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28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
2. Dreiländertagung D-A-CH

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.
Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie; Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie

09.09. - 11.09.2011, Zürich, Schweiz

Neue Optionen zum Einsatz des Diodenlasers in der Behandlung therapie-refraktärer oto-rhinologischer Erkrankungen

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Philipp P. Caffier - Klinik für Audiologie und Phoniatrie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 28. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP), 2. Dreiländertagung D-A-CH. Zürich, 09.-11.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgppHA3

DOI: 10.3205/11dgpp82, URN: urn:nbn:de:0183-11dgpp826

Veröffentlicht: 18. August 2011

© 2011 Caffier.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Der Laser stellt die Querschnittstechnologie der Gegenwart dar und zählt zu den bedeutendsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Die daraus entstandene und sich immer weiter entwickelnde Technik hat in ihrer Anwendung die moderne Medizin revolutioniert und eröffnet völlig neue Behandlungsmöglichkeiten.

Material und Methoden: In experimentell-labortechnischen und klinisch-praktischen Anwendungen wurden neue Optionen zum Einsatz des Diodenlasers in der Behandlung anderweitig therapie-resistenter bzw. -refraktärer oto-rhinologischer Erkrankungen untersucht. In diesem Bereich haben insbesondere die rezidivierende Otitis media chronica epitympanalis (Cholesteatom), die Rhinitis medicamentosa, die rezidivierende Polyposis nasi, die therapie-resistente allergische Rhinitis, und die chronische Dysfunktion der Tuba auditiva (Eustachii) eine besondere Bedeutung.

Ergebnisse: Mit dem Diodenlaser können aufgrund dessen idealer Laser-Gewebe-Wechselwirkungen verschiedenste Gewebeveränderungen effektiv und nebenwirkungsarm therapiert werden. Je nach medizinischer Indikation und darauf ausgerichteter photochemischer oder photothermischer Art der Anwendung lassen sich hervorragende vaporisierende, koagulierende, hämostatische, aber auch zytotoxische und immunmodulatorische Effekte erzielen. Die fasergestützte Applikation zeichnet sich durch ihre vielfältigen, ambulant durchführbaren, minimal-invasiven Einsatzmöglichkeiten aus, durch die kausal oder symptom-orientiert die jeweiligen zugrundeliegenden Pathologien beseitigt bzw. die klinisch-assoziierten Beschwerdesymptomatiken langfristig verbessert werden können.

Diskussion: Der Diodenlaser erweist sich insgesamt als überaus geeignete, sichere und gut tolerierte Behandlungsoption bei den untersuchten oto-rhinologischen Erkrankungen.


Text

Hintergrund

Der Laser stellt die Querschnittstechnologie der Gegenwart dar und zählt zu den bedeutendsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Die daraus entstandene und sich immer weiter entwickelnde Technik hat in ihrer Anwendung die moderne Medizin revolutioniert und eröffnet völlig neue Behandlungsmöglichkeiten. Der geeignete Laser bei der passenden klinischen Indikation bietet häufig Vorteile gegenüber der konventionell-chirurgischen Standardbehandlung, z.B. schnelle und blutungsfreie Operationen, verkürzte Anästhesiedauer, weniger postoperative Ödeme, weniger Schmerzen, sowie eine gute spontane Epithelialisierung von postinterventionellen Gewebedefekten. Insbesondere Diodenlaser zeichnen sich durch eine Vielzahl positiver Eigenschaften aus: sie sind dank der zunehmenden Miniaturisierung kompakt und tragbar, benötigen nur geringe elektrische Energiezufuhr, sind geeignet für den Dauerbetrieb, ermöglichen Einkopplung und Transport der Strahlung in Lichtleitkabeln mit taktilem Feedback am Zielgewebe, besitzen eine hohe Lebensdauer, sind wartungsarm und zunehmend preiswert.

Material und Methoden

In labor-experimentellen und klinisch-praktischen Anwendungen wurde prospektiv an insgesamt 146 langjährig frustran therapierten Patienten der Einsatz des Diodenlasers in der Behandlung anderweitig therapie-resistenter bzw. -refraktärer oto-rhinologischer Erkrankungen untersucht. In diesem Bereich haben insbesondere die rezidivierende Otitis media chronica epitympanalis (Cholesteatom), die Rhinitis medicamentosa, die rezidivierende Polyposis nasi, die therapie-resistente allergische Rhinitis, und die chronische Dysfunktion der Tuba auditiva eine besondere Bedeutung. Während beim Cholesteatom photochemische Laser-Gewebe-Wechselwirkungen an Zellkulturen nach gezielter Markierung mit Absorptionsverstärkern untersucht wurden, erfolgte bei den übrigen Erkrankungen die ambulante photo-thermische Ablation der jeweiligen Pathologien am Patienten. Die Eingriffe wurden transnasal endoskopisch in Oberflächenanästhesie mit einem Diodenlaser-Operationssystem durchgeführt (DL 6020 Opus 10, Wellenlänge λ=830 nm, 400/600 µm bare fiber, Laserhandstück nach Scherer [1], starres 25°-Rhinoskop, Lichtleiterkabel, videoendoskopischer Kameraaufsatz). Die Datenerfassung erfolgte prä-operativ und langfristig post-operativ im Rahmen von Follow-up Untersuchungen. Zur Beurteilung der Langzeit-Therapiewirksamkeit diente einerseits die Registrierung von objektiven Parametern (z.B. video-endoskopische Fotodokumentation, Rhinomanometrie, Ohrmikroskopie, Tubenfunktionstests, audio- und tympanometrische Messungen), andererseits die subjektive Patienteneinschätzung mittels Fragebögen und visuellen Analogskalen (Erfassung psychometrischer Aspekte, Beurteilung von operativem Eingriff, klinischer Symptomatik, postoperativer Gesamtzufriedenheit) [2].

