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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

"Fight the bull": Prävention gestörten Essverhaltens mit dem schulbasierten Programm "Torera" für Mädchen und Jungen der 7. Klasse – Ergebnisse einer kontrollierten Beobachtungsstudie

Meeting Abstract

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Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess061

DOI: 10.3205/12dgess061, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0611

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Berger et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Nach den Daten der KiGGS-Studie [1] zeigt sich bei knapp einem Viertel der Jugendlichen ein gestörtes Essverhalten, gut ein Fünftel sind übergewichtig oder adipös.

Methodik: Am Universitätsklinikum Jena wurden geschlechtsspezifische schulbasierte und manualisierte Programme entwickelt, um Magersucht (Programm PriMa für Mädchen der 6. Klasse), Übergewicht und Bewegungsmangel (Programm TOPP für Jungen der 6. Klasse) sowie Bulimie und Adipositas (Programm Torera für Jungen und Mädchen der 7. Klasse) vorzubeugen. PriMa und TOPP wurden mit über 2.500 Kindern aus über 100 Thüringer Schulen evaluiert [2], [3]. Vorgestellt wird die Evaluation von Torera anhand einer Prä-/Post-Kontrollgruppenstudie mit zwei Messzeitpunkten über 1 Jahr (n=578 11–13-Jährige aus 10 Thüringer Schulen).

Ergebnisse: Signifikante Effekte der Intervention Torera sowohl gegenüber einer unbehandelten Kontrollgruppe als gegenüber den Mädchen und Jungen, die bereits ein Jahr zuvor an PriMa/TOPP teilgenommen hatten, zeigen sich auf den beim Körperselbstwert und Essverhalten (erhoben mit den standardisierten Fragebogen FBeK, SCOFF und EAT-26D) in erster Linie bei Mädchen bzw. und Kindern mit erhöhtem Risiko.

Diskussion: Essstörungsrelevante Faktoren durch aufeinander aufbauende präventive Interventionen systematisch positiv verändert werden. Die Durchführung der Programme unter Alltagsbedingungen erwies sich auch großflächig als praktikabel. Der Zugang über die Schule ist sozial gerecht und niederschwellig. Die Durchführung durch vorher geschulte Lehrkräfte sichert – anders als der häufig praktizierte "Einkauf" externer Fachkräfte – das Empowerment aller Beteiligten (inkl. Schulleitung und Eltern) und nicht zuletzt aufgrund geringer Folgekosten (ca. 3 Euro pro Kind) die Nachhaltigkeit der Maßnahmen.


Literatur

1.
Hölling H, Schlack R. Essstörungen im Kindes und Jugendalter. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz. 2007;50:794–9.
2.
Wick K, Brix C, Bormann B, Sowa M, Strauß B, Berger U. Real-world effectiveness of a German school-based intervention for primary prevention of anorexia nervosa in preadolescent girls. Preventive Medicine. 2011;52:152-8.
3.
Berger U, Wick K, Brix C, Bormann B, Sowa M, Schwartze D, Strauß B. Primary prevention of eating related problems in the real world. Journal of Public Health. 2011;19:357-65.