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23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

15. - 17.09.2006, Heidelberg

Der Einfluss des Stimulationsorts auf Amplituden und Latenzen der EABR-Wellen bei erwachsenen Cochlea-Implantat-Trägern

EABR Pattern in CI patients varies according to the site of stimulation electrode

Vortrag

  • corresponding author presenting/speaker Wafaa Shehata-Dieler - HNO Klinik der Univ. Würzburg, Würzburg, Deutschland
  • Christiane Völter - HNO Klinik der Univ. Würzburg, Würzburg, Deutschland
  • Sibylle Brosch - HNO Klinik der Univ. Würzburg, Würzburg, Deutschland
  • Joachim Müller - HNO Klinik der Univ. Würzburg, Würzburg, Deutschland
  • Jan Helms - HNO Klinik der Univ. Würzburg, Würzburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Heidelberg, 15.-17.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgppV05

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2006/06dgpp06.shtml

Veröffentlicht: 5. September 2006

© 2006 Shehata-Dieler et al.
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Zusammenfassung

Die Ableitung elektrisch evozierter Hirnstammpotentiale (EABR) erlaubt objektive Aussagen über den Funktionszustand der neuralen Strukturen in der Cochlea. Sie eröffnet die Möglichkeit, durch Stimulation einzelner, räumlich getrennter Elektroden die Ortsabhängigkeit der neuralen Antworten zu erfassen.

In dieser Arbeit wurden bei 18 Erwachsenen CI Trägern die EABRs nach selektiver Stimulation verschiedene Regionen der Cochlea abgeleitet. Die Ableitungen wurden mit einem Viking III System durchgeführt. Die Amplituden und Latenzen der EABR Antworten wurden für unterschiedliche Elektroden des Med-El Combi 40+ gemessen. Die Ergebnisse für die apikale, mittlere und basale Elektrodenlage, wurden miteinander verglichen und einer Regressionsanalyse unterzogen. Ergänzend wurde der Einfluss unterschiedlicher Reizraten und Reizdauern untersucht.

In 3 Patienten wurden keine auswertbaren Reizantworten erhalten. Die übrigen Probanden zeigten gute Reizantworten. Mit zunehmende Reizintensität nahmen die EABR Amplituden deutlich zu und die Latenzen leicht ab. EABRs nach Stimulation apikalen Elekrtoden zeigten deutlicher ausgeprägtere Antworten als die der basalen Elektroden. Die Unterschiede waren signifikant.

Die Bedeutung dieser Ergebnisse im Hinblick auf den Nutzen einer Stimulation neuraler Strukturen in der Spitze der Cochlea wird diskutiert.


Text

Einleitung

Die Ableitung elektrisch evozierter Hirnstammpotentiale (EABR) erlaubt objektive Aussagen über den Funktionszustand der neuralen Strukturen in der Cochlea. Die Stimulation einzelner, räumlich getrennter Elektodenabschnitte, eröffnet die Möglichkeit, die Ortsabhängigkeit der neuralen Antworten zu erfassen.

Material und Methodik

Dazu wurden in dieser Arbeit bei 25 erwachsenen CI Trägern die EABRs nach selektiver Stimulation verschiedener Regionen der Cochlea abgeleitet. Das Implantationsalter lag zwischen 20 und 72 Jahren, mit einem Durchschnittsalter von 46,1 ± 15,3 Jahren. Knapp zwei Drittel (64%) der Probanden waren männlich, 36 % weiblich. Alle Patienten hatten eine Implantationserfahrung von mindestens 2 Jahren. Die Dauer der Ertaubung vor der Implantation reichte von einem bis 66,1 Jahre. Die Ableitungen wurden mit einem Viking III System durchgeführt. Für die Elektrostimulation mit biphasischen Rechteckimpulsen wurde eine Impulsbreite von insgesamt 52,4 µs via DIB (Diagnostic Interface Box, MED-EL) gewählt. Die Impulsfolgefrequenz betrug 11,1 Hz. Das Viking System wurde von der DIB über ein Triggerkabel synchronisiert. Die Amplituden und Latenzen der EABR Antworten der apikalen, mittleren und basalen Elektroden des Med-El Combi 40+ sind getrennt ermittelt worden. Wellenmorphologie, Wellenlatenzen und Amplituden wurden verglichen und einer Regressionsanalyse unterzogen. Ergänzend wurde der Einfluss unterschiedlicher Reizraten (23, 46 und 93 Hz) und Reizdauern (52,4 und 106,0 µs) untersucht.

Ergebnisse

Bei 6 Patienten haben wir keine auswertbaren Reizantworten erhalten. Die übrigen 19 Probanden zeigten gute Reizantworten. Mit zunehmender Reizintensität nahmen die EABR Amplituden deutlich zu, die Latenzen leicht ab. EABRs nach Stimulation der apikalen Elektroden zeigten sehr viel ausgeprägtere Antworten als die der basalen Elektroden. Diese Unterschiede waren signifikant. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte eine bessere Ankopplung der elektrischen Reize an die neuralen Strukturen im engeren, apikalen Anteil der Cochlea sein. Möglicherweise verfügen die tieffrequenten Anteile der Hörschnecke aber auch insgesamt über eine höhere Gangliendichte. Die Amplitudenunterschiede zwischen den basalen und apikalen Elektroden waren auch bei unterschiedlichen Reizraten und Intensitäten vorhanden.

Fazit

Zusammenfassend führte die Stimulation apikaler Elektroden in dieser Untersuchung zu deutlich ausgeprägteren EABR-Antworten als die Stimulation der basalen Elektroden. Demnach findet auch im Apex der Cochlea eine effektive und synchrone Stimulation der neuronalen Strukturen statt, welche für das Hören bzw. die Sprachdiskrimination genützt werden kann. Zusammen mit den Befunden psychoakustischer Untersuchungen (u.a. [1]) sprechen unsere Ergebnisse für die große Bedeutung der Nutzung neuronaler Strukturen im Apex der Cochlea, welche nur durch eine tiefe Elektrodeninsertion erreicht werden kann.


Literatur

1.
Baskent D, Shannon RV. Interactions between cochlear implant electrode insertion depth and frequency-place mapping. J Acoust Soc Am. 2005;117:1405-16.