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67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

11. bis 16.11.2003, Messe/ICC Berlin

Immunmonitoring nach Polytrauma - HLA-DR ein früher prädiktiver Marker des Multiorganversagens.

Meeting Abstract (DGU 2003)

  • corresponding author Sven Lendemans - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Essen, Hufelandstr. 55, 45147, Essen, Phone: 0201 723 4548, Fax: 0201 723 1397
  • S. Flohé - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie universitätsklinikum Essen
  • E. Kreuzfelder - Institut für Immunologie Universitätsklinikum Essen
  • D. Nast-Kolb - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie universitätsklinikum Essen

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie. 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 11.-16.11.2003. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. Doc03dguD5-1

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2003/03dgu0262.shtml

Veröffentlicht: 11. November 2003

© 2003 Lendemans et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung

Bei polytraumatisierten Patienten kommt es früh zu einer Störung der Immunantwort. Als Marker für den Immunstatus sind die ex vivo Endotoxin-induzierte TNFα-Synthese im Vollblut und die Expression von MHC-Klasse II-Molekülen (HLA-DR) auf peripheren Monozyten als supprimiert beschrieben, die Mediatoren IL-6, IL-10, CRP und Procalcitonin sind im Serum erhöht. In der präsentierten Studie wur-de untersucht, wie sich Patienten mit Multiorganversagen (MOV), bei ähnlichem Verletzungsmuster von denen ohne MOV hinsichtlich immunologischer Funktionsparameter unterscheiden und welcher der o.g. Marker eine prädiktive Aussage zulässt.

Methoden

In heparinisiertem Vollblut von 16 prospektiv erfassten polytraumatisierten Patienten mit einem ISS > 25 Punkten (ISS 38 ± 9, Alter: 46 ± 17 Jahre) wurde die Expression von HLA-DR und die LPS-induzierte TNFα-Synthese, sowie IL-6, IL-10 und Procalcitonin im Serum über den gesamten Intensivverlauf bestimmt. Ein MOV wurde durch den SOFA-Score bestimmt (>2 Punkte von 2 oder mehr Organsys-temen). Die Expression von HLA-DR wurde als mittlere Fluoreszenzintensität (MFI±SD) ausgedrückt. Die TNFα-Synthese wurde aus Vollblutüberständen nach 20h Stimulation mit 10 ng/ml LPS mittels ELISA gemessen. Serum IL-6, IL-10 und Procalcitonin wurden mittels ELISA gemessen. Ein gesundes Probandenkollektiv (n=12) wurde entsprechend analysiert. Abhängige Merkmale wurden mit dem Wilcoxon-Test, unabhängige Merkmale mit dem Mann-W-U-Test überprüft.

Ergebnisse

Von den 16 untersuchten Patienten entwickelten 9 Patienten ein MOV. Beide Kollektive unterschieden sich hinsichtlich Alter, Geschlechterverteilung und ISS nicht signifikant. Die Liegezeit auf Intensivstati-on (19 ± 6,6 Tage(T) vs. 43.2 ± 19,8 (T), P 0.008) und Beatmungstage (16.4 ± 7,5 Tvs. 39.6 ± 16,8 T, P 0.009) waren bei Patienten mit MOV signifikant verlängert. Am Tag 1 nach Trauma war die HLA-DR-Expression und die TNFα-Synthesefähigkeit aller Patienten im Vergleich zu Probanden signifikant erniedrigt (438 ± 53 vs. 727 ± 60 MFI HLA-DR (p<0.01);175 ± 279 vs. 805 ± 1047 ng/ml TNFα (p<0.05), IL-6, IL-10, CRP und Procalcitonin signifikant erhöht. Patienten mit MOV im weiteren Verlauf unterschieden sich am Tag 1 in allen gemessenen Parametern nicht signifikant von Patienten ohne MOV. Bei Patienten, welche ein MOV entwickeln, kam es am Tag 3-4 nach Trauma zu einer weiteren Reduktion der HLA-DR-Expression, während Patienten mit einem Anstieg der HLA-DR-Expression kein MOV entwickelten (MOV vs. kein MOV -13 ± 115 vs. 102 ± 98; p=0.042). Über den gesamten Krankheitsverlauf war die Serumkonzentration von IL-6, IL-10 und Procalcitonin, sowie die ex vivo TNFα-Synthesefähigkeit bei Patienten mit MOV höher als bei Patienten ohne MOV.

Schlussfolgerungen

Patienten mit einem fehlenden Anstieg der HLA-DR-Expression auf Monozyten haben eine erhöhte MOV-Inzidenz, so daß dieser Marker bei der Prognoseabschätzung und dem Verlaufs-monitoring einen wichtigen Beitrag leisten kann.