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23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

15. - 17.09.2006, Heidelberg

Ein Vergleich von Autofluoreszenzendoskopie, optischer Kohärenztomographie und Histologie zur Diagnostik von Stimmlippenveränderungen

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Michael Raap - Universität zu Lübeck, Abt. für Phoniatrie and Pädaudiologie, Lübeck, Deutschland
  • author Konrad Sommer - Universität zu Lübeck, Klinik für HNO-Heilkunde, Lübeck, Deutschland
  • author Eva Lankenau - Universität zu Lübeck, Institut für Biomedizinische Optik, Lübeck, Deutschland
  • author Gereon Hüttmann - Universität zu Lübeck, Institut für Biomedizinische Optik, Lübeck, Deutschland
  • author Christoph Thorns - Universität zu Lübeck, Institut für Pathologie, Lübeck, Deutschland
  • author Rainer Schönweiler - Universität zu Lübeck, Abt. für Phoniatrie and Pädaudiologie, Lübeck, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Heidelberg, 15.-17.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgppV47

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2006/06dgpp70.shtml

Veröffentlicht: 5. September 2006

© 2006 Raap et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Mit der Autofluoreszenzendoskopie (AF) und der Optischen Kohärenztomographie (OCT) können verschiedene pathologische Stimmlippenbefunde visuell unterschieden werden. Bei der Autofluoreszenz wird eine Abschwächung der grünen Autofluoreszenz ausgewertet. Bei der OCT wird reflektiertes infrarotes Licht als zweidimensionales Tiefenschnittbild dargestellt und verspricht Rückschlüsse auf den Zustand der Basalmembran und der Mukosa. Beide Methoden wurden bisher noch nicht hinsichtlich optisch erkennbarer Unterschiede bei verschiedenen histologischen Stimmlippenveränderungen verglichen.

Methoden: Es wurden die optischen und histologischen Daten von 40 Patienten ausgewertet. Die AF wurde präoperativ zusammen mit der Lupenlaryngoskopie durchgeführt. Die OCT erfolgte zusammen mit der mikrolaryngoskopischen Abtragung der Befunde.

Ergebnisse: 22 Patienten wiesen histologisch maligne oder prämaligne Befunde auf und 18 benigne Befunde. Bei der AF waren 8 Befunde falsch positiv und bei der OCT nur ein Befund. Bei den malignen und prämalignen Befunden konnte mit der OCT in allen Fällen zwischen Dysplasie und invasivem Karzinom unterschieden werden. Mit der Autofluoreszenz war eine Unterscheidung nicht möglich.

Schlussfolgerung: Die OCT eignet sich zur visuellen Beurteilung von Larynxbefunden besser als die AF, da sich Entzündungen, Epitheldysplasien, und invasive Karzinome voneinander unterscheiden lassen.


Text

Einleitung

Für eine nicht-invasive optische Abklärung von verschiedenen pathologischen Stimmlippenbefunden kommen zunehmend die Autofluoreszenz oder die Optische Kohärenztomographie (OCT, optical coherence tomography) in Betracht. Das Prinzip der Autofluoreszenz besteht darin, dass im gesunden Plattenepithel Kollagene und andere Fluophore unter Anregung mit ultraviolettem Licht sichtbares Licht aussenden, ohne zuvor eine chemische Substanz verabreichen zu müssen [1], [2]. Sowohl bei benignen als auch malignen Gewebeveränderungen kommt es zu einer Abschwächung oder Aufhebung der grünen Autofluoreszenz, welche dann visuell bewertet oder quantitativ ausgewertet wird. Bei der OCT wird reflektiertes infrarotes Licht als zweidimensionales Tiefenschnittbild dargestellt und verspricht Rückschlüsse auf den Zustand der Basalmembran und der Mukosa. Beide Methoden wurden bisher noch nicht hinsichtlich optisch erkennbarer Unterschiede bei verschiedenen histologischen Stimmlippenveränderungen verglichen.

