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50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

08.10.- 10.10.2009, Tübingen

„Scapho-Capitate-Fracture Syndrom“ (Fenton) – ein Fallbeispiel

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Igor Hodorkovski - Gesundheitszentrum Spaichingen, Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirugie, Spaichingen, Deutschland
  • Thomas Feldhaus

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Tübingen, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgh73

DOI: 10.3205/09dgh73, URN: urn:nbn:de:0183-09dgh733

Veröffentlicht: 5. Oktober 2009

© 2009 Hodorkovski et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Ein 24-jähriger Patient zog sich durch einen Sturz von 2,5 m hohen Mauer ein „Scapho-Capitate-Fracture Syndrom“ zu. Neben Sensibilitätsstörungen im Ausbreitungsgebiet des N. medianus fanden sich keine weiteren Begleitverletzungen.

Methodik: Die operative Rekonstruktion erfolgte über einen dorsalen Zugang. Neben den Frakturen des Os scaphoids und Luxation des proximalen Capitatumanteils fanden sich feine knöcherne Ausrisse der intercarpalen Bänder und eine Läsion des Lig. scaphocapitatum. Nach erfolgter anatomischer Reposition wurde die osteosynthetische Stabilisierung Herbert-Schrauben durchgeführt. Das Lig. scaphocapitatum wurde durch einen Mitekanker refixiert. Die dorsale Kapsel wurde rekonstruiert. Der N. medianus wurde entlastet. Begleitverletzungen der plamaren Kapsel lagen nicht vor. Nach einer Ruhigstellungszeit von 3 Wochen wurde zunächst mit passiver physiotherapeutischer Behandlung begonnen, die nach 5 Wochen durch aktive Übungsbehandlungen ergänzt wurde.

Ergebnisse: Das Fenton-Syndrom ist eine komplexe Verletzung des Carpus, mit Frakturierung des Scaphids sowie des Os capitatum im mittleren zum proximalen Drittel mit einer Luxation des proximalen Fragments um 90 Grad oder 180 Grad. Es kann auch mit anderen Verletzungen der Hand und des Handgelenkes auftreten. Die rasche operative Intervention mit Reposition und osteosynthetischer Versorgung ist der einzig mögliche therapeutische Weg. Dadurch lässt sich eine Pseudoarthrosenbildung des Os scaphoids und Os capitatum verhindern. Durch die Operationkam es zur vollständigen knöchernen und funktionellen Ausheilung der Frakturen.

Schlussfolgerung: Das „Scapho-Capitate Fracture Syndrom“ als Sonderform der perilunären Luxationsfrakturen stellt ein sehr seltenes, schweres und komplexes Verletzungsmuster des Carpus dar. Es wurde erstmals 1956 von Fenton in der Literatur erwähnt. Die klinische sowie radiologische Untersuchung sowie ggf. CT-Untersuchung führen zur Diagnose. Es besteht immer eine zwingende Operationsindikation. Über einen offenen, meist dorsalen Zugang, gelingt die Reposition unproblematisch. Zur Stabilisierung können K-Drähte, Herbert-Schrauben und Mini-Herbert-Schrauben verwandt werden. Bei übungsstabiler Versorgung und rascher physiotherapeutischer Nachbehandlung kann ein gutes postoperatives Resultat erzielt werden. Unversorgt führt diese Verletzung zwangsläufig zur Ausbildung von Arthrosen und einem karpalem Kollaps.