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53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

11.10. - 13.10.2012, Lübeck

Verbrennungschirurgie bei Kindern unter Einsatzbedingungen in Afghanistan

Meeting Abstract

  • author presenting/speaker Sebastian Hentsch - BWZK, UCHIR/Ortho, Koblenz, Deutschland
  • Dan Bieler
  • Jens Beuche
  • Christoph Güsgen
  • Kerstin Julich
  • Axel Franke
  • Matthias Johann
  • Erwin Kollig

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Lübeck, 11.-13.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgh58

DOI: 10.3205/12dgh58, URN: urn:nbn:de:0183-12dgh585

Veröffentlicht: 9. Oktober 2012

© 2012 Hentsch et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Der deutsche Sanitätsdienst versorgt im Rahmen freier Kapazitäten einheimische Patienten im Auslandseinsatz in Afghanistan. Der Schwerpunkt liegt hier im traumatologisch-orthopädischen Sektor sowie in der Verbrennungsmedizin. Von Jan-Dez 2010 wurden bspw. im Bundeswehrlager Fayzabad insgesamt 1832 Behandlungen bei afghanischen Patienten mit Verbrennungen, Frakturen und Knochen-Weichteil-erkrankungen durchgeführt (insges. 288 Operationen). 771 Behandlungen mit 138 Operationen erfolgten bei Kindern und Jugendlichen; davon waren 80 operative Versorgungen von Verbrennungen. Auffällig waren die ausschließlich postprimäre Versorgung teilweise hochgradiger Verbrennungen und die Wundkontamination mit multiresistenten Keimen.

Methodik: Anhand von 4 Fallbeispielen aus der Verbrennungsmedizin (Extremitätenerhalt bei einem 6 Monate alten Säugling mit Verbrennungen 3.Grades beider Füße und Unterschenkel, verspätete Versorgung von schweren Thorax- und Extremitätenverbrennungen bei 3 Kindern werden Behandlungsstrategien und Probleme der o.g. Krankheitsbilder aufgezeigt, die unter den limitierten Bedingungen im Auslandseinsatz nicht den westeuropäischen Normen entsprechen können. Die retrospektive Auswertung der Patientenzahlen erfolgte über die Einbestellungs-dokumentation der Sprechstunde in Fayzabad

Ergebnisse: Bei dem 6 Mo alten Säugling war die Amputation aller Zehen nach Escharotomie notwendig, beide Füße konnten erhalten werden. Im Falle des 7-jährigen Mädchens musste eine thorakale Escharotomie durchgeführt werden, in 2 Fällen waren Warmblutspenden bei kritischen Hb-Werten notwendig. Alle Patienten konnten trotz teilweise vohandener Besiedlung mit multiresistenten Keimen erfolgreich ausbehandelt werden, die Abstände der ambulant durchgeführten Verbandswechsel lagen zwischen 3 und 4 Tagen.

Schlussfolgerung: Bei der Behandlung von Patienten mit schweren Verbrennungen sind unter Einsatzbedingungen Improvisation und plastisch-chirurgische Expertise notwendig. Standartisierte Behandlungsalgorithmen können nicht eingehalten werden. Die multiresistente Besiedlung der Wunden generierte einen hohen Aufwand im Hygienebereich; aus militärischen Sicherheitsaspekten erfolgten alle Behandlungen ambulant. Vorteilhaft war die Behandlung der Patienten in ihrem gewohnten sozialen Umfeld. Eine zwingend notwendige Weiterbildung der afghanischen Kollegen zur Verbesserung der Behandlungssituation vor Ort konnte nicht in ausreichendem Maße stattfinden.