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25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12.09. - 14.09.2008, Düsseldorf

Neugeborenenhörscreening am Olgahospital Stuttgart

Vortrag

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Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 25. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Düsseldorf, 12.-14.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dgppV11

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2008/08dgpp11.shtml

Veröffentlicht: 27. August 2008

© 2008 Boppert.
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Gliederung

Zusammenfassung

Seit dem 06.12.2000 wird an allen Geburtskliniken in Stuttgart das Neugeborenen-Hörscreening mittels Ableitung von TEOAE durchgeführt. Vorher wurden am Olgahospital nur Neugeborene mit Hörrisikofaktoren audiologisch untersucht.

Alle Säuglinge, die in Stuttgart einer stationären kinderärztlichen Behandlung bedürfen, werden auf der Neonatologie des Olgahospitals aufgenommen. Im Zeitraum vom April 2000 bis zum April 2008 wurden von mir und meinen ärztlichen Assistenten 6834 Neugeborene in einem zweistufigen Hörscreening durch Ableitung von TEOAE und AABR untersucht. Es verblieben 2,6% auffällige Befunde, die pädaudiologisch kontrolliert wurden.

Das Durchschnittsalter für die Erkennung und Behandlung von Hörschädigungen wurde kontinuierlich vermindert. Im Zeitraum vom April 2005 bis zum April 2008 betrug das durchschnittliche Lebensalter für die fachärztliche Sicherung einer therapiebedürftigen beiderseitigen Hörstörung 21,7 Monate. An Taubheit grenzende Schallempfindungsschwerhörigkeit wurde durchschnittlich im Alter von 8,4 Monaten, hochgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit im Alter von 10,5 Monaten und mittelgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit im Alter von 32,3 Monaten erkannt und einer sofortigen Hörgeräteversorgung zugeführt.

Seit April 2000 wurde in meiner Abteilung der Behandlungsbeginn für Kinder mit mittelgradiger Schwerhörigkeit um 12 Monate und für Kinder mit hochgradiger Schwerhörigkeit um 8 Monate vorverlegt. Bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit ergab sich keine Verbesserung.


Text

Einleitung

Hörstörungen sind die häufigste angeborene sensorische Erkrankung. Nahezu jedes 1000. Kind ohne sonstige Erkrankungen ist hochgradig schwerhörig. Eigene Untersuchungen vom April 1998 bis zum April 2000 ergaben, dass im Einzugsgebiet des Olgahospitals Stuttgart mittelgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit durchschnittlich im Alter von 44 Monaten, hochgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit durchschnittlich im Alter von 19 Monaten und an Taubheit grenzende Schallempfindungsschwerhörigkeit durchschnittlich im Alter von 9 Monaten diagnostiziert wurde.

Seit dem 06.12.2000 wird an allen Geburtskliniken in Stuttgart das Neugeborenen-Hörscreening mittels Ableitung von TEOAE durchgeführt und im gelben Vorsorgeheft dokumentiert. Vorher wurden am Olgahospital nur Neugeborene mit Hörrisikofaktoren audiologisch untersucht.

Methoden

Alle Säuglinge, die in Stuttgart einer stationären kinderärztlichen Behandlung bedürfen, werden auf der Neonatologie des Olgahospitals aufgenommen. Im Zeitraum vom April 2000 bis zum April 2008 wurden von meinen ärztlichen Mitarbeitern und mir 6834 Neugeborene, die keine intensivmedizinische Behandlung erfahren hatten, in einem zweistufigen Hörscreening durch Ableitung von TEOAE und AABR während des stationären Aufenthalts untersucht.

Ergebnisse

Es verblieben nach dem zweistufigen Screening bei 97% Erfassung aller Säuglinge 2,6% auffällige Befunde, die pädaudiologisch kontrolliert wurden. Daraus ergaben sich 0,18% therapiebedürftige beiderseitige Hörstörungen.

Im Zeitraum vom April 2005 bis zum April 2008 betrug das durchschnittliche Lebensalter für die fachärztliche Sicherung einer therapiebedürftigen beiderseitigen Hörstörung 22 Monate. An Taubheit grenzende Schallempfindungsschwerhörigkeit wurde durchschnittlich im Alter von 9 Monaten, hochgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit im Alter von 11 Monaten und mittelgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit im Alter von 32 Monaten erkannt und einer sofortigen Hörgeräteversorgung zugeführt.

Seit April 2000 wurde in meiner Abteilung am Olgahospital der Behandlungsbeginn für Kinder mit mittelgradiger Schwerhörigkeit um 12 Monate und für Kinder mit hochgradiger Schwerhörigkeit um 8 Monate vorverlegt. Bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit ergab sich keine Verbesserung.

Diskussion

Die Ergebnisse belegen, dass durch die Einführung des Neugeborenhörscreenings in Stuttgart der Diagnosezeitpunkt und der Behandlungsbeginn bei beidseitigen therapiebedürftigen Hörstörungen kontinuierlich vorverlegt wurde. Durch die vom gemeinsamen Bundesausschuss am 20.06.2008 zum beschlossene Einführung einer Kinderuntersuchung zur Früherkennung von Hörstörungen bei Neugeborenen wird ab dem Jahr 2009 auch die zentrale Erfassung und Verfolgung aller auffälligen Befunde möglich sein. Nach 10 Jahren anhaltender Diskussionen wird nun endlich der europäische Konsens zum Neugeborenenhörscreening von Mailand aus dem Jahr 1998 auch in Deutschland umgesetzt. Weitere Verzögerungen sollten im Interesse der hörgeschädigten Kinder vermieden werden.