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23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

15. - 17.09.2006, Heidelberg

Entwicklungen im Bereich der kindlichen CI-Versorgung: Erfahrungen am Sächsischen Cochlear Implant Centrum Dresden

Developments of the cochlear implant concept in pediatric patients: experiences at the Saxonian Cochlear Implant Center Dresden

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Dirk Mürbe - Sächsisches Cochlear Implant Centrum Dresden, Dresden, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 23. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Heidelberg, 15.-17.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgppV03

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2006/06dgpp04.shtml

Veröffentlicht: 5. September 2006

© 2006 Mürbe.
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Zusammenfassung

Die CI-Versorgung von Kindern mit beidseitiger Taubheit oder an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit hat sich als Standardversorgung etabliert. Mit zunehmender Erfahrung in den Bereichen Indikation, operatives Vorgehen und Rehabilitation sowie der kontinuierlichen Verbesserung der Implantatsysteme haben Art und zeitlicher Ablauf des Versorgungsweges in den letzten Jahren spezifische Veränderungen erfahren.

In einer retrospektiven Analyse der am Sächsischen Cochlear Implant Centrum (SCIC) betreuten pädaudiologischen Patienten sollten grundlegende Aspekte der CI-Versorgung untersucht werden, wobei Indikationsstellung, operative Versorgung, Implantationsalter sowie uni- bzw. bilaterale Implantation einbezogen wurden.

Das SCIC verfügt über Erfahrungen der CI-Versorgung von 115 pädaudiologischen Patienten. 21 Kinder konnten bilateral implantiert werden, zum Teil mit simultanem Versorgungsweg. Im Beobachtungszeitraum von 10 Jahren sank das Alter bei Indikationsstellung zur CI-Versorgung deutlich, die Sprachkompetenz und schulische Integration der Kinder konnte verbessert werden.

Die Ergebnisse belegen die exzellenten Erfolgsaussichten nach Cochlea Implantation und spezifizieren die mit zunehmender klinischer Erfahrung und Weiterentwicklung der Implantate einhergehenden Veränderungen der verschiedenen Stufen der CI-Versorgung.


Text

Einleitung

Bei Kindern mit beidseitiger Taubheit oder an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit hat sich die Cochlea-Implantation als Regelversorgung etabliert. Dabei erfolgt nach standardisierter pädaudiologischer Diagnostik die uni- oder bilaterale operative Versorgung, an welche sich eine spezifische Hör- und Sprachrehabilitation anschließt [1], [2]. Diese wird am Sächsischen Cochlear Implant Centrum (SCIC) in stationären Therapiesegmenten angeboten, wobei entsprechend den Richtlinien der zuständigen Fachgesellschaften die pädaudiologische, hörpädagogische, logopädische und psychologische Betreuung der kleinen Patienten sowie die audiologisch-ingenieurtechnische Einstellung des Sprachprozessors die Schwerpunkte der Behandlung bilden. Der Rehabilitationsumfang für pädaudiologische Patienten, der in einem Versorgungsvertrag zwischen dem SCIC und den Leistungsträgern festgelegt ist, beträgt für Kinder unter 6 Jahren 60 Behandlungstage im Zeitraum von 36 Monaten, für Kinder älter als 6 Jahre 40 Behandlungstage im Zeitraum von 24 Monaten.

Mit zunehmender Erfahrung in den Bereichen Indikation, operatives Vorgehen und Rehabilitation sowie der kontinuierlichen Verbesserung der Implantatsysteme haben Art und zeitlicher Ablauf des Versorgungsweges in den letzten Jahren spezifische Veränderungen erfahren.

Methode

In einer retrospektiven Analyse von Datensätzen der am SCIC betreuten pädaudiologischen Patienten sollen grundlegende Aspekte der CI-Versorgung untersucht werden, welche unter anderem Indikationsstellung, Implantationsalter, operative Aspekte sowie uni- bzw. bilaterale Implantation einschließen.

Ergebnisse und Diskussion

Das SCIC verfügt über Erfahrungen der CI-Versorgung von 115 pädaudiologischen Patienten, wobei das jüngste implantierte Kind zum Operationszeitpunkt 10 Monate alt war. Ungefähr die Hälfte aller am SCIC implantierten Patienten sind Kinder (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Im Beobachtungszeitraum von 1995 bis 2005 sank das Alter der kindlichen Patienten bei Erstversorgung mit einem CI deutlich. Bei Betrachtung aller Patienten, die bei Erstversorgung mit einem CI das sechste Lebensjahr noch nicht abgeschlossen hatten, reduzierte sich der Gruppenmittelwert aller im jeweiligen Kalenderjahr operierten Patienten von 50,3 Monate (1995) auf 27,3 Monate (2005) (Abbildung 2 [Abb. 2]). Bei dieser Darstellung ist zu beachten, dass nicht nur die Kinder in die Berechnung eingeschlossen wurden, die nach erfolglosem Hörgeräte-Trageversuch von 3 – 6 Monaten implantiert wurden. Einbezogen sind auch jene Kinder, die über Monate bis Jahre zunächst erfolgreich mit Hörgeräten versorgt waren, dann aber eine Stagnation der Hör- und Sprachentwicklung vorwiesen.

Entsprechend den audiologischen Befunden und den Kenndaten der Hör- und Sprachentwicklung werden am SCIC seit 1999 auch bilaterale Implantationen vorgenommen, wobei ca. ein Fünftel aller kindlichen Patienten beidseitig mit CI‘s versorgt wurde. Zum Teil werden dabei jene Kinder im sequentiellen Operationsmodus mit einem zweiten Implantat versorgt, die zunächst nur unilateral ein CI erhielten. Seit 2004 werden in Abhängigkeit der individuellen Befunde auch simultane bilaterale Operationen vorgenommen, wobei auf diesem Weg bislang 6 Patienten versorgt wurden.

Nach Rehabilitationsbehandlung spiegelt sich die mit dem CI erreichte Hör- und Sprachkompetenz unter anderem in Daten zur integrativen Situation der Kinder im Kindergarten- und Schulbereich wider: 5 Kinder besuchen den Sonderkindergarten, 59 Kinder konnten im Regelkindergarten betreut werden. 30 Kinder und Jugendliche besuchen die Regelschule, 44 Kinder und Jugendliche sind in einer Schwerhörigenklasse eingeschult. 3 Kinder besuchen die Gehörlosenklasse. Bezüglich der Berufsbildung konnten 20 Jugendliche in das Berufsbildungswerk integriert werden.

Die vorliegenden Daten beschreiben spezifische Veränderungen aufgrund der Weiterentwicklung der verschiedenen Stufen der CI-Versorgung. Sie belegen, dass sich die intensiven Bemühungen um frühzeitige Diagnostik und Therapie kindlicher Schwerhörigkeit durch Neugeborenen-Hörscreening und Verfügbarkeit pädaudiologischer Fachkompetenz auszahlen und in für die Hör- und Sprachentwicklung relevanten Aspekten, wie der Verringerung des Implantationsalters, widerspiegeln.


Literatur

1.
Lamprecht-Dinnesen A, Sick U, Sandrieser P et al. Test set for the evaluation of hearing and speech development after cochlear implantation in children. Laryngorhinootol. 2002;81:690-5.
2.
Laszig R, Aschendorff A, Schipper J, Klenzner T. Current developments in cochlear implantation. HNO. 2004;52:357-62.