gms | German Medical Science

51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

07.10.- 09.10.2010, Nürnberg

Distale Radiusfrakturen – Wie gut sind die Osteosynthesen wirklich ?

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Nürnberg, 07.-09.10.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dgh44

DOI: 10.3205/10dgh44, URN: urn:nbn:de:0183-10dgh440

Veröffentlicht: 16. September 2010

© 2010 Wittemann.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Fragestellung: Ziel der retrospektiven Nachuntersuchung war es, zu eruieren, in welchen Prozentsatz bei den von uns behandelten bzw. nachbehandelten osteosynthetisch versorgten distalen Radiusfrakturen die operative Versorgung korrekt durchgeführt worden war, welche technischen und operationstaktischen Fehler gemacht wurden und welche Komplikationen auch diesen Fehlern resultierten.

Methodik: Sämtliche Patientenunterlagen und Röntgenbilder aus den Jahren 2007 bis 2009 wurden hinsichtlich Reposition der Fraktur, Lage der Platte, Lage und Länge der Schrauben, übersehener Begleitverletzungen und versorgungsbedingter Komplikationen ausgewertet. Es wurde weiterhin aufgeschlüsselt, ob eine Zuordnung der Versorgungsqualität zu Alter oder Geschlecht der Patienten, Frakturform oder Institution der operativen Versorgung möglich war.

Ergebnisse: Es wurden zwischen 2007 und 2009 460 distalen Radiusfrakturen am ausgewachsenen Skelett behandelt. Hiervon waren oder wurden 123 osteosynthetisch versorgt. In 2 Fällen wurde ein Targon-DR-Nagel verwendet, 1 Patientin wurde im Ausland gespickt, bei 120 Patienten wurde eine palmare, winkelstabile Platte implantiert. Es handelte sich überwiegend um Frauen (74,2%) mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren, die linke Seite war häufiger (56,1%)betroffen.

Eine korrekte Reposition konnte in 80 Fällen (65,0%) erzielt werden. Ein Überstand des distalen Plattenschenkels lag bei 38 Patienten (31,7%) vor. Alle 10 Patienten mit einem ulnaren Plattenüberstand hatten eine aufgehobene Supination, 2 Patienten mit einem radialen Platten überstand entwickelten eine Tendovaginitis stenosans de Quervain, bei 3 der 4 Patienten mit einem distalen Plattenüberstand kam es zu Beugesehnenrupturen.

Einen dorsalen Schraubenüberstand von mehr als 1 Gewindegang zeigten 53 (44,2%) der Patienten, bei 6 Patienten kam es zu klinisch manifesten Strecksehnenrupturen.

An übersehenen Begleitverletzungen lagen 5 Rupturen des SL-Bands und 4 Verletzungen des distalen Radioulnargelenks vor.

Weitere Komplikationen: 1 Redislokation, 1 Versatz des distalen Fragments um 1 cm nach radial, 1 instabile Osteosynthese (mit Fixateur extern ergänzt), in 2 Fällen Schrauben nicht im Knochen, in 2 Fällen Schraubenauslockerungen nach palmar und in 1 Fall eine Platte für rechts auf dem linken Radius.

Letztlich waren nur 43 von 123 Osteosynthesen (34,1%) radiologisch korrekt durchgeführt.

Eine Abhängigkeit von Alter, Geschlecht der Patienten oder angewandten Plattensystem konnte nicht gefunden werden.

Frakturen des Typs C2 und C3 nach AO waren tendenziell besser versorgt (45,4 bzw. 44,4%), als Frakturen des Typs A2 und A3 (25 bzw. 19,3%)

Die Rate von korrekten Versorgungen betrug bei BG-Unfallkliniken 25,5%, bei Universitätskliniken 0% (nur 2 Patienten), bei Kliniken mit eigenständiger unfallchirurgischer Abteilung 28,6%, bei Krankenhäusern der Grundversorgung 17,0% und bei niedergelassenen Chirurgen 92,8%.

Schlussfolgerung: Die distale Radiusfraktur, als eine der wohl häufigsten knöchernen Verletzungen und derzeit am häufigsten osteosynthetisch versorgten Frakturen wird leider in einem hohen Maße nicht korrekt versorgt, was Reposition der Fraktur und korrekter Position des Osteosynthesematerials betrifft. Oftmals werden Begleitverletzungen übersehen oder nicht ausreichend gewürdigt, was möglicherweise darin begründet ist, dass die Operateure nicht ausreichend in den aktuellen Osteosyntheseverfahren geschult sind und/oder keine ausreichenden Kenntnisse in Anatomie und Biomechanik des Handgelenks besitzen. Auch in Kliniken mit unfallchirurgischer Spezialisierung resultiert eine hohe Rate an nicht korrekten operativen Versorgung.

Die distale Radiusfraktur wird leider im allgemeinen als Bruch eines Unterarm Knochens und nicht als Verletzung des komplexen Systems 'Handgelenk' angesehen. Hier gilt des entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten und eine Verbesserung der Versorgungsqualität zu erreichen.