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25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12.09. - 14.09.2008, Düsseldorf

Autosomal-dominant vererbte, progredient verlaufende Auditorische Synaptopathie/Auditorische Neuropathie

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Ruth Lang-Roth - Funktionsbereich Phoniatrie & Pädaudiologie, Universitäts-HNO-Klinik, Köln, Deutschland
  • author Eva Fischer - Funktionsbereich Phoniatrie & Pädaudiologie, Universitäts-HNO-Klinik, Köln, Deutschland
  • author Alexander Volk - Institut für Genetik, Uniklinik Köln, Deutschland
  • author Dirk Beutner - Klinik für HNO-Heilkunde, Uniklinik Köln, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Düsseldorf, 12.-14.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgppV19

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2008/08dgpp20.shtml

Veröffentlicht: 27. August 2008

© 2008 Lang-Roth et al.
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Zusammenfassung

Die auditorische Neuropathie/Synaptopathie stellt ein sehr inhomogenes Krankheitsbild hinsichtlich Ursache, Beginn und Ausprägung dar. In der Literatur sind viele sporadische Erkrankungen und wenige familiäre Verläufe beschrieben. Kim et al. [1] konnte 2004 bei einer Familie europäischer Herkunft mit einem autosomal-dominantem Verlauf das Gen AUNA 1 diagnostizieren.

Wir stellen die zweite europäische Familie mit nicht-syndromaler autosomal-dominanter auditorischer Neuropathie/Synaptopathie vor. Im frühen Kindesalter hören die Betroffenen noch normal und haben eine unauffällige Sprachentwicklung. Bei einem 7jährigen Mädchen ist lediglich die BERA auffällig, während im späten Kindesalter die Hörstörung im Hochtonbereich beginnt und langsam fortschreitet. Im Erwachsenenalter entwickelt sich eine pantonale Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit im späten Erwachsenenalter. Die otoakustischen Emissionen sind typischerweise bis ins junge Erwachsenenalter nachweisbar, in der BERA zeigen sich von Anfang an auffällige Potenzialmuster und Mikrophonpotenziale, die CERA hingegen ist unauffällig. Schwindel tritt nicht auf. Da das von Kim et al. 2004 [1] beschriebene Gen AUNA 1 molekulargenetisch ausgeschlossen werden konnte, ebenso eine neurodegenerative Systemerkrankung wie z.B. Charcot Marie-Tooth.

Die vorliegende familiäre AN/AS zeigt einen noch unbekannten genetischen Ursprung und hat einen hohen Vorhersagewert für den Verlauf des Hörverlusts in den verschiedenen Alterstufen.


Text

Einleitung

Die auditorische Synaptopathie/auditorische Neuropathie (AS/AN) mit der Befundkonstellation: erhaltene Funktion der äußeren Haarsinneszellen, stark auffällige oder fehlende Hirnstammpotenziale, stellt ein sehr inhomogenes Krankheitsbild hinsichtlich Ursache, Beginn und klinischer Ausprägung dar. Die AS/AN kann isoliert auftreten oder in Kombination mit peripheren Neuropathien wie Charcot-Marie-Tooth. Neben sporadischen treten auch genetisch bedingte Fälle auf. In der Literatur werden überwiegend autosomal-rezessive Erbgänge beschrieben, in Einzelfällen ist ein autosomal-dominanter Vererbungsmodus nachzuweisen.

Material und Methode

Wir beschreiben den klinischen Verlauf einer familiären autosomal-dominanten Form der AS/AN. Zunächst stellte sich ein 9-jähriges Mädchen zur weiteren Abklärung einer unklaren Hörstörung vor. In der Familie waren alle Erwachsenen von einer Hörstörung betroffen, die sich am Ende der ersten Lebensdekade entwickelte. Wir führten daher bei sieben Mitgliedern eine audiologische Diagnostik mit Ton- und Sprachaudiometrie, BERA und teilweise auch CERA sowie Messung der otoakustischen Emissionen durch, zudem erfolgte eine neurologische Untersuchung sowie eine genetische Diagnostik.

Ergebnisse

In der Familie waren alle erwachsenen Mitglieder von einer Hörstörung betroffen, die im frühen Kindesalter mit einer peripheren Normakusis und stark auffälligen früh akustisch evozierten Potenzialen (FAEP) subklinisch verlief (Abbildung 1 [Abb. 1]). Die Familienmitglieder in der zweiten Dekade hatten bereits im Tonaudiogramm eine geringgradige Schwerhörigkeit. Bei den Mitgliedern der 3. und 4. Dekade lag ein mittelgradiger Hörverlust im Tonaudiogramm in den mittleren und höheren Frequenzen vor. Um das 50.-60. Lebensjahr trat dann die Ertaubung ein. Die Ergebnisse des Sprachaudiogramms verliefen erwartungsgemäß zur Tonschwellenaudiometrie, ein fluktuierendes Gehör wurde nicht angegeben. Die Funktion der äußeren Haarsinneszellen war bis über das 40. Lebensjahr hinaus erhalten, lediglich die hochgradige an Taubheit grenzend schwerhörige Großmutter hatte keine messbaren otoakustischen Emissionen mehr. Schwindel trat nicht auf. Die FAEP waren bei allen untersuchten Familienmitgliedern pathologisch.

In der neurologischen Untersuchung fanden sich keine weiteren peripheren Neuropathien oder andere Auffälligkeiten. Molekulargenetisch konnte eine Kopplung zum bekannten Locus AUNA 1 ausgeschlossen werden.

Diskussion

Die vorliegende Familie leidet aufgrund der typischen Befundkonstellation unter einer autosomal-dominant vererbten AS/AN die subklinisch bereits bei Schulkindern vorliegt und dann langsam fortschreitet. Durch weiterführende genetische Untersuchungen soll nun der Genort und das Gen gefunden werden um tiefere Einblicke in das noch wenig differenzierte Krankheitsbild AS/AN zu erlangen.


Literatur

1.
Kim TB, Isaacson B, Sivakumaran TA, Starr A, Keats BJB, Lesperance MM. A gene responsible for autosomal dominant auditory neuropathy (AUNA 1) maps to 13 q 14-21. J Med Genet. 2004;41:872-6.
2.
Xing G, Xin C, Tian H, Chen Z, Li X. Clinical and Genetic Features in a chinese Pedigree with autosomal dominant auditory neuropathy. ORL. 2007;69:131-6.
3.
Beutner D, Foerst A, Lang-Roth R, von Wedel H, Walger M. Risk factors for auditory neuropathy/auditory synaptopathy. ORL J Otorhinolaryngol Relat Spec. 2007;69(4):239-44. Epub 2007 Apr 4.