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20. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e. V.

12. bis 14.09.2003, Rostock

Quantitative Autofluoreszenzlaryngoskopie zur Früherkennung maligner Stimmlippenveränderungen

Poster

  • corresponding author Michael Raap - Universitätsklinikum Schleswig Holstein Campus Lübeck, Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, Telefon: +49(0451)5003485, Fax: +49(0451)5006792
  • author Norbert Koop - Medizinisches Laserzentrum Lübeck GmbH, Peter-Monnik-Weg 4, 23562 Lübeck, Telefon: +49(0451)5006503, Fax: +49(0451)505486
  • author Robert Brandt - Medizinisches Laserzentrum Lübeck GmbH, Peter-Monnik-Weg 4, 23562 Lübeck, Telefon: +49(0451)5006510, Fax: +49(0451)505486
  • author Reginald Birngruber - Medizinisches Laserzentrum Lübeck GmbH, Peter-Monnik-Weg 4, 23562 Lübeck, Telefon: +49(0451)5006501, Fax: +49(0451)505486
  • author Gereon Hüttmann - Medizinisches Laserzentrum Lübeck GmbH, Peter-Monnik-Weg 4, 23562 Lübeck, Telefon: +49(0451)5006530, Fax: +49(0451)505486
  • author Rainer Schönweiler - Universitätsklinikum Schleswig Holstein Campus Lübeck, Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, Telefon: +49(0451)5003485, Fax: +49(0451)5006792

Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. 20. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGPP. Rostock, 12.-14.09.2003. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2003. DocP06

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgpp2003/03dgpp012.shtml

Veröffentlicht: 12. September 2003

© 2003 Raap et al.
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Zusammenfassung

Hintergrund: Die Indikation zur operativen Abtragung malignitätsverdächtiger Stimmlippenbezirke beruht auf morphologischen und stroboskopischen Normabweichungen. Zur onkologischen Sicherheit wird eine großzügige, aber stimmfunktionell ungünstige Indikation zur Abtragung praktiziert. Deshalb sollte untersucht werden, ob der Verlust epithelialer Fluophore ein sinnvolles Kriterium für malignes invasives Wachstum ist. Gegenüber ALA-induzierter Fluoreszenz ist die hier untersuchte Autofluoreszenz ohne aufwändige Vorbereitung anwendbar. Methode: Von 12 Patienten mit im Nachhinein histologisch bestätigten Stimmlippenkarzinomen oder Präkanzerosen und 11 Kontrollen mit benignen Veränderungen wurden verlustfreie digitale Fotoaufnahmen mit kontinuierlichem und stroboskopischem Weißlicht sowie mit UV-Licht (AF-Bild) angefertigt. Bei malignen und benignen Veränderungen war ein ähnlicher Verlust der Grünfluoreszenz feststellbar. Deshalb wurde das Grün-Rot-Verhältnis maligner Bezirke ermittelt (0,85-1,18) und ein Falschfarben-AF-Bild (QAF) erzeugt. Ergebnisse: Mit QAF konnten invasiv-maligne Bezirke bei 3 von 6 Patienten eindeutig kontrastiert werden. Alle 2 nicht-invasiven Karzinome, alle 2 Leukoplakien und 10 von 11 Kontrollen zeigten keinen Kontrast. Gemessen am histologischen Befund war die Sensitivität 69,6 % und die Spezifität 50 %. Schlussfolgerung: AF und QAF bietet beim jetzigen Entwicklungstand noch keine verbesserte Abschätzung invasiven Wachstums als die Stroboskopie.


Text

Einleitung

Die Indikation zur operativen Abtragung malignitätsverdächtiger Stimmlippenbezirke beruht im Wesentlichen auf morphologischen und stroboskopischen Normabweichungen im zeitlichen Verlauf von drei Monaten. Aus einem onkologischen Sicherheitsbedürfnis heraus wird eine großzügige aber stimmfunktionell ungünstige Indikation zur mikrolaryngoskopischen Abtragung praktiziert. Deshalb wird zur Zeit versucht, die Früherkennung durch Autofluoreszenz zu verbessern [1], [2], [3]. Der typische Verlust grüner Autofluoreszenzen ist aber dabei nicht nur bei malignen, sondern auch bei benignen Veränderungen zu beobachten. Deshalb sollte in der vorliegenden Untersuchung geprüft werden, ob sich der optische Kontrast zwischen normalem Gewebe, benigne verändertem und maligne verändertem Gewebe durch Bildbearbeitung verstärken lässt.

