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50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie

08.10.- 10.10.2009, Tübingen

Gustav B. Günther (1801–1866) und sein vergessenes Buch über “Das Handgelenk in mechanischer, anatomischer und chirurgischer Beziehung” aus dem Jahre 1841

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Andreas Gohritz - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Hannover, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie. Tübingen, 08.-10.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09dgh14

DOI: 10.3205/09dgh14, URN: urn:nbn:de:0183-09dgh140

Veröffentlicht: 5. Oktober 2009

© 2009 Gohritz.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Der deutsche Chirurg Gustav Biedermann Günther (1801–1866) veröffentlichte bereits im Jahre 1841 eine Monographie über “Das Handgelenk in mechanischer, Anatomischer und chirurgischer Beziehung” - dies in einer Zeit, in der die meisten Anatomiebücher diesem immer noch rätselhaften Gelenk nur weinige Zeilen widmeten.

Methodik: Ziel dieses Beitrages ist es, dieses höchst seltene und faszinierende Werk und seinen Verfasser vorzustellen, der – trotz seiner Originalität – in der internationalen Literatur fast nie genannt wird.

Ergebnisse: Nach der Gründung der ersten Orthopädischen Klinik in Hamburg (1831) wurde Günther zum Professor für Chirurgie an den Universitäten Kiel (1837) und Leipzig (1841) ernannt, wo er 1866 an Cholera verstarb, bevor er sein Hauptwerk “Die Blutigen Operationen” (1844–1858). vollenden konnte.

Günther untersuchte systematisch das Handgelenk, seine Strukturen und Biomechanik anhand von frischen Leichen und beschrieb die komplexe Beweglichkeit der Handwurzelknochen gegeneinander – mehr als 10 Jahre vor Henke, dem dies meist zugeschrieben wird und mehr als ein Jahrhundert vor den meisten modernen biomechanischen Studien zu diesem Thema. Hierbei bediente er sich auch Schnittbildern, die er mittels Durchsägungen erstellte und die als Beginn der Handgelenkstomographie gesehen werden können.

Seine Darstellungen und Experimente waren so gründlich und genau, daß einige seiner anatomischen Entdeckungen erst viel später nochmals beschrieben wurden, beispielsweise das palmare scapho-triquetrale Ligament (Sennwald et al., 1994), das Günther bereits 153 vorher benannt und in seiner stabilisierenden Funktion des Capitatum-Kopfes bei der Flexion exakt definiert hatte.

Mehr als 50 Jahre vor den Möglichkeiten einer Röntgen-Untersuchung bemerkte Günther unter direkter Sicht verschiedene Frakturen der Handwurzelknochen und vermutete, daß sie weit häufiger als angenommen aufträten und Ursache für Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sein könnten.

Er beschrieb ebenso die wichtige Funktion des triangulären Knorpel-Band-Komplexes (TFCC) und den Quadriga-Effekt, der später von Verdan (1960) wiederentdeckt wurde.

Schlussfolgerung: Günther erscheint als der Urvater aller “Handgelenks-Forscher”. Die Beachtung seines Werkes hätte die Wichtigkeit der Handchirurgie eher erkennen lassen, es bleibt ein Vorbild an wissenschaftlicher Erfindungsgabe und Genauigkeit und verdient eine eingehende erneute Analyse.