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3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

23.02. - 25.02.2012, Hannover

Einfluss der elterlichen „Expressed Emotions“ auf die Selbstregulationsfähigkeit von Kindern mit einer „Binge-Eating-Störung“ im Vergleich zu Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Vorläufige Resultate der Sun-Studie

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Daniela Dremmel - Universität Fribourg/ Departement für klinische Psychologie, Fribourg, Schweiz
  • author Simone Munsch - Universität Fribourg/ Departement für klinische Psychologie, Fribourg, Schweiz
  • author Anja Hilbert - Universität Leipzig, Leipzig, Deutschland
  • author Claudia Ruf - Universität Fribourg, Fribourg, Schweiz

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). 3. Wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen. Hannover, 23.-25.02.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. Doc12dgess020

DOI: 10.3205/12dgess020, URN: urn:nbn:de:0183-12dgess0202

Veröffentlicht: 8. Februar 2012

© 2012 Dremmel et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Fähigkeit zur Selbstregulation nimmt bei der Entwicklung von psychischen Störungen eine wesentliche Rolle ein – so auch bei Essanfallsstörungen. Um der ständigen Konfrontation mit Nahrungsreizen standzuhalten, ist die Fähigkeit der Differenzierung von körpereigenen Hungerreizen und äusserlichen Reizen, die das Verlangen nach Nahrung auslösen notwendig. Neben biologischen Komponenten, die zur differentiellen Reagibilität bezüglich Nahrungsreizen prädisponieren, wird die Fähigkeit zum Aufschub nahrungsbezogener Belohnung zudem durch Temperamentsmerkmale und Merkmale der Eltern-Kind-Interaktion beeinflusst.

Methodik: In der vorliegenden Studie werden emotionale Merkmale (Expressed Emotions) der Eltern-Kind-Interaktion in generellen Alltags- so wie in typischen Esssituationen anhand des Five Minute Speech Sample (FMSS) erfasst und deren Einfluss auf die Fähigkeit zum generellen und nahrungsspezifischen Belohnungsaufschub der Kinder (Delay of Gratification Paradigma), im computergesteuerten Paradigma (Door Opening Task) sowie in der standardisierten Verhaltensbeobachtung untersucht.

Im Anschluss an die schulbasierte Rekrutierung nahmen bisher insgesamt 15 alters-, geschlechts- und BMI parallelisierte Kinder mit BED, ADHD und Kinder ohne psychische Störungen im Alter von 8 bis 12 Jahren an der Studie teil.

Ergebnisse: Vorläufige Ergebnisse weisen auf einen im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöhten Zusammenhang zwischen emotional belastender Interaktionen (hohe Kritikausübung und emotionale Überbeteiligung) und erhöhter Selbstregulationsschwierigkeiten insbesondere in Verbindung mit essspezifischen Reizen hin. Kinder mit ADHD weisen im Allgemeinen ähnliche EE-Merkmale wie Kinder mit BED auf, jedoch ist der Zusammenhang in essensspezifischen Situationen weniger ausgeprägt.

Diskussion: Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle der elterlichen Interaktion in Bezug auf die Selbstregulationsfähigkeit und die Fähigkeit zum Aufschub nahrungsbezogener Belohnung. Weitere Faktoren, die die Fähigkeit zur Kontrolle automatischen Denkens, Fühlens und Handelns beeinflussen wie die Impulsivität als Temperamentsmerkmal und das subjektive Erleben von Stress des Kindes sollten künftig in Studien zur Untersuchung von aufrechterhaltenden Mechanismen defizitärer Selbstregulationsmechanismen miteinbezogen werden.