gms | German Medical Science

100 Jahre Phoniatrie in Deutschland
22. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie
24. Kongress der Union Europäischer Phoniater

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

16. bis 18.09.2005, Berlin

Vergleichende Anatomie des N. recurrens bei Mensch und Schwein

A comparative anatomical study of the recurrent nerve in human and pig

Vortrag

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  • corresponding author presenting/speaker Rolf Schiel - Universitätsklinikum Göttingen, Phoniatrie/Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland
  • author Arno Olthoff - Universitätsklinikum Göttingen, Phoniatrie/Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland
  • author Eberhard Kruse - Universitätsklinikum Göttingen, Phoniatrie/Pädaudiologie, Göttingen, Deutschland

100 Jahre Phoniatrie in Deutschland. 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie, 24. Kongress der Union der Europäischen Phoniater. Berlin, 16.-18.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgppV46

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2005/05dgpp098.shtml

Veröffentlicht: 15. September 2005

© 2005 Schiel et al.
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Zusammenfassung

Einleitung: Ziel dieser Untersuchung war die vergleichende anatomische Darstellung des Verlaufes und der Aufteilung des N. recurrens bei Mensch und Schwein.

Methode: Der N. recurrens wurde beim humanen und suinen Kehlkopf operationsmikroskopisch präpariert und mit gelbem Acryllack markiert.

Ergebnisse: Es zeigte sich eine Übereinstimmung im Verlauf des N. recurrens mit Ausbildung einer extralaryngealen Anastomose (Ansa Galeni) zum Ramus internus des N. laryngeus superior und übereinstimmed Abgänge von kurzen Ästen extralaryngeal zum M. cricoarytaenoideus posterior sowie eine intralaryngeale Aufteilung in einen Ramus anterior (versorgt den M. cricoarytaenoideus lateralis sowie den M. thyroarytaenoideus) und einen Ramus posterior (versorgt den M. interarytaenoideus) bei Mensch und Schwein.

Diskussion: Aufgrund des analogen Nervenverlaufes des N. recurrens erscheint uns das Schwein als Tiermodell für Untersuchungen der laryngealen Innervation geeignet.


Text

Einleitung

Beim Menschen innerviert der N. recurrens die laterale Kehlkopfmuskulatur (M. cricoarytaenoideus lateralis und M. thyroarytaenoideus) sowie die dorsale Kehlkopfmuskulatur ( M. cricoarytaenoideus posterior und M. interarytaenoideus), während die ventrale Kehlkopfmuskulatur (M.cricothyroideus) vom Ramus externus des N. laryngeus superior versorgt wird [1], [2], [3], [4].

Anatomische Untersuchungen am suinen Kehlkopf zeigen eine Übereinstimmung im Verlauf der Kehlkopfmuskeln bei Mensch und Schwein sowie deren Innervation durch den N. recurrens und den Ramus externus des N. laryngeus superior [5].

Ziel dieser Untersuchung war die vergleichende anatomische Darstellung des Verlaufes und insbesondere der Aufteilung des N. recurrens bei Mensch und Schwein.

Methode

An humanen und suinen Kehlköpfen (fixiert in 4% Formalin) wurde der N. recurrens mit seinen ventralen und dorsalen Ästen operationsmikroskopisch (Fa. Zeiss, Jena) unter Verwendung ohrmikrochirurgischen Instrumentariums präpariert und mit gelbem Acryllack markiert.

Ergebnisse

Nach Abgang der Ansa Galeni (Anastomose mit dem Ramus internus des N. laryngeus superior) gibt der Hauptstamm des N. recurrens bei Mensch und Schwein extralaryngeal ein bis zwei kurze Äste zum M. cricoarytaenoideus posterior ab. Intralaryngeal teilt sich der Hauptstamm des N. recurrens bei Mensch und Schwein übereinstimmend oberhalb des Cricothyroidgelenkes in einen Ramus anterior und in einen Ramus posterior.

Der Ramus anterior versorgt den M. cricoarytaenoideus lateralis sowie den M. thyroarytaenoideus. Der Ramus posterior verläuft in beiden Fällen unterhalb des M. cricoarytaenoideus posterior auf der Ringknorpelplatte nach kranial. Sowohl beim Mensch als auch beim Schwein fanden wir eine bilateralsymmetrische Versorgung des unpaaren M. interarytaenoideus ohne Überschreitung der Mittellinie (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Diskussion

In Übereinstimmung mit Knight et al. [5] fanden wir beim suinen Kehlkopf nach Abgabe kurzer extralaryngealer Muskeläste zum M. cricoarytaenoideus posterior eine intralaryngeale Aufteilung des Hauptstammes des N. recurrens. Neben dem auch von Knight et al. [5] dargestellten Ramus anterior konnte in unseren Präparationen auch der Ramus posterior beim Schwein dargestellt werden. Während in den Präparationen von Knight et al. die Ansa Galeni von einem Ast des Ramus anterior gebildet wird, fanden wir in unseren Präparaten eine Anastomosierung zwischen dem Hauptstamm des N. recurrens und dem Ramus internus des N. laryngeus superior. Dieser Verlauf stimmt mit der Ansa Galeni des Menschen überein.

Aufgrund der analogen Topographie der Kehlkopfmuskeln, des analogen Nervenverlaufes des N. recurrens mit Ansa Galeni, Ramus anterior und Ramus posterior sowie ähnlicher Größenverhältnisse erscheint uns das Schwein als Tiermodell für Untersuchungen der laryngealen Innervation geeignet.


Literatur

1.
Lang J, Fischer K, Nachbaur S, Meuer HW (1986) Über den Verlauf und die Zweige des N. laryngeus recurrens, der A. thyreoidea inferior und der A. laryngea inferior. Gegenbaurs morph Jahrb 132:617-643
2.
Lang J, Nachbaur S, Fischer K (1986) Nn. Laryngei, Verzweigungen im Kehlkopfinneren. Gegenbaurs morph Jahrb 132:723-736
3.
Schiel R, Olthoff A, Kruse E (2004) Untersuchungen zur Anatomie des Ramus posterior des Nervus recurrens und seiner Beziehung zum Musculus interarytaenoideus. Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 12:18-20
4.
Olthoff A, Kruse E (2004) Peripher-motorische Innervation des Larynx. Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 12:52-59
5.
Knight MJ, McDonald SE, Birchall MA (2004) Intrinsic muscles and distribution of the recurrent laryngeal nerve in the pig larynx. Europ Arch Oto-Rhino-Laryngol 20 August:online 10.1007/s00405-004-0803-3