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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Psychische und physiologische Korrelate des Night Eating Syndroms (NES)

Meeting Abstract

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  • corresponding author Barbara Schwandt - Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover
  • Burkard Jäger - Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Medizinische Hochschule Hannover

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess100

DOI: 10.3205/12dgess100, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess1009

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Schwandt et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: NES liegt definitionsgemäß dann vor, wenn mind. 25% der täglichen Essensmenge nach dem Abendessen bzw. nach 19 Uhr aufgenommen werden. Wie häufig ist NES bei Patienten mit Diabetes Typ 2? Mit welchen psychischen und somatischen Parametern ist NES assoziiert? Welchen Einfluss hat NES auf die Blutzuckereinstellung?

Methodik: In einer Querschnittsuntersuchung wurden n = 229 Patienten mit Diabetes Typ 2 untersucht. Es wurden Angaben zum NES (mittels Fragebögen NEDS und NEQ), der FEV (Essverhalten), der PHQ-D (Depressivität) und der WHO-QOL (Lebensqualität) sowie soziodemographische und diabetes- und adipositasspezifische Parameter ausgewertet.

Ergebnisse: 10,6% der befragten Typ-2-Diabetiker waren von NES betroffen. Ihr Hba1c-Wert lag mit durchschnittlich 7,75% signifikant höher als bei Nicht-Nachtessern (6,98%). Es konnten keine signifikanten Unterschiede bezüglich BMI, Plasmaleptin und Nüchtern-BZ nachgewiesen werden. Nachtesser wiesen jedoch signifikant höhere Depressivität, Störbarkeit des Essverhaltens und erlebte Hungergefühle sowie erhöhte Belastungen in drei von vier Domänen der Lebensqualität auf. In der Gruppe der Nachtesser fand sich ein signifikant höherer Anteil an Personen, die mit antidepressiver Medikation behandelt wurden. Personen mit NES waren durchschnittlich jünger als Personen ohne NES. Personen mit und ohne NES unterschieden sich jedoch nicht signifikant hinsichtlich der Verteilung der Geschlechter, ebenso wenig hinsichtlich des erreichten Berufsabschlusses.

Schlussfolgerung: NES scheint mit Einschränkungen der psychischen Gesundheit und des Diabetes-Selbstmanagements assoziiert zu sein. In diabetologischer und Gewichtsreduktions-Behandlung sollte die Anamnese um den Aspekt des abendlichen/nächtlichen Essens ergänzt werden, um psychosoziale Therapieoptionen der beschriebenen Problemkonstellation anpassen zu können.