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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Soziale Angst bei schwerstadipösen Patienten

Meeting Abstract

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Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess085

DOI: 10.3205/12dgess085, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0853

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Stierle.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Adipöse Menschen erleben in vielen Bereichen der Gesellschaft Ablehnung und Diskriminierung [1]. Neben Benachteiligungen im Berufsleben und in sozialen Beziehungen erleben viele sogar auch Stigmatisierungen durch das Behandlersystem [2], [3]. Als Folge der Adipositas steht häufig die Entwicklung eines geringen Selbstwerts und von Ängsten. Mittlerweile gibt es eindeutige Belege für hohe Zusammenhänge zwischen Adipositas und psychischen Störungen. Insbesondere liegen viele Studien zum Zusammenhang mit Depression vor. Verhältnismäßig wenig Daten liegen jedoch bislang zum Zusammenhang mit sozialer Ängstlichkeit und sozialer Phobie vor.

Methodik: Im Rahmen einer Fragebogenstudie wurden 97 Patienten mit und ohne bariatrische Operation einer psychosomatischen Rehaklinik befragt. Alle Patienten litten unter Adipositas per magna (mittlerer BMI=52,8). Neben allgemeinen Instrumenten zur psychopathologischen Belastung (SCL-90R) wurden spezifische Fragebögen zu sozialen Ängsten (SPS/SIAS) sowie der SKID-II Fragebogen zur Erfassung von Persönlichkeitsstörungen und ein Instrument zur Messung zur Lebenszufriedenheit (FLZ) eingesetzt.

Ergebnisse: Die Ergebnisse deuten auf eine generell hohe psychopathologische Belastung der Patienten insbesondere im Bereich soziale Angst hin. Mit höherem BMI steigt tendenziell die Belastung der Patienten. Ferner werden soziale Ängste in Abhängigkeit vom Familienstatus sowie erfolgter bariatrischer Operation verglichen.

Diskussion: Insgesamt gibt es Anzeichen für eine hohe Belastung durch soziale Ängste bei den adipösen Patienten. Die stärkere Berücksichtigung dieser Befunde in der psychosomatischen Behandlung in Form von gezielten indikativen Therapieangeboten wie Sozialen Kompetenz Trainings und Assertiveness Trainings scheint dringend indiziert.


Literatur

1.
Hilbert A. Soziale und psychosoziale Auswirkungen der Adipositas: Stigmatisierung und soziale Diskriminierung. In: Herpertz S, de Zwaan M, Zipfel S, eds. Handbuch der Essstörungen und Adipositas. Berlin: Springer; 2008. p. 288-291.
2.
Puhl RM, Heuer CA. The Stigma of Obesity: A Review and Update. Obesity. 2009;10:1-24.
3.
Foster GD, Wadden TA, Makris AP. Primary care physicians’ attitudes about obesity and its treatment. Obesity Research. 2003;11:1168-77.