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15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

27.04. bis 29.04.2006, Weimar

Stielgedrehter extrapulmonaler Lungensequester - ein thoraxchirurgischer Notfall

Meeting Abstract

  • corresponding author C. Bretthauer - DRK Klinik Mark Brandenburg Berlin, Chirurgische Klinik, Berlin
  • B. Rohleder-Telkamp - Berlin
  • W. Lang - Berlin
  • P. Schneider - Berlin

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Weimar, 27.-29.04.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgtP12

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgt2006/06dgt65.shtml

Veröffentlicht: 26. April 2006

© 2006 Bretthauer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Lungensequester (Nebenlunge) gehören zu den bronchopulmonalen Fehlbildungen. Je nach der Lokalisation werden intrapulmonale und extralobäre Sequester unterschieden.

Methodik: Ein 50-jähriger Mann stellte sich mit starken Oberbauchbeschwerden, die bei Inspiration zunahmen vor. Er gab zu diesem Zeitpunkt keine Luftnot an. An Vorerkrankungen waren eine Hypercholesterinämie und Steatosis hepatis bekannt. Der Patient rauchte 20 Zigaretten/d seit 30 Jahren.

Ergebnisse/Therapie: Wegweisend zur Diagnosefindung stellte sich eine computertomographische Untersuchung der Thoraxorgane heraus. Dabei wurde eine 6x2 cm große inhomogene spindelförmige Raumforderung paravertebral rechts in Höhe der Zwerchfellkuppen diagnostiziert. Differentialdiagnostisch wurde ein Bronchialkarzinom bzw. eine Einblutung diskutiert. Am Folgetag kam es zum Auftreten von Dyspnoe und Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Ein Verlaufs-CT zeigte die am Vortag beschriebene Raumforderung vergrößert und nicht mehr scharf abgrenzbar. Zusätzlich fiel ein neu aufgetretener hämorrhagischer Pleuraerguß rechtsseitig auf. In Anbetracht der Gesamtsituation wurde die Indikation zur videoassistierten Thorakoskopie gestellt. Dabei wurden zunächst ca. 500ml hämorrhagischer Erguß abgelassen. Aufgrund der topographischen Nähe der Raumforderung zur Aorta entschied man sich intraoperativ zur Thorakotomie. Nach Blutstillung und Inspektion stellte sich die Raumforderung als extrapulmonaler Lungensequester dar, der nunmehr entfernt wurde.

Diskussion: Lungensequester liegen intrapulmonal oder seltener extralobär. Sie manifestieren sich häufig bereits in frühen Lebensjahren mit gehäuften bronchopulmonalen Infekten oder Blutungen. Sie werden arteriell über ein Gefäß aus der Aorta (intrapulmonale Form) oder aus kleinen Arterien aus dem Systemkreislauf (extralobäre Form) versorgt. Der venöse Abfluß erfolgt in die Pulmonalvenen oder die Vena azygos bzw. Vena cava.

Folgerungen: Die operative Entfernung ist die Therapie der Wahl. Dabei kommt eine Lobektomie im Falle des intrapulmonalen Sequesters bzw. die alleinige Resektion bei extralobärer Form in Frage. Der postoperative Verlauf bei unserem Patienten war komplikationslos. Die pulmonale Leistungsfähigkeit zeigte postoperativ einen altersentsprechenden Befund.