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18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

08.10. bis 10.10.2009, Augsburg

Langzeitergebnisse nach Thoraxwandresektion und -rekonstruktion

Meeting Abstract

  • Hans-Ulrich Steinau - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum
  • Daniel Druecke - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum
  • Mitra Hakimi - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum
  • Hans-Werner Duchna - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum
  • Ole Goertz - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum
  • Marcus Lehnhardt - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum
  • Adrien Daigeler - BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Bochum

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 18. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Augsburg, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocHS3.3

DOI: 10.3205/09dgt19, URN: urn:nbn:de:0183-09dgt190

Veröffentlicht: 20. November 2009

© 2009 Steinau et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Thoraxwandresektionen, die durch Tumoren oder Bestrahlungsfolgen notwendig werden, stellen besondere Anforderungen an plastische Rekonstruktionsverfahren. Die oft großen Resektionsausmaße und die Notwendigkeit, eine stabile, möglichst elastische und gleichzeitig ästhetisch ansprechende Thoraxwand wieder herzustellen, lassen Indikationen vor dem Hintergrund oft fortgeschrittener maligner Grunderkrankungen kritisch hinterfragen. Um eine bessere Bewertung der Therapieverfahren zu ermöglichen, ist die Kenntnis der Langzeitverläufe, der funktionalen Endergebnisse und der Patientenzufriedenheit notwendig.

Patienten und Methoden: Von sämtlichen Patienten, die in den Jahren 1995 bis 2005 in unserer Einrichtung eine allschichtige Thoraxwandresektion erhalten hatten (n=92), wurden die epidemiologischen sowie die Daten des stationären Aufenthaltes anhand einer Aktenrecherche erhoben. Zusätzlich wurden die Patienten selbst, bzw. deren Angehörige und Nachbehandler zum weiteren Verlauf anhand standardisierter Fragebögen interviewed (selbst erstellt +SF-36). Sechsunddreißig Patienten waren fähig und Willens, sich einer klinischen Untersuchung zu unterziehen und 27 Patienten nahmen an der Lungenfunktionsuntersuchung teil (Follow-up: 5,5 Jahre).

Ergebnisse: Die Mehrzahl der Patienten wurde wegen Sarkomen der Thoraxwand (43,5%), gefolgt von Mamma-Ca (n=26,1%) und Bestrahlungsfolgen (n=3,3%) operiert. Die restlichen Diagnosen verteilten sich überwiegend auf verschiedene Karzinome und Tumormanifestationen des blutbildenden Systems. In 41 Fällen handelte es sich um Rezidivtumoren, in 10 Fällen um Metastasen. Bei 14 Patienten erfolgte ein Primärverschluß, bei 11 Patienten genügte eine Verschiebelappenplastik, in 60 Fällen war eine gestielte Lappenplastik zum suffizienten Wundverschluß notwendig. Am häufigsten wurde der M. latissimus (n=39), gefolgt vom M. pectoralis (n=21), Omentum (n=5) und Rectus abdominis (n=5) Lappen verwendet. In 63 Fällen erfolgte zusätzlich eine Prolenenetzimplantation. Die Länge des stationären Aufenthaltes betrug durchschnittlich 21 Tage (2,7 Tage Nachbeatmung; 0-62 Tage; davon 5x länger als 20 Tage). Operationsbedürftige Komplikationen traten in 28,3% der Fälle auf (vor allem: Wundinfektion (14x), Fistel (7x), Hämatom (8x), Lappenteilverlust (9x), Lappenverlust (3x). Das Risiko einer Wundheilungsstörung wurde durch einen hohen ASA Status, Nikotinabusus und eine erfolgte Bestrahlung der Thoraxwand statistisch signifikant erhöht. Zum Nachuntersuchungszeitraum lebten noch 39 Patienten, von denen 36 zum Nachuntersuchungszeitpunkt als von der Grundkrankheit geheilt betrachtet werden konnten. Nur drei der verstorbenen Patienten waren wegen respiratorischer Insuffizienz bzw. Pneumonie (wobei nur ein Patient innerhalb der 30 Tagesfrist, 5 Tage postoperativ verstarb), 42 am Fortschreiten der vorbestehenden Tumorerkrankung, die übrigen an grunderkrankungsunabhängigen Diagnosen wie Apoplex oder Myokardinfarkt verstorben. Die Patienten, die an Ihrer Tumorerkrankung verstarben, überlebten den Eingriff im Mittel 24 Monate (6 Tage bis 7 Jahre).

Die Lungenfunktionsuntersuchung zeigte eine leichte Hypoxämie bei 18,5%, eine leichte Hyperkapnie bei 3,7%. Das intrathorakale Gasvolumen lag durchschnittlich bei 98,5%, die totale Lungenkapazität bei 96,1, die Vitalkapazität bei 94,9% und das FEV1 bei 81,8% des Normwertes. Eine erhöhte Auslastung der Atempumpe im Sinne einer drohenden respiratorischen Erschöpfung wurde bei keinem Patienten beobachtet. Atemabhängiger Schmerz beeinflusste das Auftreten von Hypoxämie signifikant. Weder Resektionsausmaß noch -lokalisation hatten einen signifikanten Einfluß auf die Lungenfunktionsparameter.

In acht von 36 Fällen wurde bei der Nachuntersuchung eine inspiratorische Einziehung von über 1cm beobachtet. Acht Patienten beklagten Ruheschmerzen, 6 davon eine atemabhängige Aggravierung, 21 klagten über bewegungsabhängigen Thoraxschmerz. Lebensqualität: 24% bewerteten sie viel besser, 14% etwas besser, 19% unverändert, 35% etwas schlechter und 8% viel schlechter als vor der Operation. Mit 94,4% der Patienten würde die Mehrzahl die Operation erneut durchführen lassen.

Zusammenfassung: Die Plastisch Chirurgischen Rekonstruktionsverfahren bieten mit verhältnismäßig einfachen Mitteln, wie Netzimplantation und gestielten Lappenplastiken suffiziente Möglichkeiten auch große Thoraxwanddefekte funktionell zu decken. Trotz teilweise fortgeschrittenen Tumorerkrankungen kann eine Lebensqualitätsverbesserung und hohe Patientenzufriedenheit, insbesondere bei schmerzhaften oder ulzerierten Tumoren erreicht werden, wobei die Morbidität und die Komplikationsrate relevant hoch ist, die Störung der Atemmechanik allerdings weitgehend unerheblich scheint.