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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Cognitive Remediation Therapy bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa – eine Pilotstudie

Meeting Abstract

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess057

DOI: 10.3205/12dgess057, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0579

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Kappel et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Neuropsychologische Befunde von Patienten mit Anorexia nervosa (AN) verdeutlichen Dysfunktionen der kognitiven Flexibilität und visuell-räumlichen Verarbeitung, die auch nach Gewichtsrehabilitation bestehen bleiben. Diese Defizite können eine pathologische Fokussierung auf Kalorien, Fett und Gewicht unterstützen und bieten Erklärungsansätze für die Körperbildstörung [1], [2]. Ein neu entwickeltes Behandlungsmodul, die Cognitive Remediation Therapy (CRT), adressiert die kognitiven Stile und wurde bei Erwachsenen mit AN bereits erfolgreich eingesetzt [3]. Jugendliche mit AN profitieren möglicherweise ebenfalls von der CRT. Studien in diesem Bereich stehen allerdings noch aus. Diese Pilotstudie prüft daher den Einsatz der CRT für deutschsprachige Jugendliche mit AN.

Methodik: Es erfolgte eine Adaptation der CRT [4] für den deutschsprachigen Raum. Fünf Jugendliche mit AN nahmen an 10 CRT-Sitzungen teil, zusätzlich zum multimodalen klinischen Behandlungsprogramm. Vor und nach der CRT erfolgte eine umfassende kognitionspsychologische Untersuchung mithilfe des Ravello-Profils [5]. Vergleichend wurden fünf weitere Jugendliche mit AN in identischen Behandlungssettings ohne CRT (TAU), sowie fünf psychiatrisch unauffällige Jugendliche (KG) untersucht.

Ergebnisse: Der klinische Eindruck vermittelt, dass die CRT von den Teilnehmerinnen positiv bewertet wird. Anhand von Fallbeschreibungen wird der Verlauf der CRT dargestellt. Die kognitionspsychologischen Profile der Teilnehmerinnen vor und nach der CRT sowie im Vergleich zu den Kontrollgruppen werden beschrieben.

Diskussion: Die CRT fokussiert typische kognitive Stile von Patienten mit AN und ist im klinischen Setting einsetzbar. Eine weitere empirische Überprüfung ist wünschenswert. In Anbetracht der Zunahme der early-onset AN sollte die Indikation der CRT für diese Patientengruppe geprüft werden.


Literatur

1.
Lopez C, Tchanturia K, Stahl D, Booth R, Holliday J, Treasure J. An examination of the concept of central coherence in women with anorexia nervosa. Int J Eat Disord. 2008;41:143-152.
2.
Lena SM, Fiocco AJ, Leyenaar JK. The role of cognitive deficits in the development of eating disorders. Neuropsychol Rev. 2004;14:99-113.
3.
Tchanturia K, Lock J. Cognitive remediation therapy for eating disorders: development, refinement and future directions. Curr Top Behav Neurosci. 2011;6:269-87.
4.
Lindvall C, Owen I, Lask B. Cognitive Remediation Therapy (CRT) for Children & Adolescents with Anorexia Nervosa - The CRT Resource Pack. Oslo University Hospital. Ellern Mede Eating Disorder Service. London, UK: London Gt. Ormond St. Hospital; 2011.
5.
Rose M, David J, Frampton I, Lask B. The Ravello Profile: development of a global standard neuropsychological assessment for young people with anorexia nervosa. Clin Child Psychol Psychiatry. 2011;16(2):195-202.