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53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

11.10. - 13.10.2012, Lübeck

Adjuvante Weichteildistraktion mit dem „Digit Widget“

Meeting Abstract

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  • author presenting/speaker Milan Maucher - Eberhard Karls Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • Vincent R. Hentz

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Lübeck, 11.-13.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgh04

DOI: 10.3205/12dgh04, URN: urn:nbn:de:0183-12dgh042

Veröffentlicht: 9. Oktober 2012

© 2012 Maucher et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die adjuvante Weichteildistraktion mit dem „Digit Widget”, gefolgt von einer Dermofasziektomie und einer Vollhauttransplantation ist eine sichere, effektive und dauerhafte Behandlung von schwerwiegenden, rezidivierenden Beugekontrakturen von PIP Gelenken.

Methodik: Vierzehn Patienten mit insgesamt 20 schwerwiegenden, rezidivierenden Beugekontrakturen von PIP Gelenken mit begleitenden Vernarbungen und geschrumpften Weichteilen wurden jeweils zwischen einem und drei „Digit Widgets“ eingebracht.

Nach 4–10 Wochen Distraktion entfernten wir operativ die vernarbte Haut und das darunter befindliches fibrotisches Gewebe. Die Defektdeckung erfolgte mittels Vollhauttransplantation. Aktive Bewegung und Physiotherapie begannen 4–7 Tage PostOP. Nach durchschnittlich 24 Monaten bestimmten wir den Bewegungsumfang und wiederkehrende Kontrakturen.

Ergebnisse: Unsere Patienten hatten im Durchschnitt 2 Voroperationen (1–4). Das PIP Gelenk des kleinen Fingers war am häufigsten betroffen (14/20 Fingern). Die mittlere Kontraktur vor der Weichteildistraktion betrug 70° (47°–105°). Die durchschnittliche Dauer der Distraktion betrug 61 Tage (31–77 Tage). Bei einem Patienten behandelten wir 3 Finger, bei 3 Patienten 2 Finger gleichzeitig. Während der Weichteildistraktion entwickelte ein Patient einen lokalen Infekt welcher mit oralem Antibiotikum gut zu behandeln war. Keiner der „Digit Widgets“ mussten frühzeitig entfernt werden. Nach der Weichteildistraktion betrug die durchschnittliche PIP Gelenks Extension 9° (0°–35°). Intraoperativ erreichten nach der Dermofasziektomie alle behandelten PIP Gelenke nahezu volle passive Extension. Bei keinem der Patienten mussten die Checkrein-Bänder gelöst werden. Es gab keine perioperativen Komplikationen bei der Dermofasziektomie und der Vollhauttransplantation. Alle Transplantate sind eingewachsen. Postoperativ erreichten alle Patienten die gleiche PIP Beugefunktion wie vor der Behandlung (Durchschnittlich 85°). Trotzdem verloren innerhalb der ersten 90 postoperativen Tage alle Kleinfinger etwas von der operativ gewonnenen Extension. Bei der letzten Kontrolluntersuchung betrug der durchschnittliche Bewegungsumfang 0°/35°/85°. Ein Patient zeigte einen wiederkehrenden Knoten an der Grenze zwischen transplantierter und normaler Haut.

Schlussfolgerung: Häufige Operationen für rezidivierende Kontakuren des Morbus Dupuytren gehen mit einer oft publizierten Komplikationsrate (25–60%) einher, weil Kontrakturen in Blutgefäßen, Nerven, periartikulärem Gewebe und Haut gedehnt werden müssen. Darum ist ein Verlust von PIP Gelenks Funktion häufig.

Die präoperative Weichteildistraktion ist dazu geeignet, Kontrakturen aufzudehnen. Dies ist eine gute Option bei schwerwiegenden Fingerkontrakturen, besonders bei Risikopatienten. Dermofasziektomie und Vollhauttransplantation reduzieren die Inzidenz und Rate des Rezidives.

Die Kombination dieser Behandlungsmethoden reduzierte das Risiko einer erneuten Operation bei Fingern mit Narbengewebe und schweren Kontrakturen beträchtlich. Das Resultat war eine anfängliche Verbesserung der Extension um 87% ohne Einschränkung der Flexion. Nach einem Zeitraumvon 2 Jahren betrug die durchschnittliche Verbesserung im Vergleich zum Ausgangszustand noch 50%.

Sogar die Kontrakturen Kleinfinger PIP Gelenkes erreichten einen guten Bewegungsumfang. Nur 1 von 19 behandelten Fingern zeigte Zeichen einer wiederkehrenden Kontraktur bei einer späten Nachuntersuchung.