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50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

08.10.- 10.10.2009, Tübingen

Der Einfluss des Karpaltunnelsyndroms auf den Präzisionsgriff

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Sebastian Gehrmann - Universitätsklinik Düsseldorf, Unfall- und Handchirurgie, Düsseldorf, Deutschland
  • Jie Tang
  • Robert Kaufmann
  • Robert Goitz
  • Zong-Ming Li
  • Joachim Windolf

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Tübingen, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgh55

DOI: 10.3205/09dgh55, URN: urn:nbn:de:0183-09dgh559

Veröffentlicht: 5. Oktober 2009

© 2009 Gehrmann et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Der Präzisionsgriff zwischen Zeigefinger und Daumen erfordert eine exakte feinmotorische Bewegung. Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) kann bei höhergradiger Ausprägung die Muskulatur stören, die zur Durchführung der Bewegung notwendig ist. Eine Veränderung dieser mehrdimensionalen Griffbewegung kann zu einer subjektiv merklichen Ungeschicklichkeit der Fingerbewegungen führen. Bisher existieren keine Daten über die veränderte feinmotorische Beweglichkeit beim KTS. Das Ziel dieser Arbeit ist die Messung der mehrdimensionalen Bewegung des Präzisionsgriffs bei Probanden mit KTS im Vergleich zu gesunden Probanden.

Methodik: Sechzehn Probanden (Alter 48±8 Jahre) mit KTS und sechzehn gesunde Probanden (Alter 48±11 Jahre) wurden mit Hilfe eines 3D-Bewegungsanalysesystems untersucht. Einschlusskriterien waren rechtshändige Probanden und ein rechtsseitig vorliegendes KTS, welches durch klinische und elektrophysiologische Untersuchungen bestätigt wurde. Ausschlusskriterien waren vorbestehende Verletzungen an der oberen Extremität, Schwangerschaft und Stoffwechselerkrankungen. Ein 3D-Bewegungsanalysesystem (VICON 460, Oxford, UK) mit oberflächenbasierten reflektiven Markern wurde verwendet um die Bewegungen des Zeigefingers und des Daumen zu messen. Die Probanden führten jeweils 15 Präzisionsgriffbewegungen aus maximal geöffneter Handausgangsposition durch. Anschließend wurde die Variabilität der 3D-Positionen von Zeigefinger- und Daumenspitzen berechnet, ferner die Variabilität der Fingergelenkstellung und die Variabilität des Fingerspitzenabstandes nach Zusammentreffen der Finger.

Ergebnisse: Das KTS führt zu einer Veränderung der Präzisionsgriffleistung. Obwohl alle Probanden eine Präzisionsgriffbewegung sicher durchführen konnten, zeigte sich eine signifikant erhöhte Variabilität der Endpositionen von Zeigefinger- und Daumenspitzen. Es zeigte sich eine höhere Variabilität der Gelenkstellung des Zeigefingers bei Probanden mit KTS im Vergleich zu den Kontrollen (p<0,04). Demgegenüber unterlag die Stellung der Daumengelenke keiner höheren Variabilität (p>0,19). Die Variabilität des Finger-Daumenspitzenabstands, ein Indikator für die Koordination zwischen Daumen und Zeigefinger, war bei beiden Gruppen klein, jedoch signifikant höher bei Probanden mit KTS (p<0,01).

Schlussfolgerung: Die Genauigkeit der Bewegungen bei Ausführen des Präzisionsgriffs zwischen Daumen und Zeigefinger wird durch das KTS herabgesetzt. Die Veränderungen des Präzisionsgriffs beim KTS zeigt sich in einer Erhöhung der Variabilität der Fingergelenkstellung und der Fingerspitzenabstände. Die von Patienten mit KTS berichtete Ungeschicklichkeit der Finger bei feinmotorischen Aufgaben kann so erstmalig objektiv gemessen werden.