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23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

15. - 17.09.2006, Heidelberg

Münchner Auditiver Screeningtest für Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (MAUS) – Untersuchungen zur Kriteriumsvalidität

Poster

  • corresponding author presenting/speaker Christina Heuckmann - Kinderzentrum München, Institut für Soziale Pädiatrie, Abtg. Phoniatrie und Audiologie, München, Deutschland
  • author Claudia Massinger - Kinderzentrum München, Institut für Soziale Pädiatrie, Abtg. Phoniatrie und Audiologie, München, Deutschland
  • author Thorsten Burger - ICF der Universitätsklinik, Freiburg, Deutschland
  • author Silke Kunze - Kinderzentrum München, Institut für Soziale Pädiatrie, Abtg. Phoniatrie und Audiologie, München, Deutschland
  • author Andreas Nickisch - Kinderzentrum München, Institut für Soziale Pädiatrie, Abtg. Phoniatrie und Audiologie, München, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Heidelberg, 15.-17.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgppP02

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2006/06dgpp08.shtml

Veröffentlicht: 5. September 2006

© 2006 Heuckmann et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Zusammenfassung

Hintergrund: Im Jahr 2005 wurde der an 359 Münchner Grundschulkindern normierte MAUS-Test auf seine Retest-Reliabilität geprüft.

Methode: An einer Stichprobe von 132 Grundschülern [Alter 6-12 Jahre; MW: 9,5; 80 Kinder mit und 52 ohne Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)] wurden die Sensitivität und die Spezifität von MAUS untersucht.

Innerhalb dieser Stichprobe wurden 50 Kinder mit AVWS und 50 ohne AVWS bezüglich des Alters gematched und auf Gruppendifferenzen bzgl. nonverbalem IQ sowie des MAUS-Gesamtscores und dessen Subgruppen untersucht.

Ergebnisse: Auf Grund der Kreuztabellen ergaben sich eine Sensitivität des MAUS von 96,25% für AVWS und eine Spezifität von 73,08%. Bezüglich der IQ-Werte zeigten sich bei den altersgematchten Kindern keine Gruppendifferenzen zwischen AVWS- und Kontrollgruppe. Für den MAUS-Gesamtscore fand sich die AVWS-Gruppe hochsignifikant schlechter im Vergleich zur Kontrollgruppe (t=6,82; p<0,0001), ebenso bezüglich der Subgruppen.

Diskussion: Die Sensitivitätswerte liegen bei der inzwischen deutlich höheren Fallzahl im Zielerwartungsbereich. Die Ergebnisse zur Validiätsprüfung sprechen für das Vorliegen einer zufriedenstellenden Kriteriumsvalidität dieses Instruments.


Text

Einleitung

Im Jahr 2004 wurde der Münchner Auditive Screeningtest für Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (MAUS) entwickelt und an 356 Münchner Grundschülern normiert [1], [2], [3]. Der Test beinhaltet folgende Untertests: Sinnlossilbenfolgen, Wörter im Störgeräusch, Phonemdifferenzierung und Phonemidentifikation. Nachdem bereits die Retest-Reliabilität und Sensitivität eingeschätzt wurden [4], sollten nun die Sensitivität an einer größeren Patientengruppe untersucht und die Kriteriumsvalidiät geprüft werden.

Methode

a) Sensitivität

An einer Stichprobe von 132 Münchner Grundschulkindern (90 Jungen, 42 Mädchen) im Alter von 6-12 Jahren (Mittelwert 9,5 Jahre, Standardabweichung 1,25 Jahre) wurden die Sensitivität und Spezifität von MAUS untersucht.

Bei allen Kindern war das periphere Hörvermögen beidseits unauffällig und die non-verbale Intelligenztestleistung lag über 85. Die Diagnose der AVWS erfolgte nach den bereits publizierten Kriterien [5].

Bei 80 Kindern ergab die Diagnostik eine Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS), bei 52 lag keine AVWS vor.

Die statistischen Auswertungen erfolgten jeweils mit SPSS 13.0 für Windows.

b) Kriteriumsvalidität

Innerhalb dieser Stichprobe wurden 50 Kinder mit AVWS und 50 ohne AVWS bezüglich des Alters gematched und auf Gruppendifferenzen bezüglich des nonverbalen IQ sowie des MAUS-Gesamtscores und dessen Subgruppen untersucht. Die statistischen Auswertungen erfolgten jeweils mit SPSS 13.0 für Windows.

