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21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie

10. bis 12.09.2004, Freiburg/Breisgau

Laryngoskopische Befunde nach einem Tubusbrand bei der Laserchirurgie

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  • author presenting/speaker Götz Schade - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde, Hamburg, Deutschland
  • author Wolfgang Wöllmer - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde, Hamburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 21. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP. Freiburg/Breisgau, 10.-12.09.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgppP05

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2004/04dgpp20.shtml

Veröffentlicht: 9. September 2004

© 2004 Schade et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Zusammenfassung

Falldarstellung: Ein griechischer Patient wurde in einem norddeutschen Krankenhaus durch einen routinierten HNO-Chirurgen laserchirurgisch an einem Larynxkarzinom operiert. Dabei kam es zu einem Tubusbrand, der zu ausgedehnten Verbrennungen im Bereich von Oro- / Hypopharynx, Larynx und oberer Trachea führte. Wenige Tage nach der Operation erfolgte die Aufnahme des Patienten in der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zur Verlaufskontrolle, wo regelmäßige konsiliarische laryngoskopische Kontrolluntersuchungen durch Phoniater erfolgten.

In der Zwischenzeit musste bei dem Patienten aufgrund von therapierefraktären Schmerzen und dysphagischen Beschwerden in seinem Heimatland eine Laryngektomie durchgeführt werden.

Schlussfolgerung: Intraoperative Tubusbrände im Rahmen von laserchirurgischen Eingriffen sind zwar selten, stellen aber eine potentielle Bedrohung von narkotisierten Patienten dar. Diese Falldarstellung soll dazu beitragen, aufzuzeigen, dass die Komplikation eines Tubusbrandes durch sorgsames Verhalten des Operateurs verhindert werden kann.

Auch Lasertuben stellen in diesem Zusammenhang keine absolute Sicherheit für den Patienten dar, auch wenn sie das Risiko eines Tubusbrandes reduzieren.

Abstract

Introduction: A greek patient underwent laser surgery of his larynx because of laryngeal cancer. During this operation a C02-laser induced tube fire occurred that damaged the mucosa of his pharynx, larynx and trachea. Some days after this accident he was refered to the ENT department of Hamburg University Clinics. Regular laryngoscopic investigations were done by phoniatricians.

In between a laryngectomy had to be done in Greek because the patient still suffered from severe pain and from dysphagia.

Conclusion: Laser-ignited endotracheal tube fires are rare but still they are a potentional danger of all patients that are treated by endolaryngeal laser surgery. This case report shall focus this problem. Careful behaviour of the surgeon and a good clinical education should be the best ways to avoid this kind of complication.


Text

Einleitung

Die laserchirurgische Operation von Kehlkopfkarzinomen im Rahmen von Mikrolaryngoskopien gehört zu den Standardverfahren im Kopf-Hals-Bereich [Abb. 1]. Seit Jahren gibt es aber weltweit immer wieder einzelne Berichte, bei denen es bei derartigen Eingriffen intraoperativ zu Tubusbränden gekommen ist. Diese haben bei den Patienten jeweils zu schwerwiegenden Verletzungen geführt [1], [2], [4], [6], [9]. Um das Risiko einer solchen Komplikation zu minimieren, wurden von der Industrie bereits spezielle Lasertuben für entwickelt [3], [5], [8].

Fallbeschreibung

Nach einer Voroperation in seiner Heimat wegen eines Larynxkarzinoms wurde ein griechischer Patient, der über keine Deutschkenntnisse verfügt, in einem norddeutschen Krankenhaus durch einen routinierten HNO-Chirurgen laserchirurgisch nachoperiert. Dabei kam es intraoperativ zu einem Tubusbrand, der zu ausgedehnten Verbrennungen im Bereich von Oro- / Hypopharynx, Larynx und oberer Trachea führte [Abb. 2], [Abb. 3].

Wenige Tage nach der Operation wurde der Patient in der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) aufgenommen. Während der ca. einwöchigen stationären Therapie erfolgten bei dem Patienten mehrfache endoskopische Verlaufskontrollen durch die Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde des UKE, bevor der Patient zur weiteren Behandlung nach Griechenland zurückkehrte.

