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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Suizidversuche und Selbstverletzung bei anorektischen und bulimischen Essstörungen

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Norbert Quadflieg - Psychiatrische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland
  • author Nadine Bachetzky - Schön Klinik Roseneck, Prien, Deutschland
  • author Manfred Fichter - Psychiatrische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, München, Deutschland; Schön Klinik Roseneck, München und Prien, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess056

DOI: 10.3205/12dgess056, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0562

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Quadflieg et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Bei Patientinnen mit Essstörungen finden sich sowohl selbstverletzende Verhaltensweisen ohne Suizidabsicht als auch suizidale Handlungen. Der Zusammenhang zwischen beiden Handlungsweisen sowie Unterschiede zwischen Essstörungstypen sind unklar.

Methodik: Die Stichprobe bestand aus 102 stationär wegen eine Magersucht und 97 stationär wegen einer bulimischen Essstörung behandelten Patientinnen mit und ohne selbstverletzenden Verhalten. Alle Patientinnen wurden mittels Experteneinschätzungen eingehend zu Selbstverletzungen und Suizidversuchen befragt.

Ergebnisse: Seit der Pubertät hatten 19 anorektische (18,6%) und 28 bulimische (28,9%) Patientinnen mindestens einen Selbstmordversuch unternommen (chi2(1)=2,9; p=0,09). Von den Patientinnen mit Suizidversuchen verwendeten mehr bulimische (60,7%) als anorektische (36,8%) Substanzen für die Suizidversuche. Gewalttätigere Methoden wie Erhängen, Erschiessen, oder sich vor ein Fahrzeug werfen, wurden von 47,4% der anorektischen und 32,1% der bulimischen Patientinnen verwendet (ns). Keine Konsequenzen hatten die Suizidversuche bei 31,6% der anorektischen und 39,3% der bulimischen Patientinnen, (not)ärztlich versorgt wurden die Folgen bei 36,8% der anorektischen und 21,4% der bulimischen Patientinnen, durch Angehörige 31,6% der anorektischen und 7,1% der bulimischen Patientinnen. Stationäre psychiatrische Einweisungen kamen nur bei bulimischen Patientinnen (32,1%) vor (chi2(5)=14,7; p=0,012). Letalität und körperliche Folgen der Suizidversuche wurden in beiden Gruppen gleich gravierend eingeschätzt.

Ein Zusammenhang zwischen gewalttätigen Suizidmethoden und massiven SEV war nicht erkennbar.

Diskussion: Anorektische und bulimische Patientinnen unterscheiden sich insgesamt wenig hinsichtlich der Anzahl, Art und Ernsthaftigkeit der Suizidversuche. Hinsichtlich der Versorgung der Folgen der Suizidversuche gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Insbesondere werden bulimische Patientinnen nach einem Selbstmordversuch häufiger stationär in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.