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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Beeinträchtigtes Set-Shifting bei Anorexia nervosa im Vergleich zur unipolaren Depression

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Eyal R. Drimmer - Medizinische Universitätsklinik Tübingen, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Katrin E. Giel - Medizinische Universitätsklinik Tübingen, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Andreas J. Fallgatter - Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Martin Hautzinger - Universität Tübingen, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Stefan Klingberg - Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Alexander Rapp - Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Michael Schönenberg - Universität Tübingen, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Andreas Wittorf - Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Larissa Wolkenstein - Universität Tübingen, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland
  • author Stephan Zipfel - Medizinische Universitätsklinik Tübingen, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Tübingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess054

DOI: 10.3205/12dgess054, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0540

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Drimmer et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Set Shifting beschreibt die Fähigkeit, flexibel zwischen unterschiedlichen Aufgaben, Tätigkeiten oder mentalen Zuständen zu wechseln. Die bisherige Forschung zeigte, dass die Set Shifting Fähigkeit sowohl bei Anorexia nervosa (AN) als auch bei unipolaren Depressionen (UD) beeinträchtigt ist [1], [2]. Fowler und Kollegen [3] konnte allerdings zeigen, dass bei AN ohne eine komorbide Depression keine derartige Beeinträchtigung vorliegt. Diese Ergebnisse und die hohe Komorbidität von Depressionen bei AN werfen die Frage auf, in welchem Maße die Beeinträchtigung im Set Shifting auf die Anorexie selbst beziehungsweise eine komorbide Depression zurückzuführen ist.

Methodik: Es wurden 15 Patientinnen mit AN ohne komorbide Depression, 20 Patienten mit UD und 35 psychiatrisch unauffällige Kontrollprobanden miteinander verglichen. Set Shifting wurde mit einer parametrischen Go/No-Go Aufgabe (PGNG) sowie dem Trail-Making-Test (TMT) und Wisconsin Card Sorting Test (WCST) als etablierte Verfahren gemessen. Die Schwere einer depressiven Symptomatik wurde anhand des Quick Inventory of Depressive Symptomatology (QIDS) ermittelt.

Ergebnisse: Patienten mit UD zeigten eine signifikant schlechtere Leistung bei allen drei Tests im Vergleich zu Patientinnen mit AN und den Kontrollprobanden, wohingegen sich Patientinnen mit AN nicht von den Kontrollprobanden unterschieden. Außerdem korreliert die Schwere der depressiven Symptomatik signifikant mit der Set Shifting Fähigkeit.

Diskussion: Wider Erwarten zeigte sich nur bei Patienten mit UD eine signifikant beeinträchtigte Set Shifting Fähigkeit. Wie erwartet, zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der depressiven Symptomatik und der Beeinträchtigung im Set Shifting. Diese Ergebnisse geben einen ersten Hinweis darauf, dass bei AN beeinträchtigtes Set Shifting vorwiegend mit depressiver Symptomatik zusammenhängt.


Literatur

1.
Roberts ME, Tchanturia K, Stahl D, Southgate L, Treasure J. A systematic review and meta-analysis of set-shifting ability in eating disorders. Psychol Med. 2007;37(8):1075-84.
2.
Harvey PO, Le Bastard G, Pochon JB, Levy R, Allilaire JF, Dubois B, Fossati P. Executive functions and updating of the contents of working memory in unipolar depression. J Psychiatr Res. 38(6):567-76.
3.
Fowler L, Blackwell A, Jaffa A, Palmer R, Robbins TW, Sahakian BJ, Dowson JH. Profile of neurocognitive impairments associated with female in-patients with anorexia nervosa. Psychol Med. 2006;36(4):517–27.