Krankheitsverlauf

Dieser Beitrag verdeutlicht durch die in diesem Fall vorliegende ausführliche Dokumentation des postoperativen Verlaufs die schwerwiegenden Auswirkungen eines Tubusbrandes [Abb. 4], [Abb. 5] in aller Deutlichkeit. Die Abbildungen 2 [Abb. 2] und 3 [Abb. 3] zeigen, dass große Schleimhautareale im Oro- und Hypopharynx sowie im Larynx und in der Trachea nach der Brandverletzung von Fibrinbelägen überzogen sind. Trotz einer entsprechendenden Schmerzmedikation war eine ausreichende orale Ernährung seitens des Patienten nicht möglich, so dass ein Großteil seiner Nahrungsaufnahme über eine nasogastrale Sonde erfolgte. Nach ca. einer Woche stationärer Behandlung in Hamburg brach der Patient die Therapie aus finanziellen Gründen - und gegen ärztlichen Rat ab - und reiste in sein Heimatland zurück. Er hatte keinen Krankenversicherungsschutz für Deutschland und war auch auf eigene Kosten zur laserchirurgischen Therapie angereist.

Im Falle dieses Patienten waren die durch den Tubusbrand resultierenden Verletzungen so ernsthaft, dass bei ihm in der Zwischenzeit aufgrund von therapierefraktären Schmerzen und dysphagischen Beschwerden in seinem Heimatland eine Laryngektomie durchgeführt werden musste.

Schlussfolgerung

Intraoperative Tubusbrände im Rahmen von laserchirurgischen Eingriffen sind zwar selten, stellen aber eine hochgradige und lebensbedrohliche Gefährdung von narkotisierten Patienten dar. Es ist angesichts der wenigen bekannten und publizierten Fälle [1], [2], [4], [6], [9] nicht auszuschließen, dass die Dunkelziffer einer derartigen Komplikation beträchtlich ist.

Trifft ein Laserstrahl oder ein anderes brandverursachendes Agens - wie z.B. eine HF-chirurgische Sonde (`Elektrocauter´) direkt auf das sauerstoffreiche Gasgemisch, mit dem ein Patient intraoperativ beatmet wird, kommt es zu einer Verpuffung und einer ausgedehnten Stichflamme mit der Folge von entsprechenden Schleimhautverbrennungen. Durch die Druckwelle können zudem Staubpartikel und andere Verbrennungsprodukte bis in distal gelegene Lungenareale gelangen und dort zu pathologischen Reaktionen führen. Ossoff et al. warnen in diesem Zusammenhang vor einer Silikose als Langzeitkomplikation einer Inhalation von Asche eines verbrannten Silikontubus [7].

Diese Falldarstellung soll dazu beitragen, erhöhte Aufmerksamkeit auf die Möglichkeit eines Tubusbrandes bei Laser-Mikrolaryngoskopien zu lenken. Zu den wirksamsten Vorkehrungen zur Vermeidung solcher Unfälle zählt nach unserer Meinung die gezielte Unterrichtung über dieses Risiko bei der Ausbildung der laserchirurgisch arbeitenden HNO-Ärzte, Phoniater und MKG-Chirurgen.

Der Operateur hat dafür Sorge zu tragen, dass der Laserstrahl weder direkt noch reflektiert auf den Tubus trifft. Auch Lasertuben stellen in diesem Zusammenhang keine absolute Sicherheit für den Patienten dar. Sie reduzieren das Risiko eines Tubusbrandes zwar, schließen es aber nicht aus [4].


Literatur

1.
Chou AK, Tan PH, Yang LC, Sun GC, Hsieh SW. Carbon dioxide laser induced airway fire during larynx surgery: Case report. Chang Gung Med J. 2001; 24: 393-398
2.
De Vane GG. Laser initiated endotracheal tube explosion. AANA J. 1990; 58: 188-192
3.
Heine P. Ein neuer Metall-Tubus für Laser-Eingriffe im Laryngotracheal-Bereich. Anaesthesist. 1989; 38: 434-436
4.
Ilgner J, Falter F, Westhofen M. Long-term follow-up after laser-induced endotracheal fire. J Laryngol Otol. 2002; 116: 213-215
5.
Jantzen JP; Hilley D. Ein neuer Tubus für Laser-Eingriffe am Larynx. Anaesthesist. 1983; 32: 502-503
6.
Kuo CH, Tan PH, Chen JJ, Peng CH, Lee CC, Chung HC, Tseng CK. Endotracheal tube fires during carbon dioxide laser surgery on the larynx - a case report. Acta Anaesthesiol Sin. 2001; 39: 53-56
7.
Ossoff RH, Duncavage JA, Eisenman TS, Karlan MS. Comparison of tracheal damage from laser-ignited endotracheal tube fires. Ann Otol Rhinol Laryngol 1983; 92: 333-336
8.
Pramesberger G, Fischer PL, Benke A, Glaninger J. Erfahrungen mit einem unbrennbaren Tubus in der Laserchirurgie des Kehlkopfes. Anaesthesist. 1985; 34: 636-637
9.
Santos P, Ayuso A, Luis M, Martinez G, Sala X. Airway ignition during CO2 laser laryngeal surgery and high frequency jet ventilation. Eur J Anaesthesiol 2000; 17: 204-207