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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Ich sehe was, was du nicht siehst! Perzeptuelle Verarbeitung bei Anorexia Nervosa

Meeting Abstract

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Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess065

DOI: 10.3205/12dgess065, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0659

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Banscherus et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Jüngste Studien haben funktionelle und strukturelle Veränderungen im extrastriatären Körperareal – einem Gehirnareal, das mit Körperwahrnehmung assoziiert wird – bei Anorexia Nervosa (AN) nachgewiesen. Auch die Gesichterverarbeitung scheint bei AN verändert zu sein. Das Ziel dieser Studie bestand darin, die Körper-, Gesichter- und Objektverarbeitung bei AN mittels EEG zu untersuchten, unter der Annahme dass die körper- und gesichterspezifischen Komponenten P100 und N170 Veränderungen bei den AN-Patientinnen aufweisen.

Methodik: 14 gesunde Probandinnen und 14 Frauen mit AN wurden untersucht. Die verwendeten Fragebögen, wie die Figurskala (Thompson & Grey, 1995) und die deutsche Fassung des Body Checking Questionnaire (Vocks, Moswald & Legenbauer, 2008), erfassten die Körperwahrnehmung und das Körperkontrollverhalten der Anorektikerinnen. Während der Ableitung des EEGs wurden Körper, Gesichter und Häuser sowohl aufrecht als auch invertiert präsentiert.

Ergebnisse: Signifikante Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen wurden entgegen der Erwartungen in Bezug auf Häuserstimuli gefunden. Hoch signifikante Korrelationen wurden darüber hinaus zwischen dem Ausmaß der Körperwahrnehmungsstörung und veränderten Amplituden und Latenzzeiten im EEG hinsichtlich aller drei Stimulustypen gefunden.

Diskussion: Diese Studie liefert erste Hinweise dafür, dass sich die verzerrte Wahrnehmung bei AN nicht allein auf Körper und Gesichter, sondern auch auf unbelebte Objekte erstreckt. Die Befunde stehen im Einklang mit jüngsten Befunden zur verzerrten Wahrnehmung hinsichtlich der perzeptuellen Verarbeitung sämtlicher Objekte bei der Körperdysmorphen Störung. Die Ergebnisse dieser Studie liefern einen Anstoß für den therapeutischen Prozess, der neben der Körperwahrnehmung die allgemeine Objektwahrnehmung mit einbeziehen sollte.


Literatur

1.
Vocks S, Schulte D, Busch M, Grönemeyer D, Herpertz S, Suchan B. Changes in neuronal correlates of body image processing by means of cognitive-behavioural body image therapy for eating disorders: A randomized controlled fMRI study. Psychol Med. 2011;41(8):1651-63.
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Pollatos O, Herbert BM, Schandry R, Gramann K. Impaired central processing of emotional faces in anorexia nervosa. Psychosom Med. 2008;70(6):701-8.
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Feusner JD, Hembacher E, Moller H, Moody TD. Abnormalities of object visual processing in body dysmorphic disorder. Psychol Med. 2011;41(11):2385-2397.