhilfe.

-Es gab keinen flächendeckenden Krankentransport rund um die Uhr. Er wurde weitgehend von engagierten, ehrenamtlichen, aber schlecht ausgebildeten Helfern durchgeführt. Die „Rückspiegelrettung" war die Regel. Der Fahrer be-obachtete über den Rückspiegel den Zustand des Patienten, denn er war meist allein mit dem Patienten im Fahrzeug.

-Es gab keine Rettungsleitstellen.

-Es gab flächendeckend keinen Funk im Krankentransport.

-Es gab keine Rettungswagen.

-Notärzte waren nur an wenigen Standorten stundenweise im Einsatz.

-Es gab flächendeckend keine einheitliche Notrufnummer.

-Es gab nicht einmal eine Planung eines Notrufmeldesystems.

-Aber es gab jedes Jahr 20.000 Verkehrstote - Tendenz steigend.

Der Tod unseres neunjährigen Sohnes Björn und die daraus entstandene Björn Steiger Stiftung hatten einen großen Anteil am Aufbau einer funktionsfähigen Notfallhilfe in Deutschland. Das strategische Gründungsziel der Björn Steiger Stiftung war:

-Mängel aufzudecken.

-Lösungsalternativen zu erarbeiten.

-Kosten zu ermitteln.

-Die Umsetzung durch Anschubfinanzierung zu realisieren.

Auf diese Weise wurden die Initiativen der Björn Steiger Stiftung zu den Meilensteinen der deutschen Notfallhilfe. Es würde den Rahmen dieses Referates sprengen, diese Initiativen umfassend zu erläutern. Aber wir können heute rückblickend sagen, dass alle wichtigen Verbesserungen der Notfallhilfe in den letzten 30 Jahren auf Initiativen der Björn Steiger Stiftung zurückgehen.

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Verbesserung der Notfallhilfe war

die Motivierung der Öffentlichkeit für diese Problematik. 1969 wurde öffentlich noch vom notwendigen Blutzoll gesprochen, den die Mobilität der Gesellschaft nun einmal fordert. Wir setzten den Slogan dagegen:

„Jeder Verkehrstote ist einer zu viel."

Der Björn Steiger Stiftung ist es in den ersten Jahren nach ihrer Gründung gelungen, den Kampf gegen den Verkehrstod sehr schnell zu einer gesellschaftspolitischen Aufgabe zu machen. Unsere erste Aufgabe sahen wir in der Schaffung eines bundeseinheitlichen Notrufmeldesystems und seither ist die Anpassung des Notrufmeldesystems an den modernsten Stand der Technik unsere wichtigste Aufgabe geblieben.

Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Schon zu Beginn unserer Arbeit war uns klar, das Notrufmeldesystem ist das schwächste Glied der Rettungskette. Deshalb habe ich schon im Herbst 1969 in einer Anhörung vor dem Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages unter anderem die Schaffung eines bundeseinheitlichen Notrufmeldesystems mit Rettungsleitstellen, Funkversorgung für Krankentransport und Rettungsdienst, bundeseinheitlicher Notrufnummer 110/112 und öffentliche Meldeeinrichtungen an Autobahnen und Straßen gefordert.

Um das Notrufmeldesystem zu verbessern hat die Björn Steiger Stiftung schon wenige Wochen nach ihrer Gründung die ersten Funkgeräte für den Krankentransport an Hilfsorganisationen übergeben. Um eine Breitenwirkung zu erreichen, haben wir allen Landkreisen in Baden-Württemberg angeboten ein Drittel der Kosten für die notwendigen Funkgeräte zu übernehmen, wenn sie selbst zwei Drittel tragen. Man muss sich dabei erinnern, dass ein Funkgerät damals 7.500 DM, ein Volkswagen aber nur 6.900 DM kostete. Mit dieser Aktion haben wir die Einführung des Funkverkehrs in der Notfallhilfe erreicht.

Parallel zur Einführung des Funkverkehrs haben wir uns um das Notrufmeldesystem an Autobahnen, Bundes-, Land- bzw. Staats- und Kreisstraßen gekümmert. Sie sehen auf diesem Bild eine Bundesautobahn aus dem Jahr 1969. Es fehlten nicht nur die Leitplanken, es fehlten auch Notruftelefone.

