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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Erhöhte Vulnerabilität für Essstörungen bei Homosexuellen Männern – Mediationsanalysen

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Ina Puy - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Halle/S., Deutschland
  • author Micha Strack - Georg-Elias-Müller Institut für Psychologie, Göttingen, Göttingen, Deutschland
  • author Günter Reich - Abtlg. f. Psychosomatische Medizin u. Psychotherapie, Universitätsmedizin, Göttingen, Göttingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess067

DOI: 10.3205/12dgess067, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0675

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Puy et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Zur Analyse der Ursachen einer erhöhten Vulnerabilität für Essstörungen bei homosexuellen Männern wird zunächst auf die Mehrdimensionalität „schwuler Identitäten“, auf die Queer-Theorie und die Männlichkeitsforschung hingewiesen. Bisherige empirische Studien haben zwar das Phänomen abgesichert, aber selten Erklärungsansätze geprüft.

Methodik: Es wurden 250 Männer, teils in speziellen Foren, rekrutiert und hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung (homo-, bi-, heterosexuell) gruppiert. Verschiedene klinische Fragebögen operationalisieren die Neigung zu Essstörungen (EDE-Q) und deren mögliche Hintergründe (EDI-2, TOSCA, BSI – 18, IIP, FBek).

Ergebnisse: Die 43% umfassende homo- und bisexuelle Gruppe weist im Vergleich zur heterosexuellen Vergleichsgruppe eine höhere Vulnerabilität auf (d=.54). Mediationsanalysen zeigen, dass die Essstörungsvulnerabilität hauptsächlich durch Probleme mit dem Körper erklärt wird ( R2=.686). Der perfektionistische Umgang mit dem Körper, der bei homosexuellen Männern ebenfalls stärker ausgeprägt ist, moderiert, indem er die Gefahr einer anorektischen Erkrankungsstruktur erhöht.

Diskussion: Die Interpretation generalisiert die Ergebnisse für effeminierte homosexuelle Männer. Beratungs- und Therapieangebote für effeminierte homosexuelle Männer sollen gezielt an der Körperwahrnehmung und dem Perfektionismus arbeiten.


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