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Dreiländertagung D-A-CH
24. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

28. - 30.09.2007, Innsbruck, Österreich

Musikwahrnehmung mit Cochlear Implantaten

Music perception with cochlear implants

Vortrag

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirugie. Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie. Dreiländertagung D-A-CH, 24. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.. Innsbruck, Österreich, 28.-30.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgppH02

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2007/07dgpp35.shtml

Veröffentlicht: 28. August 2007

© 2007 Brockmeier et al.
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Gliederung

Abstract

The Mu.S.I.C. test covers 8 important aspects of music perception: pitch, rhythm, instrument identification, melody and chord differentiation, detection of the number of instruments, emotional impact and dissonance rating. This test battery was used to obtain an initial insight into the musical perception of unilateral, bilateral, EAS and bimodal CI users.

For this study a subset of files from each subtest was presented. Group analysis could be performed for the unilateral group (n=31) vs 64 normal hearing subjects (NH). For the other groups (EAS n=15, bilateral = 7) a matched triplet analysis was performed vs. NH and unilateral implant users. The matching was performed according to age and musical experience before hearing loss as assessed in the MuMu questionnaire.

There was no difference between any of the groups for rhythm discrimination, dissonance and emotion rating. Unilateral subjects scored significantly worse than NH in all the other subtests. EAS users scored the same as NH for pitch, chord and melody differentiation and worse than NH and similar to unilaterally implanted subjects in the instrument detection and differentiation tasks. Testing without the hearing aid in EAS users with unchanged setting of the speech processor did not lead to a significant deterioration of the results. In bilateral users we found no significant difference when compared to normal hearing subjects. Their results did not decline significantly when the “worse ear” was switched off. For none of the patients groups correlations were found between performance in any of the subtests with age at implantation, duration of implant use or musical experience before hearing loss or after implantation. Residual hearing did not influence the overall results in the EAS group.

The results of the EAS users and the bilaterally implanted patients suggest that biological factors play a crucial role in music perception via cochlear implants.


Text

Aufgrund der großen Relevanz des Musikhörens für Cochlea Implantat-Patienten und des Fehlens adäquaten Testmaterials wurde ein Musiktest Mu.S.I.C. Test (Musical Sounds in Cochlear Implants) entwickelt, der es erlaubt, unterschiedliche Parameter der Musikwahrnehmung mit echten Instrumenten zu testen. Dabei werden folgende Faktoren getestet: Unterscheidungsfähigkeiten für Frequenzen, Melodien, Klänge, Rhythmus, Instrumentendetektion- und Instrumentenidentifikation, Dissonanz- und Emotionsskalierung. Die modulare Form und die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Tonbeispiele (insgesamt 2800) erlauben es, unterschiedliche Arten von Studien durchzuführen. Es kann ein Aspekt sehr detailliert untersucht oder eine große Anzahl von Probanden mit wenigen Samples pro Test gescreent werden.

Probandenkollektive

Es wurden 61 normal hörende, 31 unilateral implantierte Patienten, 7 bilateral implantierte und 13 EAS Patienten gemessen. Zwischen den unilateral implantierten und den normal Hörenden wurde ein Gruppenvergleich durchgeführt. Die anderen Vergleiche im Matched-Pair-Modus. Als Matchinggrundlage diente die musikalische Vorerfahrung sowie das Alter der Probanden. Alle Patienten trugen ein Combi40+/Pulsar CI 100 Implantat mit der Sprachkodierungsstrategie CIS, waren postlingual ertaubt und hatten eine Implantaterfahrung von mindestens 6 Monaten.

Ergebnisse

Die Ergebnisse in Tabelle 1 [Tab. 1], Tabelle 2 [Tab. 2] und Tabelle 3 [Tab. 3] sind als Mittelwert (SD) angegeben. Bei der Frequenzunterscheidung handelt es sich um Vierteltöne; Beurteilung von Dissonanz und Emotion werden von 1-10 skaliert; Rhythmus- und Klangunterscheidung sowie Instrumentendetektion und -identifikation werden als % korrekt dargestellt.

Eine große Streuung der Ergebnisse war bei allen Tests in allen Gruppen von Teilnehmern zu verzeichnen. Das bedeutet, dass es sowohl normal hörende Probanden gab, die sehr schlecht abschnitten, als auch Implantatträger, die in dem Bereich von guten, normal hörenden Studienteilnehmern lagen. Im Rhythmustest sowie der Skalierung von Emotion und Dissonanz fand sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Rhythmus als strukturelles Element wird bekanntermaßen gut von Implantaten übertragen. Da das Tempo sowohl in der Literatur als auch in unserem Test der entscheidende Faktor für die Einschätzung der Emotionalität in fröhlich oder traurig ist und dieses Charakteristikum gut über das CI übertragen wird, entsteht für die Patienten ein emotionaler Eindruck, der sich nicht wesentlich von dem normal Hörender unterscheidet. Der fehlende Unterschied zwischen den Gruppen in der Dissonanzskalierung könnte durch eine Gewöhnung an die Klangstruktur bedingt sein, wie sie von den unterschiedlichen Gruppen wahrgenommen wird. In den anderen Tests lagen die Ergebnisse der unilateral implantierten CI-Träger unter denen der normal Hörenden. Bilateral implantierte Patienten schneiden in allen Tests genauso gut ab wie die Normalpersonen. Bei der Testung mit der besseren Seite kommt es zu einer geringen, jedoch nicht signifikanten Verschlechterung der Ergebnisse. Die EAS Patienten schneiden bei allen Tests außer den Timbrebasierten genauso gut ab wie die normal Hörenden. Auch die Abschaltung des Hörgerätes führt nicht zu einem signifikanten Abfall der Ergebnisse.

Während bei den normal Hörenden positive Korrelationen der Subtests miteinander sowie mit den verschiedenen musikalischen Aktivitäten und teilweise negative mit dem Alter nachweisbar waren, war dies bei den CI Trägern anders. Das Alter, die Implantaterfahrung sowie die musikalischen Aktivitäten vor Hörminderung und nach Implantation haben einen geringen Einfluss auf das Musikerleben und die getesteten Musikhörfähigkeiten der Patienten. Die Ergebnisse in den einzelnen Untertests korrelieren nicht miteinander. Ob der fehlende Nachweis solcher Korrelationen auf die geringere Zahl der Probanden in der Patientengruppe zurückzuführen ist, oder ob es sich um einen validen Befund handelt, wird eine Folgestudie mit einer größeren Zahl an Teilnehmern zeigen müssen. Bei den EAS-Patienten war eine negative Korrelation des Resthörvermögens mit den Ergebnissen in den Timbrebasierten Subtests zu finden.

Soweit vergleichbar, liegen die in dieser Studie erhobenen Daten sowohl für die Patienten als auch für das normal hörende Kontrollkollektiv im Bereich dessen, was in der Literatur berichtet wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Test geeignet ist, das Musikhören von Cochlea Implantat-Patienten und normal hörenden Menschen weiter zu untersuchen.