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67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

11. bis 16.11.2003, Messe/ICC Berlin

Sensomotorische Fähigkeiten nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes.

Meeting Abstract (DGU 2003)

  • corresponding author Thomas Nau - Universitätsklinik für Unfallchirurgie Wien, Währinger Gürtel 18-20, 1090, Wien, Phone: 0043 1 40400 5902, Fax: 0043 1 40400 5947
  • C. Mittermaier - Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation Wien, Österreich
  • V. Fialka-Moser - Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation Wien, Österreich
  • V. Vécsei - Universitätsklinik für Unfallchirurgie Wien, Österreich

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie. 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 11.-16.11.2003. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. Doc03dguD10-6

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2003/03dgu0329.shtml

Veröffentlicht: 11. November 2003

© 2003 Nau et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung

Rupturen des vorderen Kreuzbandes (VKB) können neben dem Stabilitätsverlust auch zu einer Beeinträchtigung der propriozeptiven Eigenschaften führen. Ein daraus resultierendes sensomotorisches Defizit wurde bei Patienten mit chronischer Insuffizienz des VKB bereits mehrfach nachgewiesen. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die sensomotorischen Fähigkeiten nach Rekonstruktion des VKB zu untersuchen und mit einem gesunden Kontrollkollektiv zu vergleichen.

Methodik

20 Patienten, 9 Frauen und 11 Männer, mit einem mittleren Alter von 30 Jahren (17-39a), bei denen eine Rekonstruktion des VKB nach frischer Ruptur, welche mindestens 24 Monate zurücklag, sowie ein standardisiertes Rehabilitationsprotokoll durchgeführt wurde, bildeten die Studiengruppe. Die Kontrollgruppe, 9 Frauen und 11 Männer, mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren (17-38a), "gematcht" nach Geschlecht und Alter, wurde aus gesunden Probanden geformt. Ausschlusskriterien waren neurologische Erkrankung, Sehstörungen sowie das ZNS beeinflussende Medikation. Mittels computerbasierter dynamischer Posturographie (Pro Balance Master, Neurocom Int., Clackamas, OR, USA), zur Berechnung der mittleren Schwankungsgeschwindigkeit (Grad/Sek), wurden die Messungen duchgeführt, wobei vier unterschiedliche Versuchsanordnungen zur Anwendung kamen: 1. stabiler Untergrund und normaler Visus, 2. stabiler Untergrund und Visus ausgeschlossen, 3. schwankender Untergrund und normaler Visus, 4. schwankender Untergrund und Visus ausgeschlossen. Die statistische Analyse erfolgte mit dem Mann-Whitney U Test bei einem Signifikanzniveau von p < 0.05.

Ergebnisse

Die mittlere Schwankungsgeschwindigkeit [median (25th percentile; 75th percentile) ] zeigte bei den Untersuchungen mit stabilem Untergrund sowohl mit normalem Visus [0.2 °/sec (0.15; 0.22) versus 0.17 °/sec (0.13; 0.20)] als auch ohne visuelle Kontrolle [0.28 °/sec ( 0.23; 0.35)] versus [0.17 °/sec (0.13; 0.20)] keine signifikanten Unterschiede zwischen der Studiengruppe und der Kontrollgruppe. Bei schwankendem Untergrund konnte jedoch sowohl bei normalem Visus [0.40 °/sec (0.33; 0.48) versus 0.33 °/sec (0.30; 0.38), p = 0.04] als auch ohne visuelle Kontrolle [1.08 °/sec (0.83; 1.32) versus 0.87 °/sec (0.77; 0.93), p = 0.03] eine signifikant gesteigerte Schwankungsgeschwindigkeit der Studiengruppe gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden.

Schlussfolgerung

Nach Rekonstruktion des VKB zeigen sich im Rahmen der dynamischen Posturographie verbleibende sensomotorische Defizite gegenüber dem gesunden Kontrollkollektiv. Diese Erkenntnisse weisen darauf hin, dass einersits bereits in der frühen postoperativen Phase das propriozeptive Training weiter zu intensivieren ist und andererseits auch die neurophysiologische Grundlagenforschung in diese Richtung weiter vorangetrieben werde sollte.