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25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12.09. - 14.09.2008, Düsseldorf

Komplikationen bei CI Patienten – Erfahrungen seit 1985

Vortrag

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Düsseldorf, 12.-14.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgppV25

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2008/08dgpp31.shtml

Veröffentlicht: 27. August 2008

© 2008 Lesinski-Schiedat et al.
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Zusammenfassung

Die Cochlea Implanatation ist sowohl bei erwachsenen hochgradig schwerhörigen Patienten als auch Kindern ein mittlerweile anerkanntes und etabliertes Verfahren. Im Rahmen der zunehmenden Etablierung des Neugeborenen Hörscreenings werden sehr junge Kinder mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgt. Somit stellt sich, wie bei jedem anderen operativen Verfahren, die Frage nach möglichen Komplikationen.

Bis 2005 konnten an der HNO-Klinik der MHH 2411 implantierte Patienten retrospektiv untersucht werden. Bei 756 Patienten konnten Komplikationen gefunden werden. Teilweise traten in einigen Patienten mehrmals Komplikationen auf. Zur besseren Analyse wurden die Komplikationen in operativ und nicht-operativ behandelbare Komplikationen eingeteilt; technische Defekte wurden separat betrachtet. Um eine mögliche Entwicklung aufzuzeigen wurden der Untersuchungszeitraum zwischen 1985 und 1999 sowie 2000 und 2005 aufgeteilt. Außerdem wurden die Komplikationen bei Kindern und Erwachsenen getrennt betrachtet.

Im Vergleich von vor 1999 konnten die nicht-operativ zu behandelnden Komplikationen von 13,9% auf 10,4% gesenkt werden. Es handelt sich hauptsächlich um Mittelohraffektionen und Implantatbettschwellungen. Die operativ zu behandelnden Komplikationen wie bsp. Labyrinthiden mit Hörverschlechterung oder Fazialisreizungen sanken von 8,6% vor 1999 auf 3,5% zwischen 2000 und 2005. Bei der Differenzierung zwischen Erwachsenen und Kindern ist festzustellen, dass in beiden Gruppen die operativ zu behandelnden Komplikationen gesunken ist; bei den erwachsenen Patienten von 10,8% auf 1,6% und bei Kindern von 3,6% auf 1,8%.

Die deutliche Reduktion der Komplikationsrate zeigt die zunehmende Erfahrung in der Operationstechnik als auch die Verbesserung der postoperativen Behandlung. Allerdings symbolisiert die Art der Komplikationen auch die Verantwortung, die die Therapiezentren tragen.


Text

Die Cochlea Implantation ist sowohl bei erwachsenen hochgradig schwerhörigen Patienten als auch Kindern ein mittlerweile anerkanntes und etabliertes Verfahren. Im Rahmen der zunehmenden Etablierung des Neugeborenen Hörscreenings werden sehr junge Kinder mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgt. Somit stellt sich, wie bei jedem anderen operativen Verfahren, die Frage nach möglichen Komplikationen.

Die Ergebnisvielfalt in der Literatur reicht von 40% bis 11% Komplikationsrate bei Kindern und Erwachsenen [1], [2], [3], [4], [5]. An der Medizinischen Hochschule Hannover werden Patienten seit 1985 mit einem Cochlea-Implantat versorgt. Mit über 3000 Implantationen gehört Hannover mit zu einem der größten internationalen Zentren, die diese Operationen durchführen. Diese Arbeit betrachtet den postoperativen Verlauf und das Auftreten von Komplikationen von 2411 Erstimplantationen, die in den Jahren 1985 bis 2005 in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover durchgeführt wurden. Insgesamt wurden 1430 Erstimplantationen bei Kindern und 981 Implantationen bei erwachsenen Patienten vorgenommen. Für eine verbesserte Einschätzung der Komplikationen wurden zwei Zeiteinteilungen getroffen. Aufgrund einer Änderung der Operationstechnik im Jahre 2000 werden die Raten der Komplikationen vor und nach Modifizierung der Operationstechnik miteinander verglichen. Die zweite Einteilung bezieht sich auf den Zeitpunkt des Auftretens der Komplikation und unterscheidet somit frühe und späte Komplikationen.

Insgesamt war bei 1771 (73,45%) Patienten der postoperative Verlauf unauffällig. Die Komplikationsrate für alle Patienten des Gesamtzeitraums beträgt 18,95%. Leichte postoperative Auffälligkeiten, die nicht als Komplikation anzusehen sind, zeigten sich bei 7,13% der Patienten. Technische Defekte des Implantates traten zu 5,10% auf. Im Vergleich der beiden Zeiträume 1985 bis 1999 und 2000 bis 2005 stellt sich eine Reduzierung der Gesamtkomplikationsrate und somit der leichten und schweren Komplikationen dar. Diese Reduzierung ist bei Kindern als auch erwachsenen Patienten zu erkennen. Eine deutliche Minderung der schweren Komplikationen zeigt sich insbesondere bei Betrachtung der im späteren postoperativen Verlauf aufgetretenen schweren Komplikationen bei erwachsenen Patienten. Bei der Differenzierung zwischen Erwachsenen und Kindern ist festzustellen, daß in beiden Gruppen die operativ zu behandelnden Komplikationen gesunken ist; bei den erwachsenen Patienten von 10,8% auf 1,6% und bei Kindern von 3,6% auf 1,8%. Aufgrund einer Änderung des operativen Vorgehens im Jahre 1993 konnten die Protrusion der Elektrode oder des Dacronfadens in den Gehörgang verhindert werden.

Die Verringerung der technischen Defekte des Implantates sowie wie die verminderten schweren Komplikationen führten zu einer Reduzierung der notwendigen Revisionsoperationen.

Die deutliche Reduktion der Komplikationsrate zeigt die zunehmende Erfahrung in der Operationstechnik als auch die Verbesserung der postoperativen Behandlung. Allerdings symbolisiert die Art der Komplikationen auch die Verantwortung, die die Therapiezentren tragen.


Literatur

1.
Migirov L, Yakirevitch A, Kronenberg J. Surgical and medical complications following cochlear implantation: comparison of two surgical approaches. ORL J Otorhinolaryngol Relat Spec. 2006;68:213-9.
2.
Postelmans JT, Cleffken B, Stokroos RJ. Post-operative complications of cochlear implantation in adults and children: five years' experience in Maastricht. J Laryngol Otol. 2007;121:318-23.
3.
Kempf HG, Johann K, Lenarz T. Complications in pediatric cochlear implant surgery. Eur Arch Otorhinolaryngol. 1999;256:128-32.
4.
Hoffman RA, Cohen NL. Complications of cochlear implant surgery. Ann Otol Rhinol Laryngol Suppl. 1995;166:420-2.
5.
Cohen NL, Hoffman RA, Stroschein M. Medical or surgical complications related to the Nucleus multichannel cochlear implant. Ann Otol Rhinol Laryngol. 1988;Suppl.(135):8-13.