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Wissenschaft – eine Säule der Hebammenarbeit: 1. Internationale Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V. (DGHWi)

Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V.

23.09.2011, Hildesheim

Die Zukunft der Hebammenausbildung

Meeting Abstract

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  • Julia Griemens - Hochschule Osnabrück, Verbund Hebammenforschung, Osnabrück, Deutschland
  • Petra Petersmann - Hochschule Osnabrück, Verbund Hebammenforschung, Osnabrück, Deutschland

Wissenschaft – eine Säule der Hebammenarbeit. 1. Internationale Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft. Hildesheim, 23.-23.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dghwi05

DOI: 10.3205/11dghwi05, URN: urn:nbn:de:0183-11dghwi057

Veröffentlicht: 15. September 2011

© 2011 Griemens et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Hebammenausbildung in Deutschland unterscheidet sich von anderen europäischen Ausbildungssystemen gravierend. Die in Europa flächendeckend vertretene Form der Ausbildung im universitären Bereich wird in Deutschland nur in Modellvorhaben (Bochum) oder unterschiedlichen Kooperations-Projekten (Mainz, Osnabrück) angeboten. Die mit der deutschen Ausbildungsform verbundenen Probleme der Berufsanerkennung auf europäischer Ebene und der so genannten „Bildungssackgasse“ sind in der einschlägigen Literatur vielfach diskutiert worden. Unter Berücksichtigung sozialwissenschaftlicher Theorien sollen Erklärungsansätze für die in der Bildungssackgasse befindliche Hebammenausbildung formuliert werden, um so Hinweise zu erhalten, wie vorhandene Reformierungsbestrebungen weiter unterstützt werden können.

Methode: Entwicklung und Stabilität der Ausbildungsstrukturen in der Deutschen Hebammenausbildung werden sozialwissenschaftlichen Theorien gegenübergestellt. Dabei wird insbesondere der Theorie der Pfadabhängigkeit besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Ergebnisse: Die historische Betrachtung der Hebammenausbildung in Deutschland seit ihrer ersten Dokumentation im Jahr 1452 zeigt im Zusammenhang mit der Theorie von Pierson eine deutliche Pfadabhängigkeit und daraus resultierende hohe Stabilität der Ausbildungsstrukturen. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Langlebigkeit der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Institutionalisierung durch die Organisation von Hebammen in Berufsverbänden und die hohe Komplexität der Materie. Die Koordination der 16 Bundesländer, die parlamentarisch notwendige Gesetzesänderung zur Umstrukturierung der Ausbildung und die damit einhergehende Einbindung der einzelnen Institutionen und Organisation ist ein schwieriges Unterfangen.

Diskussion: Da durch die theoretische Betrachtung eine hohe Stabilität der Ausbildungsstrukturen nachgewiesen wurde und damit einhergehend – auch pfadtheoretisch begründbar – eine geringe Bereitschaft zur Veränderung existiert, stellt sich die Frage, wie die Hebammenausbildung der Zukunft aussehen wird. Mahony bietet zwei Prozesse für eine Weiterentwicklung an. Die erste Möglichkeit besteht in einer sukzessiven Anpassung der Ausbildungsstrukturen. Die zweite Möglichkeit der „reactive turn“ lässt nur eine einschneidende Umgestaltung der Ausbildungsstrukturen als Lösung erkennen.

Empfehlung: Der „reactive turn“ ist für die Weiterentwicklung der Ausbildungsstrukturen nicht praktikabel und in der Sprache der Pfadtheorie mit zu hohen „Ausstiegskosten“ verbunden. Dahingegen bietet die schrittweise Annäherung der jetzigen Strukturen an die internationale Ebene durch Kooperationsprojekte zwischen Hochschulen und Hebammenschulen eine Veränderung die im Sinne der Pfadtheorie "kostengünstig" ist. Alte Strukturen werden in neue Formen der Ausbildung eingegliedert und in Zusammenarbeit weiterentwickelt. Die aus der Theorie abgeleitete Empfehlung lautet, die bestehenden Strukturen in das neue System einzubetten und in Form von kooperativen Strukturen die Ausbildung weiterzuentwickeln.