Ergebnisse

a) Sensitivität

Auf Grund der Vierfeldertafel (Tabelle 1 [Tab. 1]) lässt sich die Sensitivität für den MAUS auf 96,25% (95%-Konfidenzintervall: 86%-99%) schätzen. Aussagekräftige Rückschlüsse auf die Spezifität können derzeit noch nicht gezogen werden, da es sich bei den untersuchten Kindern um eine Inanspruchnahmepopulation der pädaudiologischen Abteilung des Kinderzentrums München handelte.

b) Kriteriumsvalidität

Die nach dem Lebensalter gematchten Kinder waren 6-11 Jahre alt (Mittelwert 9,46 Jahre; Standardabweichung 1,25 Jahre; 66 Jungen, 34 Mädchen). Der mit verschiedenen Verfahren (HAWIK-R, K-ABC) ermittelte nonverbale IQ lag zwischen 85-115 (Mittelwert 95,8; Standardabweichung 8,1).

Bezüglich der IQ-Werte zeigten sich bei den altersgematchten Kindern keine Gruppendifferenzen zwischen AVWS und Kontrollgruppe (Tabelle 2 [Tab. 2]). Für den MAUS-Gesamtscore fand sich die Gruppendifferenz jedoch hochsignifikant (p<0,0001), ebenso für dessen Subtests Sinnlossilbenfolgen, Identifikation und Differenzierung mit jeweils p≤0,001 und dem Subtest Wörter im Störgeräusch mit p<0,005 (Tabelle 2 [Tab. 2]).

Diskussion

Die Sensitivitätswerte für MAUS liegen mit 96,25% bei der inzwischen deutlich höheren Fallzahl (n=80) im Zielerwartungsbereich. Es ist zu beachten, dass MAUS ein Screeninginstrument darstellt und nicht zulässt, die Diagnose einer AVWS allein auf Grund der Testergebnisse aus dem MAUS zu stellen. Zur Diagnose und Differenzialdiagnose einer AVWS sind umfangreiche pädaudiologische Testkombinationen notwendig sowie ggf. interdisziplinäre Überlegungen.

Die Ergebnisse zur Validitätsprüfung des MAUS zeigten Hinweise auf das Vorliegen einer günstigen Kriteriumsvalidität dieses Instruments.

Allerdings muss angemerkt werden, dass durch den fehlenden Goldstandard für Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen die Beurteilung der Validität nur eingeschränkt möglich ist. Durch die hohen Korrelationen der Subtests des MAUS und den jeweiligen Ursprungstests [3] als „Außenkriterien“ wird die Annahme einer günstigen Kriteriumsvalidität des MAUS zusätzlich gestützt. Auf Grund der Vorüberlegungen und der Vorstudie [1], [3] trifft dies auch auf die Inhaltsvalidität zu, wenngleich sich die Inhaltsvalidität bei dem Konstrukt „AVWS“ nur schwer fassen lässt.


Literatur

1.
Nickisch A, Heuckmann C, Burger T. Münchner Auditiver Screeningtest für Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen. Audiometrie Disk 23 mit Handbuch. Wertingen: Westra Elektroakustik; 2004.
2.
Nickisch A, Heuckmann C, Burger T. Münchner Auditiver Screeningtest für Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (MAUS). 2004. In: 21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP. Freiburg/Breisgau, 10.-12.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc 04dgppV29. http://www.egms.de/en/meetings/dgpp2004/04dgpp55.shtml.
3.
Nickisch A, Heuckmann C, Burger T, Massinger C. Münchner Auditiver Screeningtest für Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (MAUS). Laryngo-Rhino-Otologie. 2006;85:253-9.
4.
Heuckmann C, Massinger C, Burger T, Nickisch A. Münchner Auditiver Screeningtest für Verarbeitungs-und Wahrnehmungsstörungen (MAUS) - Retest-Reliabilität und Sensivität. In: 100 Jahre Phoniatrie in Deutschland. 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie, 24. Kongress der Union der Europäischen Phoniater. Berlin, 16.-18.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc 05dgppP24. http://www.egms.de/en/meetings/dgpp2005/05dgpp074.shtml
5.
Nickisch A, Oberle D. Analyse von Testprofilen bei auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen. In: Kruse E, Gross M, (Hrsg). Aktuelle phoniatrisch-pädaudiogische Aspekte 2002/2003. Heidelberg: Median-Verlag; 2002. S. 327-31