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52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

06.10. - 08.10.2011, Bonn

Funktionelle Langzeitergebnisse und Lebensqualität nach Skaphoidrekonstruktion mit vaskularisiertem 1,2 ICSRA (intercompartimental supraretinacular artery) Radiusspan

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Christoph Hirche - BG Klinik Ludwigshafen, Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Ludwigshafen, Deutschland
  • Christian Heffinger
  • Leila Kolios
  • Holger Engel
  • Marcus Lehnhardt
  • Berthold Bickert

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Bonn, 06.-08.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dgh28

DOI: 10.3205/11dgh28, URN: urn:nbn:de:0183-11dgh289

Veröffentlicht: 5. Oktober 2011

© 2011 Hirche et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die bedeutsamste Komplikation der Skaphoidfraktur ist die Ausbildung einer Pseudarthrose mit schmerzhafter Instabilität und Entwicklung eines karpalen Kollaps mit Arthrose. Infolge der retrograden Blutgefäßversorgung zeigt das proximale Skaphoidfragment nicht selten eine verminderte Perfusion und zunehmende Sklerosierung. Die Rekonstruktion durch Interposition eines vaskulären Knochenspans ermöglicht die Revitalisierung des proximalen Fragments und damit die knöcherne Durchbauung der Pseudarthrose. In der vorliegenden Studie wurde die Skaphoidrekonstruktion mittels 1,2 ICSRA) vaskularisiertem Radiusspan hinsichtlich knöcherner Durchbauung, funktioneller Ergebnisse und Lebensqualität untersucht.

Methodik: Durch retrospektive Analyse wurden in einem Zeitraum zwischen 2000 und 2010 insgesamt 43 Patienten mit einer Skaphoidrekonstruktion durch vaskularisierten Radiusspan identifiziert, bei denen mindestens 6 Monate nach Unfall eine Skaphoidpseudarthrose mit sklerosiertem proximalem Fragment vorlag. Als Zielparameter wurden röntgenologische Kriterien (knöcherne Durchbauung, Lage des Osteosynthesematerial ,SL-Winkel, karpaler Höhenindex nach Natrass, Arthrosegrad), funktionelle Parameter (Kraft, Schmerz nach VAS, AROM im Vergleich zur gesunden Gegenseite, Buck-Gramko Score, Krimmer-Score, Mayo-Wirst-Score) und subjektive Parameter (DASH Score und SF 36 Fragebogen) bestimmt.

Ergebnisse: Insgesamt 33 der 43 identifizierten Patienten (77%) konnten durchschnittlich 58 Monate (Intervall 36-145) postoperativ nachuntersucht werden. Die Implantation eines vaskularisierten Radiusspans wurde bei 15 Patienten als erster, bei 12 Patienten als zweiter sowie bei 3 Patienten als dritter Rekonstruktionsversuch durchgeführt. Eine sichere knöcherne Durchbauung konnte bei 26 von 33 Patienten (79%) nachgewiesen werden. Der Zeitraum zwischen Unfall und vaskularisiertem Radiusspan betrug im Median 30 Monate (6-217), der durchschnittliche stationäre Aufenthalt 5 Tage (3-8), die postoperative Ruhigstellung 2,64 Monaten (1-4). Zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung betrugen die Schmerzen auf der VAS (1-10) in Ruhe im Mittelwert 0,6 sowie bei Belastung 3,63. Die Grobkraft, gemessen mit dem JAMAR® Dynamometer auf der Stufe 2, betrug im Mittel 79% zur gesunden Seite, im Schlüsselgriff 92% und im Spitz-Feingriff 95%. Die Bewegungsumfänge im Vergleich zur gesunden Gegenseite in der Differenz für die operierte Hand – gesunde Hand waren im Mittelwert für die Extension -17° (-60 bis 0°) und für die Flexion -13° (-42 bis 14°).

Schlussfolgerung: Durch die Nachuntersuchung der Skaphoidrekonstruktion mittels 1,2 ICSRA (intercompartimental supraretinacular artery) vaskularisiertem Radiusspan konnte eine knöcherne Durchbauung von 79% der Skaphoidpseudarthrosen mit sklerosiertem proximalem Fragment sowie gute funktionelle Ergebnisse nachgewiesen werden. Eine höhere Durchbauungsrate bei ausgeprägter proximaler Sklerosierung ist letztlich nur durch einen mikrovaskulären Anschluß, z.B. durch eine freie Femurkondyle, möglich.