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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

22.09. bis 24.09.2011, Düsseldorf-Kaiserswerth

Operative Thoraxwandstabilisierung beim Traumapatienten – Welche Indikationen gibt es heute?

Meeting Abstract

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  • Markus Muhm - Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern
  • Jochen Härter - Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern
  • Hartmut Winkler - Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Kaiserslautern

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Düsseldorf, 22.-24.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. DocHS 1.6

DOI: 10.3205/11dgt01, URN: urn:nbn:de:0183-11dgt011

Veröffentlicht: 19. September 2011

© 2011 Muhm et al.
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Gliederung

Text

Zielsetzung: Therapieoptionen bei Rippenserienfrakturen und instabilem Thorax werden kontrovers diskutiert. Sowohl „Innere Schienung“ mittels Atemtherapie (CPAP, PEEP) als auch operative Verfahren kommen zur Anwendung. Letztere verkürzen intensivmedizinische Therapie, reduzieren Kosten und verhindert langfristige Morbidität und chronische Schmerzen. Indikationen zur Stabilisierung sind uneinheitlich. Ziel war herauszufinden, welche Patientengruppe von einer Thoraxwandstabilisierung profitiert und welche Indikationen Anwendung finden.

Methode: Daten von 165 Patienten mit Rippenserienfrakturen und instabilem Thorax wurden retrospektiv erhoben. 3 Gruppen wurden gebildet: operative Gruppe mit Intensivtherapie (OP-Gruppe), konservative Gruppe mit (INT-Gruppe) und ohne Intensivtherapie (Konservative Gruppe). Untersucht wurde: Rippen- und Sternumfraktur, instabiler Thorax, paradoxe Atmung, Begleitverletzungen, Lungenkontusion, Pneumo-, Hämato- und Serothorax, mechanische Beatmung, Operationsdaten, Zeit auf Intensivstation, Liegezeit und innerklinische Sterblichkeit. Der Injury Severity Score (ISS), der Abbreviated Injury Scale (AIS) wie auch prä- und postoperative Thoraxdeformität wurden verglichen.

Ergebnis: In der OP-Gruppe war der ISS nicht signifikant höher als in der INT-Gruppe, jedoch signifikant höher als in der Konservativen Gruppe. Der AIS (Thorax) war in der OP-Gruppe signifikant höher als in der INT-Gruppe. In der OP-Gruppe fand sich häufiger ein instabiler Thorax und paradoxe Atmung, Pneumo-, Hämato- und Serothorax, Thoraxdrainage und Pneumonie als in der INT-Gruppe. In der OP-Gruppe fand sich durchschnittlich eine hoch signifikant größere Thoraxdeformität als in der INT-Gruppe. Durch den operativen Eingriff konnte die Deformität annähernd komplett (98,4%) korrigiert werden. Eine Mortalitätsrate von 13,3% findet sich in der INT-Gruppe, kein Patient verstarb in der OP-Gruppe.

Schlussfolgerung: Bei schweren Thoraxverletzung sollte eine operative Rippenstabilisierung erwogen werden. Trotz klarer Operationsindikationen muss die Entscheidung individuell getroffen werden. Eine operative Rippenstabilisierung sollte durchgeführt werden: bei Thorakotomie zur Behandlung thorakaler Verletzungen, bei instabilem Thorax sowie bi- und unilateralen Rippenserienfrakturen mit respiratorischer Insuffizienz und sich verschlechternder pulmonaler Funktion, bei massiver Dislokation frakturierter Rippen mit Irritation benachbarter Organe. Zur Vermeidung langfristiger Residuen wie chronischem Thoraxschmerz und restriktiver Lungenfunktion wird bei massiver Thoraxdeformität ein operatives Vorgehen empfohlen.