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15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie

27.04. bis 29.04.2006, Weimar

Offen explorieren oder keine Chirurgie? Problematik der Operabilitätsbeurteilung nach neoadjuvanter Therapie des lokal fortgeschrittenen NSCLC: Ergebnisse einer multizentrischen Studie

Meeting Abstract

  • corresponding author M. Semik - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Münster
  • P. Hoffknecht - Münster
  • A. Linder - Münster
  • A. Heinecke - Münster
  • H.H. Scheld - Münster
  • M. Thomas - Münster

Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie. 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Weimar, 27.-29.04.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgt14

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgt2006/06dgt14.shtml

Veröffentlicht: 26. April 2006

© 2006 Semik et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Multimodale Therapiekonzepte - unter Einschluß der Chirurgie - werden zunehmend eingesetzt, um die Prognose des NSCLC im Stadium III zu optimieren. Dabei ist der Stellenwert einer neoadjuvanten Radiochemotherapie additiv zur Chemotherapie bis dato nicht gesichert. Beim Restaging verbleibt die Klärung der technischen Operabilität problematisch, insbesondere bei Patienten mit bedeutsamen residuellen Läsionen (PR) bzw. fehlendem Tumoransprechen (NC) oder lokalem Progreß.

Methodik: In einer multizentrischen randomisierten Phase-III-Studie wurde die Therapiesequenz Chemotherapie - simultane hyperfraktionierte Radio-/Chemotherapie - Operation (Arm A) verglichen mit der Sequenz Chemotherapie - Operation - Radiotherapie (Arm B). Zur Remissions- und Operabilitätsbeurteilung erfolgte ein umfassendes Restaging; aktuell vorliegend die abschließende Auswertung der Studiendaten.

Ergebnisse: Von 524 randomisierten Patienten - darunter 349 Pat. (67%) im Stadium IIIB - wurden 504 Pat. (96%) zur Operabilitätsbeurteilung reevaluiert. Ein Tumoransprechen (CR/PR) bestand im Arm A in 50% vs. 46% im Arm B, eine CR in 5 vs. 2%. Als inoperabel eingestuft wurden 122 Pat. (46%) im Arm A und 106 Pat. (41%) im Arm B; in 65 bzw. 43 Fällen begründet durch Tumorprogreß (Fernmetastasierung/lokaler Progreß). 28 bzw. 35 Pat. wurden als technisch inoperabel eingestuft, in der Mehrzahl bedingt durch mediastinale Infiltration (18 vs. 13 Pat.), Organinfiltration (4 vs. 13 Pat.) bzw. N3-Status (4 vs. 3 Pat.) 296 Pat. (56%) wurden operiert, 142 Pat. (54%) im Arm A und 154 (59%) im Arm B. Die R0-Resektionsrate betrug 84% (Arm A) bzw. 77% (Arm B); in 8 bzw. 9% erfolgte eine explorative Thorakotomie.

Die Untersuchung der Operationsresektate (Lunge, Lymphknoten) sämtlicher R0-operierter Pat. zeigte trotz zum Teil relevanter residueller Läsionen im Thorax-CT und in den Resektaten eine bedeutsame therapieinduzierte Tumorregression (pathologic response > 90%) bei 66 Pat. im Arm A (61%) bzw. bei 20 Pat. im Arm B (19%).

Schlußfolgerung: In beiden Studienarmen konnte nach neoadjuvanter Therapie eine vergleichbare Anzahl an Patienten operiert werden, auch im Stadium IIIB. Bei CT-morphologisch und pathologisch differentem Ansprechen auf die Induktionstherapie sollten - nach aktueller Datenlage - auch Pat. mit technisch marginaler Resektabilität explorativ thorakotomiert werden, um die Möglichkeit einer kurativen Resektion nicht vorzuenthalten. Voraussetzung hierzu ist allerdings die entsprechende thoraxchirurgische Expertise, insbesondere im Hinblick auf erweiterte Resektionsverfahren bei lokal fortgeschrittenen residuellen Tumorbefunden. Detailierte Analysen zur Operabilitätsbeurteilung und Vorteile der einzelnen Studienarme werden dargestellt.