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67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

11. bis 16.11.2003, Messe/ICC Berlin

Einfluss von Fachgebiet und ATLS- Ausbildung auf die Beurteilung der Polytrauma- Erstversorgung in einem Traumazentrum.

Meeting Abstract (DGU 2003)

  • corresponding author Thomas Gross - Abt. Traumatologie, Chirg. Klinik der Universität Basel, Spitalstr. 21, 4031, Basel, Phone: 0041-61-2652525; CO-ME Basel, CH
  • F. Amsler - CO-ME Basel, CH
  • D. Ludin - Abteilung Traumatologie, Chirurgische Klinik der Universität Basel
  • W. Ummenhofer - Department Anästhesie der Universität Basel
  • P. Messmer - Abteilung Traumatologie, Chirurgische Klinik der Universität Basel; CO-ME Basel, CH

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie. 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 89. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 44. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 11.-16.11.2003. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. Doc03dguA19-6

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2003/03dgu0136.shtml

Veröffentlicht: 11. November 2003

© 2003 Gross et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Für komplexe klinische Abläufe gilt die Beurteilung durch die beteiligten Mitarbeiter als entscheidender Qualitätsindikator. Wir wollten wissen, inwieweit sich die Sichtweise des Polytrauma- Managements je nach Fachgebiet und ATLS- Ausbildung der involvierten Teammitglieder unterscheidet.

Methode

Anonyme schriftliche Befragung aller potentiell ins Schockraummanagement involvierten Mitarbeiter eines Zentrumsspitals zu ihrer Beurteilung der initialen klinischen Notfallversorgung Schwerverletzter innerhalb des letzten Jahres. 53 Fragen (Likert- Skala 1-5) wurden mittels Faktorenanalyse und anschl. Skalenbildung zu 8 Fragedimensionen bzgl. team performance zusammengefasst. Reliabilitätsberechnung mit Cronbach- Alpha; Vergleich des Einflusses der Berufsgruppen und der ATLS- Ausbildung mittels ANOVA mit post-hoc Test.

Resultate

128 Mitarbeiter retournierten den Fragebogen:19,5% Chirurgen; 15,6 % Anästhesisten; 12,5% med-techn. Radiologieassistentinnen; 10,2% Anästhesiepflegende; 9,6% Notfallpflegekräfte; 9,4% Konsiliarärzte; 7,8% Operationssaalpersonal; 7% Radiologen; 9,4% ohne Fachgebiets- Angabe. Die Antwortrate betrug je nach Fachbereich zw. 15- 50%. Die Einschätzung der erlebten Qualität der Polytrauma- Behandlung hing signifikant von der Fachgebietsherkunft der Befragten ab (p=0,031). Die Gesamtgruppe der Chirurgen war immer zufriedener mit der team performance als die Anästhesisten, für 5 von 8 Fragedimensionen war dies signifikant: Bzgl. Abläufen zwischen den Fachgebieten (p=0,004), Identifikation und Zufriedenheit (p=0,005), Verantwortlichkeiten (p=0,013), Material und Personal (p= 0,023) und Ausbildung und Training (p=0,045). Die ATLS- Ausbildung hatte allerdings auf Chirurgen und Anästhesisten einen gegenteiligen Effekt: Chirurgen mit absolviertem ATLS- Kurs (n=13) beurteilten die Polytrauma- Performance kritischer als ihre chirurgischen Kollegen ohne ATLS- Ausbildung (n=12), hingegen stuften Anästhesisten mit absolviertem ATLS- Kurs (n=11) die Performance günstiger ein als ihre Fachkollegen ohne ATLS- Ausbildung (n=9). Dieser angleichende Effekt durch den ATLS-Kurs zeigte sich in allen Dimensionen und war zB. für die Gesamteinschätzung des Polytraumaablaufes signifikant (p=0,024).

Schlussfolgerung

Chirurgen beurteilten in unserer Untersuchung die Qualität der klinischen Notfallversorgung Schwerverletzter grundsätzlich positiver als die übrigen beteiligten Berufsgruppen. Allerdings stellt eine diskrepante Erwartungshaltung von Teampartnern unter dem Gesichtspunkt der Qualitätsoptimierung interdisziplinärer Organisationsabläufe per se einen gewichtigen Risikofaktor dar. Die Kommunikation aller involvierten Mitarbeiter über ihre fachspezifische Sichtweise des Polytrauma- Managements sollte deshalb verbessert werden. Die ATLS- Ausbildung bietet mit ihren normierenden Standards hierfür eine fachübergreifende Realisierungsbasis.