Ergebnisse

Beim Cholesteatom erwiesen sich die eingesetzten Laser und Absorptionsverstärker als potentiell geeignete Instrumente einer lasergestützten Cholesteatom-Chirurgie. Die dargestellten Verfahren führten in vitro zu einer Zerstörung von bis zu 92% aller gefärbten und bestrahlten Cholesteatom-Zellen, ungefärbte bestrahlte Zellen wurden nicht beeinträchtigt. Mit den verwendeten Antikörpern war jedoch aufgrund von Kreuzreaktionen mit Mukosazellen keine selektive Zellmarkierung zu erzielen.

Bei Patienten mit therapie-refraktärer Rhinitis medicamentosa führte die Diodenlaser-basierte Reduktion der infolge Tachyphylaxie und „rebound“-Schwellung hyperplastischen unteren Nasenmuscheln zu einer langfristigen Besserung der nasalen Obstruktion. Dank der optimierten Nasenatmung konnte in der großen Mehrzahl der Fälle die psychophysische Abhängigkeit von abschwellenden Nasentopika („Privinismus“) durchbrochen und eine dauerhafte Heilung vom schleimhautschädigenden topischen Vasokonstriktiva-Abusus erreicht werden.

Bei rezidivierender Polyposis nasi erwies sich die Diodenlaser-Polypektomie als hilfreich, die Hauptsymptome Nasenatmungsbehinderung und Dys-/Anosmie durch eine optimierte Ventilation bzw. die Freilegung der Polypen-verlegten Rima olfactoria deutlich zu verbessern. In Kombination mit einer hochdosierten, topischen Beclometason-Dipropionat-Anwendung resultierte bei den meisten Patienten eine langfristige Stabilisierung des Lokalbefundes.

Bei Patienten mit schwerer saisonaler und perennialer allergischer Rhinitis ließen sich mittels endonasal-laserchirurgischer Abtragung hyperplastischer Nasenmuscheln und obstruierender Septumpathologien alle typischen Allergie-assoziierten nasalen Symptome bessern, insbesondere Obstruktion und Rhinorrhoe. Risikoreiche Daueranwendungen von topischen Vasokonstriktiva und systemischen Kortikosteroiden können vermieden werden, da mit dieser Therapieoption bei insuffizienter oder kontraindizierter antiallergischer Standardtherapie ein guter Behandlungserfolg zu erzielen ist.

Bei therapie-resistenter chronischer Tubendysfunktion mit gestörtem tympanalen Druckausgleich ermöglichte die Laserablation am epipharyngealen Tubenostium eine dauerhafte Verbesserung der Mittelohrventilation, der assoziierten otologischen Symptome sowie der Lebensqualität. Bei Patienten mit Trommelfellperforation konnte aufgrund der präoperativen Lasertuboplastie die Erfolgsrate hörverbessernder Tympanoplastiken gesteigert werden. Mittels Diodenlaser-assistiertem Tubenshaping ließen sich in vielen Fällen die kausalen Ursachen direkt an der Tuba auditiva, und nicht mehr nur die Folgen der sekundär resultierenden Mittelohrerkrankungen beheben.

Diskussion

Mit dem Diodenlaser können aufgrund dessen idealer Laser-Gewebe-Wechselwirkungen verschiedenste Gewebeveränderungen effektiv und nebenwirkungsarm therapiert werden. Je nach medizinischer Indikation und darauf ausgerichteter photochemischer oder photothermischer Art der Anwendung lassen sich hervorragende vaporisierende, koagulierende, hämostatische, aber auch zytotoxische und immunmodulatorische Effekte erzielen. Die fasergestützte Applikation zeichnet sich durch ihre vielfältigen, ambulant durchführbaren, minimal-invasiven Einsatzmöglichkeiten aus, durch die kausal oder symptom-orientiert die jeweiligen zugrundeliegenden Pathologien beseitigt bzw. die klinisch-assoziierten Beschwerdesymptomatiken langfristig verbessert werden können. Der Diodenlaser erweist sich insgesamt als überaus geeignete, sichere und gut tolerierte Behandlungsoption bei den untersuchten oto-rhinologischen Erkrankungen.


Literatur

1.
Scherer H, Hopf JU, Hopf M. Endoscopically based endonasal and transnasal lasersurgery. Diagn Ther Endosc. 2001;7(3-4):109-27. DOI: 10.1155/DTE.7.109 Externer Link
2.
Caffier PP. Neue Optionen zum Einsatz des Diodenlasers in der Behandlung therapie-refraktärer oto-rhinologischer Erkrankungen [Habilitationsschrift]. Berlin: FU Berlin; 2011. Available from: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000021369 Externer Link