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25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12.09. - 14.09.2008, Düsseldorf

Welchen Stellenwert hat die Auditiv-Verbale Therapie bei der Cochlea Implantat-Versorgung?

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker B. Kühne - Hörzentrum Hannover, Medizinische Hochschule, Hannover, Deutschland
  • A. Lesinski-Schiedat - Hörzentrum Hannover, Medizinische Hochschule, Hannover, Deutschland
  • T. Lenarz - Hörzentrum Hannover, Medizinische Hochschule, Hannover, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Düsseldorf, 12.-14.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgppV27

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2008/08dgpp34.shtml

Veröffentlicht: 27. August 2008

© 2008 Kühne et al.
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Gliederung

Zusammenfassung

Die Anwendung der Auditiv Verbalen Therapie (AVT) bei hörgeschädigten Kindern und Kleinstkindern kann eine hohe lautsprachliche Kompetenz entwickeln und stellt einen entscheidenden Schritt zur Integration in die hörende Gesellschaft dar. Die AVT nutzt die Phasenspezifität der Sinnesentwicklung sowie die große Plastizität des kindlichen Gehirns. Die AVT orientiert sich in ihrer Zielsetzung an der natürlichen kindlichen Entwicklung und unterliegt einem ständigen Wandel durch die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten.

In einem Vergleich zwischen dem organisatorischen und inhaltlichen Konzept der klassischen CI Therapie in CIC und der ambulant ausgerichteten und in engeren Zeitabständen stattfindenden AV Therapie wurden die Ergebnisse der Kinder mit CI untersucht.

Es zeigte sich, dass die Kinder, mit und ohne Mehrfachbehinderung, die wöchentlich zur Auditiv-Verbalen Therapie mit ihren Eltern kamen, eine sehr enge und feste Bindung an die Hör-Sprachtherapie entwickelt haben. Das ambulante Setting konnte keine Nachteile gegenüber einer stationären Therapie im CIC aufzeigen. Die intensive Einbeziehung und Anleitung der betroffenen Eltern, einer fortwährenden Entwicklungsdiagnostik und der damit kontinuierlichen Anpassung der Behandlungspläne, ist insbesondere bei Eltern von Bedeutung, die kurz nach dem Ergebnis der Diagnostik (meist im Rahmen des NHS) eine Versorgung vornehmen lassen mussten.

Obwohl in vielen Städten Deutschlands Cochlea Implantationen durchgeführt werden und Kinder in Cochlea Implant Zentren betreut werden, ist nach wie vor großer Handlungsbedarf. Es fehlt eine Sicherstellung der Qualität auf hohem Niveau. Dies scheint den Autoren für eine solche operative Maßnahme der Hörsystemversorgung zwingend. Nicht jede Familie ist sozialmedizinisch in der Lage ein CIC auch statíonär über mehre Tage aufzusuchen. In diesen Fällen ist es von besonderer Bedeutung die engmaschige Therapie und Qualitätskontrolle der Versorgung zu gewährleisten. Durch das besondere Konzept der engmaschigen und Therapieplan basierten AVT, gemeinsam mit einer erfahrenen CI Klinik, steht ein Instrument zur Verfügung, das dies ermöglicht.


Text

Die Anwendung der Auditiv Verbalen Therapie (AVT) bei hörgeschädigten Kindern kann eine hohe lautsprachliche Kompetenz entwickeln und stellt einen entscheidenden Schritt zur Integration in die hörende Gesellschaft dar. Die AVT nutzt die Phasenspezifität der Sinnesentwicklung und orientiert sich in ihrer Zielsetzung an der natürlichen kindlichen Entwicklung. Sie unterliegt einem ständigen Wandel durch die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten. Sie ist gekennzeichnet durch bestimmte Leitsätze und Prinzipien, die Verwendung spezifischer Strategien und Techniken, fortlaufender Diagnostik und Evaluation, individueller Entwicklungspläne sowie einer sehr engen Zusammenarbeit mit den Eltern.

In einem Vergleich zwischen dem organisatorischen und inhaltlichen Konzept der klassischen stationären, mehrtägigen CI Therapie im CIC und der ambulant ausgerichteten und in engeren Zeitabständen stattfindenden AV Therapie wurden die Ergebnisse der Kinder mit CI untersucht.

Es zeigte sich, dass die Kinder, mit und ohne Mehrfachbehinderung, die wöchentlich zur Auditiv-Verbalen Therapie mit ihren Eltern kamen, eine sehr enge und feste Bindung an die Hör-Sprachtherapie entwickelt haben. Die intensive Einbeziehung und Anleitung der betroffenen Eltern und die fortwährende Entwicklungsdiagnostik ist für die Eltern von großer Bedeutung, die Entwicklung ihrer Kinder ist entsprechend erfolgreich. Die Kinder, die nach der CI Operation durch die AVT begleitet wurden, haben eine sehr gute Sprachentwicklung sowie auch kognitive und sozial/emotionale Entwicklung. Insbesondere bei Kindern die früh versorgt wurden scheint diese zeitlich in kurzen Abständen ermöglichte Anleitung der Eltern eine produktive Sicherheit zu geben, die die Hör-Sprachentwicklung des Kindes besonders fördert. Auch Kinder und Eltern, die zunächst die stationäre Therapie bevorzugten konnten nach Umstellung auf das ambulante Konzept der AVT weitere dynamische Fortschritte in der Entwicklung des Kindes beobachten. Durch die AVT wissen die betroffenen Eltern auf welchem Entwicklungsstand sich ihr Kind befindet, welche Zielsetzungen kurzfristig, mittel- und langfristig anstehen. Es wird ihnen genau gezeigt, wie sie diese Zielsetzungen, die für jedes Kind ganz individuell erstellt werden, durchführen können. Kinder und Jugendliche mit progredientem Hörverlust profitieren in ihrer selbstständigen Entwicklung der Kommunikationsstörung von der Anleitung der AVT Therapeuten in besonderem Masse.

Obwohl in vielen Städten Deutschlands Cochlea-Implantat Operationen durchgeführt, fehlt eine Sicherstellung der pädagogischen Qualität auf hohem Niveau. Die Hör-Spracherziehung bei hörbehinderten Kindern Bedarf gerade in den ersten Jahren eine besondere Aufmerksamkeit, die durch entsprechende inhaltlich und strukturelle Bedingungen sichergestellt sein muss. Dafür zeichnet der HNO-Arzt neben der medizinischen auch therapeutische Verantwortung, in dem er die postoperativen Konzepte dauerhaft und sicher zur Verfügung stellt. Dies scheint den Autoren für eine solche operative Maßnahme der Hörsystemversorgung zwingend. Durch das besondere Konzept der engmaschigen und Therapieplan basierten AVT, gemeinsam mit einer erfahrenen CI Klinik, steht ein weiteres Instrument zur Verfügung, das dies ermöglicht.