Methode

Es wurden die optischen und histologischen Daten von 40 Patienten mit benignen und malignen Larynxbefunden ausgewertet. Präoperativ wurden bei den Patienten im Rahmen der lupenlaryngoskopischen Untersuchung verlustfreie digitale Fotoaufnahmen mit Weißlicht und gefiltertem Blau-Violett-Licht mit einer Wellenlänge von 380-440 nm angefertigt. Im Rahmen der nachfolgenden Mikrolaryngoskopie wurden die OCT-Messung durchgeführt und Biopsien entnommen, die histologisch aufgearbeitet wurden. Anschließend wurden die histologischen Schnitte mit den Aufnahmen der OCT und der Autofluoreszenz subjektiv bzw. visuell hinsichtlich erkennbarer Normabweichungen verglichen.

Ergebnisse

Abbildung 1 [Abb. 1] zeigt beispielhaft die Befunde einer aufgehobenen Autofluoreszenz; ein invasives Wachstum erschien nicht ausgeschlossen. Die OCT und die histologische Untersuchung bestätigte das invasive Wachstum eines Plattenepithelkarzinoms. Abbildung 2 [Abb. 2] zeigt ein anderes Beispiel mit aufgehobener Autofluoreszenz, wobei es sich aber histologisch nur um eine Epithelhyperplasie mit intakter Basalmembran handelte, die durch das OCT-Bild korrekt vorher gesagt wurde.

22 Patienten wiesen histologisch maligne oder prämaligne Befunde (im Sinne von Plattenepitheldysplasien) auf und 18 benigne Befunde, wie zum Beispiel Plattenepithelhyperplasien, Stimmlippenpolypen, Reinke-Ödeme oder chronische Laryngitiden. Bei der Autofluoreszenz waren acht Befunde falsch positiv im Gegensatz zur OCT mit nur einem Befund. Bei den malignen und prämalignen Befunden konnte mit der OCT in allen Fällen zwischen Dysplasie und invasivem Karzinom unterschieden werden. Mit der Autofluoreszenz war keine sichere Differenzierung möglich.

Diskussion

Phoniater und Pädaudiologen sind in die Früherkennung von malignen Stimmlippenveränderungen eingebunden, stellen die Indikation für operative Abtragungen und sind für die postoperative Stimmrehabilitation verantwortlich. Eine möglichst genaue präoperative Vorhersage einer Malignität kann unter Umständen vor dauerhaften Heiserkeiten schützen. Es hat sich herausgestellt, dass mit Autofluoreszenzmethoden eine Differenzierung zwischen entzündlichen Veränderungen oder narbigen Prozessen, zum Beispiel nach Laser-Chordektomien sowie zwischen dysplatischen oder malignen Veränderungen nicht sicher möglich ist. Daher ist mit einem hohen Anteil falsch positiver Befunde zu rechnen. Der Vorteil der Autofluoreszenzendoskopie liegt in einer einfachen Durchführbarkeit und Handhabung und problemlosen Integration in die lupenlaryngoskopische Untersuchung. Mit der OCT hingegen kann besser zwischen invasiv malignen Prozessen und benignen Veränderungen unterschieden werden, da die Intaktheit der Basalmembran als wichtigstes Beurteilungskriterium bildlich dargestellt wird. Der Nachteil der OCT besteht gegenwärtig darin, dass sie nur in Vollnarkose im Rahmen der Mikrolaryngoskopie durchführbar ist. Es wird aber an der Entwicklung kleinerer Optiken gearbeitet, mit denen die Untersuchung in Lokalanästhesie durchführbar wäre [3].

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt eignet sich die OCT zur visuellen Beurteilung von Larynxbefunden besser als die Autofluoreszenz, da sich Entzündungen, Epitehldysplasien und invasive Prozesse voneinander unterscheiden lassen.


Literatur

1.
Arens C, Dreyer T, Glanz H, Malzahn K. Indirect autofluorescence laryngoscopy in the diagnosis of laryngeal cancer and ist precursor lesions. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2004;261:71-6.
2.
Arens C, Malzahn K, Dias O, Andrea M, Glanz H. Endoskopische bildgebende Verfahren in der Diagnostik des Kehlkopfkarzinoms und seiner Vorstufen. Laryngo-Rhino-Otologie. 1999;78:685-91.
3.
Lüerßen K, Lubatschowski H, Ptok M. Optische Charakterisierung von Stimmbändern mittels OCT. In: Gross M, Kruse E. Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 2004/2005. Band 12. Niebüll: Videel; 2004. p. 104-7.