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16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

04.10. - 06.10.2007, Konstanz

Protrahiertes Aufwachen aus der Narkose und akutes postoperatives Lungenversagen nach Pneumonektomie

Meeting Abstract

  • Waheedullah Karzai - Zentralklinik Bad Berka, Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Bad Berka
  • Jürgen Schmidt - Zentralklinik Bad Berka, Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Bad Berka
  • Andreas Jung - Zentralklinik Bad Berka, Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Bad Berka
  • Renate Kröger - Zentralklinik Bad Berka, Institut für Bildgebende Diagnostik, Bad Berka
  • Gösta Claussner - Zentralklinik Bad Berka, Klinik für Thorax- und Gefäßchirurgie, Bad Berka
  • Norbert Presselt - Zentralklinik Bad Berka, Klinik für Thorax- und Gefäßchirurgie, Bad Berka

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Konstanz, 04.-06.10.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc07dgtP20

DOI: 10.3205/07dgt20, URN: urn:nbn:de:0183-07dgt200

Veröffentlicht: 22. März 2010

© 2010 Karzai et al.
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Gliederung

Text

Bei einem 67j Patienten (180 cm, 80 kg) wurde wegen eines Plattenepithelcarcinoms des rechten Oberlappens (T4N3M0) eine Pneumonektomie durchgeführt. Im präoperativen CT-Thorax zeigte sich eine Infiltration der Lungenvenen ohne Einbruch in den linken Vorhof. Eine Echokardiographie präoperativ zeigte regelrechten Fluss in den betroffenen Lungenvenen. Bis auf eine arterielle Hypertonie war die Anamnese leer. Zur Prämedikation wurde 7,5 mg Midazolam verabreicht, zur Schmerztherapie wurde ein Periduralkatheter gelegt. Zur Narkoseeinleitung und Aufrechterhaltung wurden Propofol (180mg), Fentanyl (0,5 mg), Rocuronium (90mg) und Sevofluran (0,8-1 Vol%) benutzt. Der Tumor ließ sich gut präparieren, die Gefäße früh ligieren und die Lunge schnell absetzen. Die Operation verlief ohne Komplikationen (Blutverlust <200 ml). Intraoperativ kam es zu keiner Zeit zu einer Hypotonie oder Hypoxämie. Nach Beendigung der Operation wachte der Patient nicht auf. Die Relaxometrie zeigte eine adäquate Rückkehr der Muskelkraft, die letzte Fentanyl Gabe lag 2 Stunden zurück und im endexpiratorischen Gas konnte kaum Sevofluran (<0,1 Vol.%) festgestellt werden. Nach 40 min wurde der Patient auf die Intensivstation verlegt und nach Gabe von Physostigmin und weiteren 2 Stunden wachte der Patient auf, er reagierte verlangsamt, desorientiert aber kam Aufforderungen nach. Grobe Kraft in den Extremitäten war seitengleich. Innerhalb von 4 Stunden Intensivaufenthalt schied der Patient trotz Hydrierung <50 ml Urin aus. Die Differentialdiagnose (protrahiertes Aufwachen und die ungeklärte Oligurie) führte zu einem Verdacht auf multiple Tumorembolien. Eine Angio-CT zeigte einen Infarkt im Strömungsgebiet der A. cerebri posterior links, beidseits embolische Verlegung der Nierenarterien und Infarzierungareale in der Milz. Der Patient wurde laparotomiert und die Nierenarterien wurden embolektomiert. Im weiteren Verlauf entwickelte der Patient eine Pneumonie, wurde beatmet, tracheotomiert und hämodiafiltriert. Nach 6 Wochen Intensivtherapie konnte der Patient von der Beamtung entwöhnt werden, die diaysepflichtige Niereninsuffizienz blieb. Neurologisch blieb der Patient verlangsamt, desorientiert aber kooperativ. Die Tumorembolie bei großen Lungentumoren sind seltene aber verheerende perioperative Komplikationen. Bei Tumoreinbruch in den linken Vorhof ist eine Operation mit Herzlungenmaschine zu erwägen. Bei Infiltration der Venen ohne Einbruch in den Vorhof, wie bei unseren Patienten, ist ein frühzeitige Ligatur der Venen anzustreben.