gms | German Medical Science

20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)

19.04. - 21.04.2012, Mannheim

Ureaplasmen im Liquor als Ursache rezidivierender VP-Shunt-Verschlüsse?

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • presenting/speaker Ursula Hempel - Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Regensburg
  • Jürgen Kunkel - Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Regensburg
  • Michael Melter - Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Regensburg

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Mannheim, 19.-21.04.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgpi29

DOI: 10.3205/12dgpi29, URN: urn:nbn:de:0183-12dgpi295

Veröffentlicht: 22. März 2012

© 2012 Hempel et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Fallbericht: Wir berichten über ein Frühgeborenes der 28. SSW mit perinataler Ureaplasmeninfektion und posthämorrhagischem Hydrozephalus. Nach Entlastung über eine externe Liquorableitung wurde im Liquor mittels PCR Ureaplasma urealyticum (U. urealyticum) nachgewiesen. Es erfolgte eine Therapie mit Cloramphenicol. Bei noch leichter Eiweißerhöhung im Liquor konnte im Alter von 4 Monaten ein ventrikulo-peritonealer Shunt gelegt werden, der im Verlauf um einen zusätzlichen Katheter im isolierten 4. Ventrikel erweitert wurde.

Über die nächsten Jahre erfolgten ungewöhnlich häufig Episoden von Shuntdysfunktion mit typischer Klinik ohne Zeichen einer Enzephalitis, die jeweils zu einer operativen Teilrevision führten. Wiederholt konnte U. urealyticum im Liquor nachgewiesen werden, die antibiotische Therapie erfolgte jeweils mit Cloramphenicol. Obwohl in der Literatur bisher keine kathetherassoziierten Infektionen mit Ureaplasmen beschrieben sind, entschieden wir uns zuletzt zum vollständigen Austausch aller Shunt-Komponenten. Bisher (4 Monate nach Operation) kam es zu keiner weiteren Shuntinsuffizienz.

Diskussion: Aus der Literatur sind Ureaplasmen als Verursacher von Frühgeburtlichkeit und ZNS-Infekten in der Neonatologie bestens bekannt. Jenseits des Neugeborenenalters sind persistierende Infektionen mit Ureaplasmen hauptsächlich im Zusammenhang mit Harnwegsinfekten beschrieben. Einzig bei immunkompromittierten Patienten (überwiegend Hypogammaglobulinämie, HIV) gibt es zahlreiche Berichte über systemische Infektionen und septische Arthritiden. Zwei weitere Arbeiten berichten über Ureaplasmen-Nachweis bei rezidivierenden Peritonitiden unter CAPD.

Unseres Wissens ist dies die erste Beschreibung einer Persistenz von Ureaplasmen im Liquor bei einem shuntversorgten Kind. Unklar bleibt dabei, ob die Ureaplasmen durch wiederholte Auslösung von Entzündungsreaktionen ursächlich für die rezidivierenden Shuntdysfunktionen waren. Möglicherweise handelt es sich lediglich um eine Erregerpersistenz ohne pathogenen Wert.

Abzuwarten bleibt, ob nach dem Wechsel aller Komponenten in Zukunft erneut Ureaplasmen nachgewiesen werden und ob weitere Shuntrevisionen notwendig werden. Darüber hinaus sollte in jedem Fall das Vorliegen eines primären Immundefektes ausgeschlossen werden.