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16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

04.10. - 06.10.2007, Konstanz

Die interscapulothorakale Amputation nach Berger: Indikationen, Technik und Ergebnisse – Ein Beitrag zum interdisziplinäres Management von Thoraxwandtumoren

Meeting Abstract

  • Arne Koscielny - Chirurgische Universitätsklinik Bonn, Abt. Thoraxchirurgie, Bonn
  • Jens Buermann - Chirurgische Universitätsklinik Bonn, Abt. Thoraxchirurgie, Bonn
  • Andreas Hirner - Chirurgische Universitätsklinik Bonn, Abt. Thoraxchirurgie, Bonn
  • Marcel Kaminski - Chirurgische Universitätsklinik Bonn, Abt. Thoraxchirurgie, Bonn

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Konstanz, 04.-06.10.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc07dgtV9

DOI: 10.3205/07dgt40, URN: urn:nbn:de:0183-07dgt404

Veröffentlicht: 22. März 2010

© 2010 Koscielny et al.
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Gliederung

Text

Zielsetzung: Die interscapulothorakale Armamputation wurde erstmals von Berger 1883 beschrieben. Während sie damals bei Schuss- und anderen Traumata ausgeführt worden ist, hat sich das Indikationsspektrum hin zur radikalen Resektion von malignen Tumoren der oberen Extremität, der Axilla oder der angrenzenden Thoraxwand bewegt, insbesondere dann, wenn diese keiner neo-adjuvanten Therapie bzw. lokalen Kontrolle durch Radiatio zugänglich sind. Darstellung von Indikationen, Techniken und Ergebnissen dieser Amputationsform im eigenen Krankengut.

Methodik: Wir berichten von 5 Fällen, bei denen eine interscapulothorakale Amputation ausgeführt worden ist. In 3 Fällen erfolgte die Amputation in kurativer Intention (1 Angiosarkom bei Stewart-Treves-Syndrom nach Ablatio mammae wegen Mammakarzinom, 1 epitheloidzelliges Sarkom der Schulter mit Befall der axillären Lymphknoten, 1 maligner peripherer Nervenscheidentumor des Plexus brachialis). In 2 Fällen erfolgte die Amputation bei exulzerierten Tumor als palliativer Eingriff (1 exulzeriertes Mammakarzinom des oberen äußeren Quadranten, 1 Chondrosarkom des Schultergelenks). Retrospektiv wurden das Langzeitüberleben, die Rezidivrate, die frühfunktionelle Subsitution mit Armprothesen und die Lebensqualität beurteilt.

Ergebnisse: Die perioperative (30 Tage) Letalität und Morbidität betragen 0%. Die in kurativer Intention resezierten Patienten weisen im follow-up keine Rezidive auf (der längste Beobachtungszeitraum: 5 Jahre). Die frühfunktionelle prothetische Versorgung gelang komplikationslos. In der Literatur werden Zweijahresüberlebensraten von 78,8% und Fünfjahresraten von 52,5% nach interscapulothorakaler Amputation für Weichgewebssarkome angegeben.

Die palliativ amputierten Patienten gaben eine Besserung der Lebensqualität infolge verminderter Schmerzen und Wegfall der Komplikationen des exulzerierten Tumors an.

Schlussfolgerung: Die interscapulothorakale Amputation ist eine sichere Operation zur kurativen Resektion von malignen Tumoren des Oberarms, der Schulter, der Axilla und der oberen Thoraxwand, insbesondere wenn diese durch eine neo-adjuvante Therapie nicht lokal beherrscht werden können. Obgleich sie eine kosmetische und funktionelle Einschränkung für den Patienten bedeutet, kann diese durch moderne prothetische Versorgung befriedigend und auch unter teilweisem Funktionsersatz ausgeglichen werden.