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43. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e. V. (DGPRÄC), 17. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen e. V. (VDÄPC)

13.09. - 15.09.2012, Bremen

Marie Philibert Constant Sappey (1810–1896) – Pionier der modernen Darstellung des menschlichen Lymphsystems

Meeting Abstract

  • presenting/speaker A. Gohritz - MHH, PHW-Chirurgie, Hannover, Germany
  • P.M. Vogt - MHH, PHW-Chirurgie, Hannover, Germany
  • C. Domingus Hadamitzky - MHH, PHW-Chirurgie, Hannover, Germany

Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. 43. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), 17. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC). Bremen, 13.-15.09.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocFV17

DOI: 10.3205/12dgpraec028, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpraec0287

Veröffentlicht: 10. September 2012

© 2012 Gohritz et al.
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Gliederung

Text

Unsere heutigen Kenntnisse der Anatomie und Funktion des Lymphsystems verdanken wir wesentlich den Studien des französischen Anatomen Marie Philibert Constant Sappey (1810–1896).

Ziel dieses Vortrags ist es, die Person Sappeys und seine einzigartigen Verdienste zum Verständnis von Aufbau und Wirkungsweise des Lymphsystems aufzuzeigen und seine Ergebnisse denen moderner Studien gegenüberzustellen.

Sappey wurde 1810 geboren, 1843 Doktor der Medizin und war von 1868 bis 1886 Professor für Anatomie und 1887 Präsident der Medizinischen Akademie in Paris. Er fasste seine Forschungsergebnisse in der Abhandlung „Anatomie, Physiologie, Pathologie der Lymphgefäße beim Menschen und den Wirbeltieren“ 1874 zusammen. Seine Präparationen sowie sein literarisches Werk machten ihn zu einem der bedeutendsten Anatomen des 19. Jahrhunderts. Er starb 1896 und liegt auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben.

Zahlreichen anatomischen Studien und Zeichnungen aus den Jahren 1843, 1847 und 1874–75 entstammen seine berühmten Darstellungen der kutanen Lymphdrainage. Zur Visualisierung verwendete er eine verfeinerte Methode des holländischen Anatomen Anton Nuck (1650–1692) zur Einspritzen von Quecksilber in die Lymphgefäße in der Haut von Leichen, vor allem von kürzlich Hingerichteten nach üppiger letzter Mahlzeit.

Sappeys Untersuchungen umfassten alle Regionen des menschlichen Körpers und führten zur Klärung der speziellen lymphatischen Drainage der weiblichen Brust, Axilla, oberen und unteren Extremität. Sappey stellte fest, dass die oberflächliche Lymphdrainage des Rumpfes von einer sagittalen Mittellinie und einer horizontalen Linie auf Höhe LWK 2 (heute Sappey-Linien genannt) in vier Territorien unterteilt wird. Er beschrieb, dass jede Region lymphatisch in die ipsilateralen Achselhöhle oder inguinalen Lymphknoten drainiert – eine Erkenntnis, die bis heute Richtlinie bei Tumoroperationen mit Lymphadenektomie ist.

Sappeys Ergebnisse wurden in späteren Studien, auch mit wesentlich komplexeren Methoden, z. B. von Ian Taylor zur Lymphanatomie des Thorax und der oberen Extremität, weitgehend bestätigt. Sie bilden bis heute die Basis für aktuelle Injektions-Verfahren von Farbstoffen oder Isotopen zur Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bei Mammakarzinom oder Melanom.

Die anatomischen Darstellungen des Lymphsystems durch den französischen Anatomen Sappey aus dem 19. Jahrhundert sind nicht nur von einzigartiger Genauigkeit und Schönheit, sondern auch bis heute Grundlage moderner Diagnostik- und Therapieverfahren bei lymphatischen Erkrankungen wie Lymphödem und lymphatischer Metastasierung solider Tumoren.