Material und Methode

Es wurden 23 Patienten mit benignen und malignen Larynxneubildungen untersucht. Dazu wurden verlustfreie digitale Fotoaufnahmen mit kontinuierlichem und stroboskopischem Weißlicht in verschiedenen Schwingungsphasen sowie mit gefiltertem UV-Licht angefertigt. Die Patienten wurden in folgende Gruppen unterteilt:

A: Stimmlippenleukoplakie (n=2),

B: Stimmlippendysplasie (n=2),

C: mikroinvasives Plattenepithelkarzinom (n=2),

D: invasives gering- und mittelgradig differenziertes Plattenepithelkarzinom (n=6),

E: benigne Larynxneubildung (n=11).

Die Sicherung der Dignität erfolgte durch eine nachfolgende Mikrolaryngoskopie mit histologischer Begutachtung. Da bei malignen und benignen Veränderungen ein ähnlicher Verlust der Grünfluoreszenz feststellbar war, wurde das charakteristische Grün-Rot-Verhältnis der auffälligen Stimmlippenveränderungen ermittelt und ein quantitatives Falschfarben-AF-Bild (QAF) erzeugt. Folgende Skalenbereiche der Farbdarstellung der G/R-Verhältnisse konnten für die verschiedenen Larynxveränderungen ermittelt werden:

0,02 - 0,83 entzündliche Veränderungen der Schleimhaut (Farbe violett),

0,84 - 1,18 maligne Veränderungen (Farbe orange / rot),

1,19 - 1,35 Übergangsbereich (Farbe gelb) und

1,36 - 5,50 gesundes Gewebe (Farbe grün / blau).

Ergebnisse

Mit QAF konnten invasiv-maligne Bezirke bei 3 von 6 Patienten eindeutig identifiziert werden [Abb. 1]. Die mikroinvasiv wachsenden Plattenepithelkarzinome konnten nicht identifiziert werden, da sie sich im QAF als gesundes Gewebe darstellten. Dieses galt auch für die dysplastischen Schleimhautveränderungen. Die leukoplakischen Schleimhautveränderungen zeigten in der QAF-Darstellung keinen malignitätsverdächtigen Kontrast. In der Gruppe der benignen Schleimhautveränderungen stellten sich die veränderten Bezirke meist wie gewünscht nicht malignitätsverdächtig dar [Abb. 2]. Nur bei einem von 11 Fällen trat ein falsch-positiver Befund auf.

Weiterhin zeigte sich bei zwei Patienten eine intensive Orangefärbung der veränderten Schleimhautbezirke in der Autofluoreszenz. Diskutiert wird hierbei eine Besiedlung der Schleimhaut mit Bakterien, welche fluoreszierende Substanzen bilden. Gemessen am histologischen Befund war die Sensitivität 69,6 % und die Spezifität 50 %.

Diskussion

Die Autofluoreszenzlaryngoskopie macht im Gegensatz zur ALA-induzierten Fluoreszenzlaryngoskopie eine medikamentöse und oft zeitaufwendige Vorbereitung überflüssig und wäre auch in einer phoniatrisch-pädaudiologischen Sprechstunde anwendbar. Beim jetzigen Entwicklungsstand bietet die Autofluoreszenzlaryngoskopie auch mit QAF noch keine verbesserte Abschätzung invasiven Wachstums als die Bewertung der Schwingungsfähigkeit des Stimmlippenepithels in der Stroboskopie.


Literatur

1.
Goujon D, Glanzmann T, Gabrecht T, Zellweger M, Radu A, van den Bergh H, Monnier P, Wagnieres G. Detection of Early Bronchial Carcinoma by Imaging of the Tissue Autofluorescence. Proceedings of SPIE 2001; Vol 4432: 131-138
2.
Arens C, Glanz H, Dreyer T, Malzahn K. Compact Endoscopy of the Larynx. Ann Tol Rhinol Laryngol 2003; 112(2): 113-119
3.
Delank W, Khanavkar B, Bnakhosteen JA, Stoo W. A pilot study of autofluorescent endoscopy for the in vivo detection of laryngeal cancer. Laryngoscope 2000; 110, 368-373