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Dreiländertagung D-A-CH
24. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

28. - 30.09.2007, Innsbruck, Österreich

Erste Erfahrungen mit Gaumensegelorthesen

Vortrag

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Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Sektion Phoniatrie der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirugie. Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie. Dreiländertagung D-A-CH, 24. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.. Innsbruck, Österreich, 28.-30.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgppV20

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2007/07dgpp30.shtml

Veröffentlicht: 28. August 2007

© 2007 Müller et al.
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Zusammenfassung

Einleitung: Zentral verursachte Gaumensegellähmungen führen in der Regel auf Grund des offenen Näselns zu einer stark herabgesetzten Sprachverständlichkeit. Über Erfahrungen mit dem therapeutischen Hilfsmittel Gaumensegelorthese zur Verbesserung der sprechmotorischen Leistungen wird berichtet.

Material und Methode: 7 Männer im Alter von 17-51Jahren, die infolge von Tumoren oder Unfällen eine Störung der Gaumensegelfunktion aufwiesen, erhielten im Rahmen der Rehabilitation eine Gaumensegelorthese angepaßt.

Ergebnisse: Gaumensegelorthese und logopädische Therapie führten zu einer Verbesserung der artikulatorischen Leistung in der Behandlung der Dysarthrie.

Diskussion: Neben einer individuellen Tolerierbarkeit der im Bereich des weichen Gaumens aufliegenden Platte sind guter Zustand des Gebisses und abgeschlossenes Kieferwachstum erforderlich. Funktionskontrollierte Herstellung der Orthese und Adaptationszeiten bis zu 3 Monaten sind möglich.

Zusammenfassung: Die Gaumensegelorthese gestattet funktionskontrollierte logopädische Therapie und kann als temporäre (mittelfristig) wirksame Betreuungsmaßnahme betrachtet werden.


Text

Einleitung

Die Dysarthrien oder Dysarthrophonien stellen die häufigsten neurogenen Kommunikationsstörungen dar. Die Sprechmotorik ist als Folge von Läsionen oder Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems beeinträchtigt. Ursachen können u. a. neurologische Erkrankungen (Myasthenia gravis, amyotrophe Lateralsklerose, Mb. Parkinson), zerebrovaskuläre Erkrankungen, Schädelhirntraumata, Tumoren oder degenerative Erkrankungen sein. Die Schädigung kann zu Störungen der Atmung, Stimmgebung oder Lautbildung führen. Die Dysarthrie-Therapie stützt sich auf die logopädische Übungsbehandlung, die Anpassung von Kommunikationshilfen, medikamentöse Maßnahmen und chirurgische Eingriffe. Eine Kommunikationshilfe ist die Gaumensegelorthese bei Einschränkung der Gaumensegelmotilität [1], [2] [3]. Ziel dieses Hilfsmittels ist es, den velopharyngealen Schluss zu verbessern. Der Luftverlust durch die Nase wird dadurch vermindert, die Sprechökonomie verbessert und die Verständlichkeit erhöht.

Material und Methodik

7 Patienten im Alter von 17-51 Jahren, die aufgrund eines Unfalls oder eines Tumors eine Gaumensegellähmung hatten, erhielten bei deutlich eingeschränkter Sprachverständlichkeit infolge der Hypernasalität trotz intensiver logopädischer Übungsbehandlung eine Gaumensegelorthese angepasst. Zur passiven Gaumensegelanhebung wurde eine aufbaubares und/oder austauschbares Kunststoffteil an ein metallisches Grundgerüst, das zur Verankerung im Sinne einer gegossenen partiellen Prothese diente, angefügt (Abbildung 1 [Abb. 1], Abbildung 2 [Abb. 2]). Der Gaumenauflageteil wurde logopädisch funktionskontrolliert aufgebaut. Es erfolgte ein schrittweiser Materialauftrag.

Ergebnisse

Die anfängliche sprachliche Unverständlichkeit konnte mit Hilfe der Gaumensegelorthese durch logopädische Therapie allmählich verbessert werden. Sowohl in einzelnen Stimm- und Sprachparametern als auch in der Spontansprache konnten Fortschritte erzielt werden. Die Adaptationszeiten betrugen bis zu 3 Monaten. Ein Patient trägt die Orthese nicht bei körperlicher Anstrengung, da er dann über Atembeschwerden klagt. Beim Tragen verbesserte sich die Artikulationsdeutlichkeit und damit die Verständlichkeit, so dass der Patient nicht auf die Orthese beim Sprechen verzichten möchte. Ein anderer Patient klagte trotz mehrmaliger Nachanpassung über starken Würgreflex und Druckprobleme. Der Zungentonus wurde erhöht. Er lehnte schließlich die Prothese ab. Ein weiterer Patient lehnte ebenfalls die Prothese vollständig nach Anpassung ab.

Diskussion

Die Gaumensegelorthese erfordert einen guten Zustand eines umfangreichen Restgebisses (Zahnpflege, Belagfreiheit, Hebelverhältnisse), um gut befestigt, verankert und gehalten zu werden. Das Kieferwachstum muss abgeschlossen sein. Die Tolerierbarkeit ist abhängig von der Ausprägung der Sensibilität des Trägers im Gaumenrachenbereich. Die Herstellung der Gaumensegelorthese ist zeitaufwendig, da die Herstellung einen funktionsbezogenen, schrittweisen Materialauftrag erfordert. Der Betroffene muss sich allmählich an die Orthese gewöhnen. Die Fortschritte sind vom Grad der Störung und dem Bestehen weiterer Funktionsbeeinträchtigungen abhängig.

Schlussfolgerungen

Da ein ausreichender velopharyngealer Abschluss eine wesentliche Voraussetzung zur Wiederherstellung sprechmotorischer Fähigkeiten ist, sollte die Anpassung einer Gaumensegelorthese so früh wie möglich erfolgen. Diese kann als temporär (mittelfristig) wirksame Betreuungsmaßnahme betrachtet werden. Sie erfordert eine gute Kooperation des Betroffenen.


Literatur

1.
Hongama S, Ishikawa M, Kawano F, Ichikawa T. Complete denture with a removable palatal lift prosthesis: a case report and clinical evaluation. Quintessence Int. 2002;33(9):675-8.
2.
Light J, Edelman SB, Alba A. The dental prothesis used for intraoral muscle therapy in the rehabilition of the stroke patient. A preliminary research study. N Y State Dent J. 2001;67(5):22-7.
3.
Tachimura T, Kotani Y, Wada T. Nasalance Score in wearers of a palatae lift prothesis in comparison with normative data for Japanese. Cleft Palate Craniofac J. 2004;41(3):315-9.