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25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12.09. - 14.09.2008, Düsseldorf

Endoskopische Befunde nach Langzeitintubation

Poster

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  • presenting/speaker Valeska von Krosigk - Universitätsmedizin Göttingen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland
  • corresponding author Arno Olthoff - Universitätsmedizin Göttingen, Phoniatrie und Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Düsseldorf, 12.-14.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgppP21

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2008/08dgpp76.shtml

Veröffentlicht: 27. August 2008

© 2008 von Krosigk et al.
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Zusammenfassung

Einleitung: Das Auftreten von laryngealen Bewegungsstörungen ist eine aus der Literatur bekannte Komplikation nach Intubationen. Ihre Häufigkeit sollte durch die Endoskopie von Patienten mit einer Mindestintubationsdauer von 24 Stunden (h) untersucht werden.

Methode: In einem Zeitraum von 5 Monaten wurden Patienten einer Intensivstation der Universitätsmedizin Göttingen untersucht. Die flexible Laryngo-Tracheoskopie erfolgte innerhalb von 24 h nach Extubation.

Ergebnisse: Es wurden 26 Patienten untersucht, 19 Männer und 7 Frauen, im Alter zwischen 55 und 83 Jahren. Die Intubationsdauer variierte von 25,5 h bis zu 254,5 h. Neben Läsionen im Larynx und der Trachea zeigten sich bei 12 der 26 Patienten Bewegungsstörungen der Stimmlippen. Bei 5 Patienten lag eine beidseitige und bei 7 Patienten eine einseitige Bewegungsstörung vor.

Diskussion: Nach Langzeitintubationen fanden wir neben den genannten Schleimhautläsionen Bewegungsstörungen der Stimmlippen als Komplikation. Bisher ist jedoch keine Korrelation zwischen der Intubationsdauer und Häufigkeit und dem Schweregrad der Bewegungsstörungen nachzuweisen. Bei den Patienten nach endothorakalen Eingriffen waren die Bewegungsstörungen nicht sicher auf die Langzeitintubation zurückzuführen.


Text

Einleitung

Laryngeale Bewegungsstörungen sind eine aus der Literatur bekannte Komplikation nach Intubationen. Beschrieben sind in der Literatur hauptsächlich Einzelfallbeobachtungen nach Kurzzeitintubationen, wie beispielsweise Intubationsnarkosen, mit einer Intubationsdauer von weniger als 24 Stunden [1], [2], [3].

Wie häufig und mit welchem Schweregrad Bewegungsstörung nach Langzeitintubationen auftreten, ist bisher wenig untersucht und soll durch die Endoskopie von Patienten mit einer Mindestintubationsdauer von 24 Stunden festgestellt werden.

Methode

In einem Zeitraum von 5 Monaten wurden Patienten der Intensivstationen des Universitätsklinikums Göttingen untersucht. Bei Patienten mit einer Mindestintubationdauer von 24 Stunden wurde eine flexible Tracheo-Laryngoskopie in den ersten 24 Stunden nach der Extubation durchgeführt.

Insgesamt wurden 26 Patienten endoskopiert, 19 Männer und 7 Frauen, im Alter von 55 bis 83 Jahren. Die Dauer der Intubation variierte zwischen 25,5 und 254,5 Stunden. Intubationsgrund waren Operationen, postoperative Reintubationen oder respiratorische Insuffizienzen. Bei 19 der 26 Patienten erfolgten endothorakale Eingriffe, wie Bypass- oder Herzklappenoperationen.

Ergebnisse

12 der 26 untersuchten Patienten zeigten Bewegungsstörungen der Stimmlippen. Bei 5 dieser Patienten lag eine beidseitige, bei den verbleibenden 7 Patienten eine einseitige Bewegungsstörung vor.

Außerdem wurden bei nahezu allen Patienten Schleimhautläsionen wie Ödeme, Hämatome oder Ulzerationen der Glottis festgestellt. Es zeigten sich auch Läsionen an Ringknorpel und Trachea.

Diskussion

Neben den genannten Schleimhautläsionen traten Bewegungsstörungen der Stimmlippen als mögliche Komplikation der untersuchten Langzeitintubationen auf. Bisher ist jedoch keine Korrelation zwischen der Intubationsdauer und der Häufigkeit sowie dem Schweregrad der auftretenden Bewegungsstörungen nachzuweisen.

Als ursächlich für die Bewegungsstörungen könnte, neben einer mechanischen Schädigung, die Schädigung des Ramus anterior des Nervus recurrens durch einen hoch sitzenden Tubuscuff angenommen werden [4], [5].

Bewegungsstörungen, die bei Patienten nach endothorakalen Eingriffen auftraten, waren nicht sicher auf die Langzeitintubation zurückzuführen. Hier könnte es intraoperativ zu einer Schädigung des Nerven gekommen sein [6], [7].


Literatur

1.
Carvo JW. True vocal cord paralysis following intubation. Laryngoscope. 1985;95:1352-9.
2.
Brandwein M, Abramson AL, Shikowitz MJ. Bilateral vocal cord paralysis following endotracheal intubation. Arch Otolaryngol. 1986;112:877-82.
3.
Friedrich TH, Hänsch U, Eichfeld U, Steinert M, Staemmler A, Schönfelder M. Die Recurrensparese als Intubationsschaden? Chirurg. 2000;71:539-44.
4.
Olthoff A, Schiel R, Kruse E. Beidseitige Stimmlippenlähmung nach Intubationsnarkose. Aktuelle phoniatrisch - pädaudiologische Aspekte. 2003;11:153-8.
5.
Wason R, Gupta P, Gogia AR. Bilateral adductor vocal cord paresis following endotracheal intubation for general anaesthesia. Anaesth Intensive Care. 2004;32:417-8.
6.
Hamdan AL, Moukaarbel RV, Farhat F, Obeid M. Vocal cord paralysis after open-heart surgery. Eur J Cardiothorac Surg. 2002;21:671-4.
7.
Shafei H, el-Kholy A, Azmy S, Ebrahim M, al- Ebrahim K. Vocal cord dysfunction after cardiac surgery: an overlooked complication. Eur J Cardiothorac Surg. 1997;11:564-6.