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49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie (DGPW)

Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie e. V.

06.10.-08.10.2011, Ulm

Chirurgische Angiogenese – ein neuer Ansatz zur allogenen vaskularisierten Gelenktransplantation ohne Immunsuppression

Meeting Abstract

  • corresponding author Thomas Kremer - Mayo Clinic, Orthopedic Research, Microvascular Research Laboratory, Rochester, MN, USA
  • Wouter Willems - Mayo Clinic, Orthopedic Research, Microvascular Research Laboratory, Rochester, MN, USA
  • Patricia F. Friedrich - Mayo Clinic, Orthopedic Research, Microvascular Research Laboratory, Rochester, MN, USA
  • Guilherme Giusti - Mayo Clinic, Orthopedic Research, Microvascular Research Laboratory, Rochester, MN, USA
  • Götz Giessler - Mayo Clinic, Orthopedic Research, Microvascular Research Laboratory, Rochester, MN, USA
  • Allen T. Bishop - Mayo Clinic, Orthopedic Research, Microvascular Research Laboratory, Rochester, MN, USA

Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie. 49. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie (DGPW). Ulm, 06.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgpw060

doi: 10.3205/11dgpw060, urn:nbn:de:0183-11dgpw0602

Veröffentlicht: 7. Dezember 2011

© 2011 Kremer et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Alle verfügbaren Behandlungsoptionen für gelenkübergreifende Defekte beinhalten eine signifikante Morbidität. Die allogene vaskularisierte Gelenktransplantation als neue therapeutische Option wirft aufgrund der notwendigen Langzeitimmunsuppression ethische Bedenken auf. Die chirurgische Angiogenese (CA) aus empfängerabhängigem Gewebe kombiniert mit einer Kurzzeitimmunsuppression ermöglicht das Überleben rein knöcherner Allotransplantate. In der vorgestellten Studie wurde dieses Prinzip auf die „composite tissue allotransplantation“, CTA übertragen.

Material und Methoden: Freie vaskularisierte Kniegelenke wurden von Dutch-belted Spenderkaninchen auf New-Zealand-White Empfängertiere transplantiert. Für die CA wurde ein gestielter Faszienlappen vom Abdomen (SIEF-Lappen) in den Femur und eine arteriovenöse Saphenaschlinge in die Tibia eingebracht. Letztere wurden entweder offen gelassen (Gruppe 1, n=9) oder ligiert (Gruppe 2, n=10). Gruppe 3 (n=10) diente als Autograftkontrolle. Alle Tiere erhielten eine Immunsuppression für drei Wochen (Tacrolimus 0.1 mg/kg/d) und wurden nach einer Nachbeobachtungszeit von 16 Wochen euthanasiert. Die Evaluation erfolgte radiologisch (Röntgen in 2 Ebenen, Mikro-CT), biomechanisch (Frakturresistenz, Knorpelelastizität, Bewegungsausmaß), histologisch (Vitalität von Knochen, Knorpel, Ligamenten und Menisken) sowie mikroangiographisch.

Ergebnisse: Die Anzahl von Pseudarthrosen (1, 4, 0 in den Gruppen 1-3) und das Transplantatversagen (0, 4, 0 in Gruppen 1-3) waren ohne CA signifikant schlechter. Die knöcherne Heilung war in Gruppe 2 signifikant verzögert. Zurückgeführt werden konnte dies auf eine erhöhte Kapillardichte in Gruppe 1 (CA) im Vergleich zur Gruppe 2. Gruppe 1 zeigte daher auch histologisch im Vergleich zu Gruppe 2 eine verbesserte Vitalität des Knochens mit entsprechend verbesserten biomechnischen Eigenschaften (Frakturresistenz). Dagegen zeigte sich die Knorpelqualität (histologisch, biomechanische Eigenschaften) durch CA nicht positiv beeinflusst und alle Tiere entwickelten unabhängig von der Gruppe arthrotische Veränderungen und Kontrakturen.

Schlussfolgerung: Die chirurgische Angiogenese ausgehend von empfängerabhängigem vaskularisierten Gewebe in Kombination mit einer Kurzzeitimmunsupression führt zu einer signifikanten erhöhten Kapillardichte mit konsekutiver Verbesserung der Knochenqualität. Die übrigen Gewebe von Gelenken (Knorpel, Knochen, Bänder) werden dadurch aber nicht positiv beeinflusst, was sich auch funktionell in der Ausbildung von Arthrose und Gelenkkontrakturen ausdrückt.