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1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e. V. (DGESS)

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen e. V.

8. ? 10.11.2007, Prien am Chiemsee

Beeinträchtigte zentrale Verarbeitung und emotionale Erkennensleistung emotionaler Gesichter bei Anorexia Nervosa – eine EEG-Studie

Meeting Abstract

  • corresponding author O. Pollatos - LMU München, Abteilung Psychologie
  • B. Herbert - München
  • E. Mathias - München
  • K. Gramann - München
  • R. Schandry - München

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen. 1. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen e.V. (DGESS). Prien am Chiemsee, 08.-10.11.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07dgessV14

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgess2007/07dgess57.shtml

Veröffentlicht: 24. Oktober 2007

© 2007 Pollatos et al.
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Gliederung

Text

Es gibt Hinweise, dass bei Essstörungen die Verarbeitung emotionaler Gesichter beeinträchtigt ist. Bisher gibt es aber keine Untersuchung, ob sich solch ein angenommenes Erkennungsdefizit auch in Komponenten der zentralen Verarbeitung widerspiegelt.

Bei 15 Anorektikerinnen und entsprechenden Kontrollprobanden wurde ein 64-Kanal-EEG abgeleitet, während neutrale, glückliche, traurige, ängstliche, wütende und angeekelte Gesichtsreize aus dem KDEF betrachtet. Die Probanden sollten diese nach jeder Präsentation anhand einer Forced-Choice-Prozedur zudem emotional kategorisieren. Erhoben wurden neben den visuell-evozierten Potentialen die Wiedererkennungsleistung.

Anorektikerinnen waren in der P300 als einem zentralen Index der Gesichtsverarbeitung für negative Gesichtsausdrücke signifikant reduziert im Vergleich zu gesunden Probanden. SIe zeigten weiterhin im Gegensatz zu den Kontrollpersonen keine emotionale Modulation der P300 und hatten auch eine reduzierte Wiedererkennungsleitung, insbesondere für neutrale, traurige und angeekelte Gesichter. Unterschiede in der Variable Alexithymie wurden dabei kontrolliert.

Diese Studie zeigt neben einer Beeinträchtigung der Wiedererkennungsleistung für emotionale Gesichter auch eine reduzierte Verarbeitung emotional negativer Gesichter, welche für die schlechtere Wiedererkennungsleistung mitverantwortlich sein könnte. Dies wirft Fragen nach zugrunde liegenden Aktivierungsunterschieden an bestimmten an der Gesichtsverarbeitung beteiligten Gehirnarealen auf. Insbesondere die Schwierigkeit, neutrale Gesichter zu erkennen, und die systematische Missinterpretation glücklicher Gesichter in geative Kategorien könnte für die Probleme von Anorektikerinnen im sozialen Leben eine wichtige Rolle spielen.