Dazu hatte mir der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber erklärt: „Notruftelefone gab es noch nie an deutschen Autobahnen. Das was Sie meinen sind Autobahnbetriebstelefone, an denen sich der Streckendienst alle zwei Kilometer melden musste. Heute hat unser Streckendienst Fahrzeuge und Funk und deshalb werden neue Autobahnen nicht mehr mit diesen Meldeeinrichtungen ausgestattet."

Ich möchte nicht auf Einzelheiten eingehen. Aber es war ein mehrjähriger Kampf, bis wir mit dem Nachfolger von Georg Leber, Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen, eine Vereinbarung schließen konnten, dass an Autobahnen auch weiterhin Autobahnbetriebstelefone als Notrufmeldeeinrichtung aufgebaut und unterhalten werden, obwohl sie für ihren eigentlichen Zweck nicht mehr benötigt wurden. Erstaunlich war für uns, dass wir beim Kampf um den Autobahnnotruf völlig allein gelassen wurden. Wir hatten bei der Umsetzung dieser Initiative nicht einmal die Unterstützung der Automobilclubs.

Politik und Öffentlichkeit setzten damals nicht auf die Notfallhilfe, sondern ausschließlich auf Verkehrssicherheitsarbeit. Man hatte einfach nicht begriffen, dass man das eine tun und das andere nicht lassen darf.

Bei unserem Kampf um die Verbesserung der Notfallhilfe sind wir immer wieder auf den Begriff der Unbezahlbarkeit gestoßen. Man setzte die Unbezahlbarkeit in den Mittelpunkt der Argumentation ohne die Kosten auch nur zu kennen.

Wie Sie dieser Aufstellung entnehmen können, liegen die Kosten der gesamten lebensrettenden Notfallhilfe bei 1,351 % der Gesamtkosten der gesetzlichen Krankenversicherungen. Sie betrugen im Jahr 2002 insgesamt 1,9 Milliarden Euro.

Die Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen vom Juli 2003 haben für Tote und Verletzte im Straßenverkehr folgenden volkswirtschaftlichen Schaden ermittelt: Getötete 1.174.064 €, Schwerverletzte 83.412 €, Leichtverletzte 3.737 €.

Wenn wir also davon ausgehen, dass nur ein Viertel des Rückgangs der Verkehrsto-ten seit 1970, also ein Viertel von 13.000, der verbesserten Notfallhilfe zu verdanken ist, so wurde damit ein volkswirtschaftlicher Schaden von jährlich 38,3 Milliarden Eu-ro verhindert, ohne Berücksichtigung aller anderen volkswirtschaftlichen Nutzeffekte ist der daraus entstandene volkswirtschaftliche Nutzen der Notfallhilfe allein aus dem Rückgang der Verkehrstoten im Straßenverkehr 16 Mal so groß wie seine Kosten. Es ist deshalb völlig unverständlich, dass staatliche Stellen immer wieder Gutachten zur Untersuchung der Wirtschaftlichkeit des Rettungsdienstes in Auftrag geben, die meist ergebnislos enden, weil angeblich der Nutzen der Notfallhilfe nicht ermittelt werden kann. Doch zurück zum Notruf.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Stiftung ist seit 1969 der Aufbau des Notrufmeldesystems an allen deutschen Straßen. Als das Pilotprojekt für Notruftelefone des Bundesverkehrsministers 1970 an organisatorischen Mängeln gescheitert war, haben wir die Voraussetzungen für den Aufbau eines Notruftelefonnetzes für die Bundesrepublik geschaffen. Am 7. Juli 1971 haben wir das erste Notruftelefon an der Bundesstraße B 14 zwischen Stuttgart und Nürnberg errichtet. Dies war der Beginn des ersten flächendeckenden Notrufmeldesystems außerhalb von Autobahnen in ganz Europa.

