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20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Unklares perinatales Managment bei unbehandelter maternaler Hepatitis C Infektion mit hoher Viruslast?

Meeting Abstract

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  • presenting/speaker Eric Anders - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden
  • Mario Rüdiger - Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden
  • Reinhard Berner - Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Freiburg

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi51

DOI: 10.3205/12dgpi51, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi510

Veröffentlicht: 22. März 2012

© 2012 Anders et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Bei maternaler Hepatitis C (HCV)-Infektion besteht ein Risiko für eine vertikale Transmission in ca. 3-8%. Die vertikale Transmission ist aktuell die häufigste Ursache für kindliche HCV-Infektionen. Eine hohe Virämie und eine HIV-Infektion zum Zeitpunkt der Entbindung sind prädisponierende Faktoren für eine Übertragung auf das Kind. Ein Einfluss der HCV Infektion auf die Schwangerschaft und kindliche Entwicklung ist bisher nicht bewiesen. Die Entbindung kann vaginal erfolgen. Es gibt keine Beweise für eine Übertragung von HCV durch Stillen. Die Chronifizierungsrate ist bei Erwachsenen mit 60-80% sehr hoch, im Kindesalter scheint sie nach gegenwärtigem Erkenntnisstand geringer zu sein. Eine antivirale Therapie kann ab einem Alter von 3 Lebensjahren erwogen werden.

Anamnese: 25-jährige Mutter, G4P4, anti HCV-AK positiv, 01/2012 mit 33+4 SSW HCV-RNA 7,3 Mio. Kopien, 02/2012 mit 36+4 SSW HCV-RNA 7,6 Mio. Kopien, Spontangeburt nach 38+3 SSW, Geburtsgewicht 3500g, Geburtslänge 50cm, Kopfumfang 34cm, APGAR 9/10/10, NapH 7,26, zirkulärer behaarter Riesenzellnävus am linken Oberarm, mit Satellitennävi am Rücken, Kopf, rechten Bein und in der Glutealregion, übriger körperlicher Untersuchungstatus unauffällig

Laborparameter: Anti HCV AK positiv, HCV RNA negativ, ALAT 0,25 µmol/l, ASAT 0,9 µmol/l

Verlauf: Bei sehr hoher maternaler Viruslast und unbehandelter Hepatitis C wurde die Entscheidung zum Abstillen getroffen. Beim Kind sind Kontrollen auf HCV RNA nach 4, 12 und 24 Monaten vorgesehen.

Diskussion: Da die Mutter erst in der 32+0 SSW nach Deutschland eingereist war, wurde die HCV-Infektion als Zufallsbefund nachgewiesen. Die Besonderheit des Falls liegt darin, dass die Mutter unbehandelt war und eine sehr hohe Viruslast aufwies. In den aktuellen Empfehlungen wird bei HCV-positiven Müttern nicht aktiv zum Abstillen geraten. Einschränkend wird darauf hingewiesen, auf Rhagaden bzw. Verletzungen an den Mamillen zu achten. Einige Studien schildern, dass Muttermilch HCV-RNA enthält. Nach aktueller Studienlage erfolgen ca. 30-50% der vertikalen Transmissionen bereits intrauterin. Diagnostisch erschwerend kommt hinzu, dass bei einigen Kindern postpartal die HCV-RNA erstmalig nach mehreren Monaten nachweisbar ist. Eine postpartale Transmission durch das Stillen kann bei diesen Kindern nicht ausgeschlossen werden, erscheint anhand der Datenlage jedoch als unwahrscheinlich. Standpunkte zum Stillen bei HCV-positiven und HIV-negativen Müttern reichen von protektiver Wirkung bis hin zum Risikofaktor für eine Transmission. Eine hohe HCV-Viruslast zum Zeitpunkt der Geburt und in der Schwangerschaft als Ursache für die vertikale Transmission wird ebenfalls kontrovers diskutiert. Es existieren nur wenig prospektive Studien speziell zu Müttern mit einer sehr hohen Viruslast (über 5x10^6 Kopien) unter der Geburt bezüglich der postpartalen Transmission.

Zusammenfassung: Der Mechanismus der vertikalen Transmission von HCV ist derzeitig nicht vollständig aufgeklärt. Gesicherte Einflussfaktoren scheinen der HCV-Genotyp, eine HIV-Koninfektion und die Viruslast der Mutter zu sein. Eine antivirale Therapie der Mutter während der Schwangerschaft ist derzeitig nicht zugelassen. Zur Übertragung von HCV durch das Stillen existieren kontroverse Aussagen. Gestillt werden kann nach entsprechender Aufklärung, weil eine postpartale Transmission durch das Stillen nach aktueller Studienlage unwahrscheinlich scheint. Bei Müttern mit einer sehr hohen HCV-Viruslast unter der Geburt wird aufgrund der Datenlage auf Einzelfallentscheidungen verwiesen.