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21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

27.09.-29.09.2012, Karlsruhe

Hämoptysen nach Judokampf: Pulmonale Blutung eines rupturierten, intralobären Lungensequesters

Meeting Abstract

  • Tim Kleffner - Clemenshospital Münster, Münster
  • Matthias Holzer - Clemenshospital Münster, Münster
  • Georg Hülskamp - Clemenshospital Münster, Münster
  • Peter Feindt - Clemenshospital Münster, Münster
  • Jan Groetzner - Clemenshospital Münster, Münster

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Karlsruhe, 27.-29.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocPO 2.9

DOI: 10.3205/12dgt86, URN: urn:nbn:de:0183-12dgt862

Veröffentlicht: 17. September 2012

© 2012 Kleffner et al.
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Gliederung

Text

Fallbericht: Die intralobäre Sequestration ist eine seltene kongenitale Fehlbildung, die im Kindesalter mit rekurrenten Atemwegsinfektionen auffällig werden kann. Wir berichten über einen 11-jährigen Jungen mit massiven Hämoptysen während eines Judoturniers. Bei Aufnahme im erstversorgenden Krankenhaus erfolgte die Intubation bei drohender respiratorischer Insuffizienz und beginnender hämodynamischer Instabilität. In der durchgeführten Nativ-Computertomographie (CT) des Thorax (ohne Kontrastmittel) zeigte sich ein großer intrapulmonaler Tumor respektive Hämatom mit Verdacht auf einen Hämatothorax. Nach Pleuradrainageenlage ohne signifikante Drainagenmengen wurde bei zunehmend kompromittierten Kreislaufverhältnissen durch den endobronchialen Blutverlust die Indikation zur sofortigen Thorakotomie gestellt. Intraoperativ zeigte sich kein Hämatothorax, es fand sich ein massiv eingebluteter Unterlappen mit aberranter arterieller Blutversorgung aus der Aorta. Die Ursache der Hämoptoe war folglich ein traumatischer Einriß der aberranten Arterie und Einblutung in den vorliegenden, rupturierten, intralobären Lungensequesters.Der Sequester wurde im Rahmen einer Unterlappenresektion entfernt und der junge Patient stabilisierte sich zunächst und wurde extubiert. Im Unterlappenpräparat wurde Aspergillus nachgewiesen und der Patient entwickelte am 2. postop. Tag ein rasch progredientes ARDS mit invasiver Aspergillose. Nach spezifischer, langwieriger Behandlung und Langzeitbeatmung, konnte der junge Patient 2 Wochen später extubiert und eine weitere Woche später entlassen werden.

Schlussfolgerung: Bei jungen Patienten mit Hämoptysen und intrapulmonaler Blutung nach Trauma sollte die Differentialdiagnose eines rupturierten Lungensequesters in Betracht gezogen werden. Unsere Kasuistik zeigt, welchen komplikationsträchtigen Verlauf diese Erkrankung nach sich ziehen kann, speziell bei inadäquater Diagnostik (Nativ-CT). Wir empfehlen daher die kontrollierte, möglicherweise thorakoskopische Resektion unter elektiven Bedingungen mit adäquater Diagnostik (Kontrastmittel-CT) baldmöglichst nach Diagnosestellung.