Inzwischen ist die Björn Steiger Stiftung mit über 7.000 errichteten Notruftelefonen der größte private Notrufbetreiber in Europa, wahrscheinlich weltweit geworden. Unsere Notruftelefone stehen in einem durchschnittlichen Abstand von 2,5 bis 3,5 km.

In unser Meldesystem haben wir andere Meldemöglichkeiten, wie öffentliche Fernsprecher einbezogen, soweit sie direkt an den Straßen stehen und münzfreien Notruf ermöglichen. Nach der Wiedervereinigung haben wir schon 1991 das erste Notruftelefon in den neuen Bundesländern an der B 92 bei Zwickau in Betrieb genommen. Inzwischen haben wir alle Bundesstraßen und viele Landes- und Kreisstraßen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg flächendeckend mit Notruftelefonen versorgt. Sachsen-Anhalt ist zum größten Teil versorgt. In Mecklenburg-Vorpommern durften wir leider nur vereinzelt Notruftelefone errichten.

Auf diesem Bild sehen Sie die Notrufversorgung des Landkreises Ravensburg in Baden-Württemberg. Wir hatten gehofft, dass sich die Bundesländer und Kreise am Aufbau dieses Systems beteiligen. Leider vergebens. So mussten wir insgesamt

über 15 Millionen Euro an Investitionskosten aus eigenen Mitteln für das Notrufmeldesystem aufbringen. Für weitere 10 Millionen Euro haben wir unser Notrufmeldesystem insgesamt acht Mal dem neuesten Stand der Technik angepasst. Weder für Investitionskosten noch für die permanente technische Weiterentwicklung des Notrufsystems als öffentliche Aufgabe haben wir keinen Pfennig oder Cent staatliche Unterstützung erhalten.

Die jährlichen Unterhaltskosten für Fernmeldegebühren, Wartung, Instandhaltung und Reparatur betragen zusätzlich zu den Investitionskosten jährlich 1,7 Millionen Euro. Dafür erhielten wir bisher Spenden, Bußgelder von Gerichten aus Strafverfahren und Zuschüsse von Bundesländern und Stadt- und Landkreisen.

Die Spenden sind in den letzten zwei Jahren ebenso dramatisch zurückgegangen wie die Bußgelder. Die staatlichen Zuschüsse tendieren inzwischen gegen Null, so dass wir die Nachfolgekosten der Notruftelefone zurzeit aus der Substanz finanzieren müssen.

Die Wartung eines Notrufsystems ist die zwingende Voraussetzung für die Funkti-onsfähigkeit. Wir hatten die Wartung zunächst vergeben. Als wir feststellten, dass unsere Qualitätsanforderungen bei Fremdvergabe nicht erreicht wurden, haben wir einen eigenen Qualitätswartungsdienst aufgebaut.

Wir haben aber auch Darstellungsprobleme. So begegnen wir immer wieder zwei elementaren Falschaussagen, die auch durch permanente Wiederholung nicht richtiger werden.

Erstens:Notruftelefone sind vorrangig an Unfallschwerpunkten sinnvoll und notwendig.

Zweitens:Warum noch Notruftelefone? Heute hat doch jeder ein Handy.

Zur ersten Aussage: Alle wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, dass Notrufmeldesysteme nur angenommen werden, wenn die Meldeeinrichtungen über lange Strecken in gleichmäßigen Abständen erreichbar sind. Einzeln stehende Notrufeinrichtungen bleiben unbekannt und werden von den Verkehrsteilnehmern nicht angenommen. Deshalb stehen auch an Autobahnen, unabhängig von der Anzahl der Fahrstreifen, unabhängig von der Verkehrsdichte und unabhängig von Unfallhäufigkeit Notruftelefone in gleichmäßigen, immer wiederkehrenden Abständen.

Unfallschwerpunkte müssen durch bauliche Maßnahmen beseitigt werden. Man darf sie nicht noch durch Notruftelefone zementieren. Trotzdem geistert dieser Unsinn von Meldeeinrichtungen an Unfallschwerpunkten immer wieder durch die Medien.

Zur zweiten Aussage:

1.Nicht jeder hat ein Handy.

2.Es gibt außerhalb der bewohnten Gebiete noch große Funklöcher, in denen über kein Mobilfunknetz keine Verbindung zu erhalten ist.

3.Es wissen vor allem Ortsunkundige oft nicht, wo sie sich befinden. Wer weiß bei langen Fahrten schon sicher, auf welcher Straße er fährt und zwischen welchen Ortschaften er sich gerade befindet.

Den meisten, die die Frage stellen: „Wozu heute eigentlich noch Notruftelefone?", ist dieser Sachverhalt und die daraus entstehenden Konsequenzen nicht bekannt. Es gibt keine breite Information über die Probleme der Notfallhilfe, obwohl sie für jeden einzelnen von uns im Notfall lebenswichtig sein kann.

Außerhalb von Ortschaften sind die Standortangaben der Unfallmeldenden zu 80 % falsch. Deshalb werden bei Handy-Notrufen die Hilfsfristen nicht verkürzt, sondern dramatisch erhöht. Weil heute aber schon jeder zweite Notruf über Handy abgegeben wird, müssen wir dafür sorgen, dass Handy-Notrufe ortbar werden. Aber wir wissen auch, dass unsere Notruftelefone selbst nach Einführung der Handy-Ortung noch viele Jahre ein zwingend notwendiges Notrufsystem sein wird. Und deshalb bleiben Notruftelefone auch weiterhin ein Lichtblick auf unseren Straßen.

Lassen Sie mich noch kurz in die Zukunft sehen: Wir müssen Lösungen finden für Probleme, die heute schon erkennbar sind. Wir werden diese Probleme nur lösen, wenn wir jetzt die Voraussetzungen zur Lösung schaffen.

Schon heute haben wir in Mecklenburg-Vorpommern in Niedersachsen, in Schleswig-Holstein, im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und anderen Gebieten ein akutes Notarztproblem. Wir wissen, dass es unser jetziges Notarztsystem in fünf bis acht Jahren nicht mehr geben wird.

Voraussetzung für die Lösung aller Probleme der Notfallhilfe ist die dringend notwendige Qualitätsverbesserung der Rettungsleitstellen: Leitstellen brauchen notärztliche Beratung, um die Fehleinsätze des Notarztdienstes zu verringern. Wir brauchen in den Leitstellen auch eine hausärztliche Beratung. Die Franzosen haben damit die Krankentransporte um ein Drittel gesenkt. Wir brauchen die Mehrsprachigkeit in Rettungsleitstellen und die telemetrische Anbindung an Rettungsfahrzeuge. Wir brauchen die Statuserkennung mit Navigationssystemen in allen Rettungsfahrzeugen und wir brauchen eine kostengünstige sichere Kommunikation, die heute schon via SMS praktiziert wird. Vor allem brauchen wir Grenzen überschreitende Einsatzleitungen. Die Grenzen überschreitende Nutzung von Einsatzfahrzeugen reduziert die Hilfsfristen. Außerdem müssen die Aufgaben jeder Leitstelle von einer anderen Leitstelle übernommen werden können.

Die nachts mit einem Disponenten besetzten Leitstellen sind dazu nicht einmal im Ansatz in der Lage. Dazu benötigt man große Zentralleitstellen mit einer zentralen Datenbank, wie sie in anderen Ländern bereits seit langem bestehen, Nur auf diesem Weg sind Großschadensfälle und Katastrophen händelbar.

Dies alles ist heute schon möglich. Es erfordert keine zusätzlichen Kosten, sondern es erspart jährlich Millionen Euro. Die verbesserte Qualität der Notfallhilfe wird den Kostenträgern durch verkürzte Liegezeiten und eingesparte Reha-Maßnahmen jährlich Einsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen bringen. Dies alles weiß man. Aber warum soll man etwas ändern, was immer schon so war.

Kostenintensive Qualitätsverbesserungen sind heute naturgemäß nur schwer durchsetzbar. Aber es fehlt sicher jedem Mitbürger das Verständnis dafür, dass qualitätssteigernde Maßnahmen, die erhebliche Kostensenkungen bewirken, nicht durchgeführt werden. Dabei sollten auch Politiker auf regionale Interessen verzichten können.